Startschuss für Mega-Börsengang | Wirtschaft | DW | 19.02.2018
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Wirtschaft

Startschuss für Mega-Börsengang

Es könnte der größte Börsengang in Frankfurt seit zwanzig Jahren werden: Siemens will sich von einer weiteren Tochter trennen und seine ertragreiche Medizintechniksparte Healthineers aufs Börsenparkett bringen.

DZNE in Buschdorf MRT Kernspin Tomograf (DZNE/Volker Lannert)

Ein Kernspintomograph - Medizintechnik sorgt für guten Umsatz bei Siemens

Der Elektrokonzern Siemens hat offiziell den Startschuss für den Börsengang seiner Medizintechniktochter Healthineers gegeben. Das Unternehmen veröffentlichte am Montag die sogenannte "Intention to Float", mit der die feste Absicht kundgetan wird, Anteile an die Börse zu bringen. Der milliardenschwere Börsengang könnte so noch im März über die Bühne gehen. Voraussetzung ist, dass das Kapitalmarktumfeld mitspielt. Da Medizintechnik-Unternehmen meist höher bewertet sind als die Industrie, hofft Siemens, dass sich das auch im Börsenkurs widerspiegelt.

Nach dem Windkraftkonzern Siemens Gamesa wird Healthineers die zweite Siemens-Tochter, die separat an der Börse gelistet wird. Mittelfristig sieht Konzernchef Joe Kaeser das Konglomerat Siemens als "Flottenverbund" weitgehend eigenständiger Unternehmen, die vor allem die Marke verbindet.

Börsengang der Superlative

Mit erwarteten Einnahmen von mehreren Milliarden Euro wäre der Börsengang von Healthineers einer der größten der vergangenen Jahre in Deutschland. Analysten trauen Healthineers einen Marktwert von 30 bis 40 Milliarden Euro zu. Dies könnte früheren Spekulationen zufolge Erlöse von sechs bis zehn Milliarden für Siemens bedeuten. Der Börsengang von Healthineers könnte damit die größte Neuemission an der Frankfurter Börse seit der Deutschen Telekom 1996 werden. Platz zwei und drei belegen bisher die Deutsche Post (6,25 Milliarden Euro) und die ehemalige Siemens-Tochter Infineon (6,07 Milliarden), jeweils im Jahr 2000.

"Siemens Healthineers ist jetzt bereit für sein Börsendebüt", sagte Michael Sen, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Healthineers und Vorstandsmitglied bei der Mutter. Siemens bekräftigte, Mehrheitsaktionär zu bleiben und die Tochter langfristig unterstützen zu wollen.

Der Erlös - die Rede ist von bis zu sieben Milliarden Euro - geht vollständig an den Mutterkonzern, Healthineers selbst bekommt kein Geld. Allerdings zahlt Siemens wohl zum Börsengang etwa die Hälfte der Schulden der Erlanger Tochter zurück, um dieser einen größeren Spielraum für Übernahmen zu geben. Healthineers kann künftig eigene Aktien verwenden, um Zukäufe zu finanzieren.

Medizintechnik sorgt für viel Umsatz

Siemens Healthineers kam im vergangenen Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von knapp 2,5 Milliarden Euro. Mit einer Gewinnspanne von 18,1 Prozent gehört die Gesellschaft mit ihren 47.000 Mitarbeitern zu den profitabelsten Geschäften von Siemens.

Deutschland Siemens Hauptquartier in München (Reuters/M. Dalder)

Healthineers hat Siemens bereits viel Geld in die Kassen gespült

Der größte Bereich ist die "diagnostische Bildgebung": Röntgen-, Computertomographie (CT)- und Magnetresonanztherapie-Geräte (MRT) machen mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. Hier sieht sich Healthineers unangefochten als Weltmarktführer. Die Nummer zwei weltweit ist Siemens in der Labordiagnostik, der Auswertung etwa von Blut- und Urintests. Sie macht 30 Prozent vom Umsatz aus. "Advanced Therapies" heißt der kleinste Bereich. Dabei geht es um technische Hilfsmittel für Operationen und die Behandlung von Krankheiten. Rund 55 Prozent der Umsätze sind wiederkehrend - wie etwa das Servicegeschäft - und damit unabhängig von ökonomischen Zyklen.

iw/nm (dpa, rtr, afp)