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Sport

Startschuss für Leichtathletik-WM

An neun Tagen geht es um Goldmedaillen in 47 Disziplinen: Zwei Jahre nach den Titelkämpfen von Berlin startete an diesem Samstag die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu. Gastgeber Südkorea hofft auf Olympiaflair.

Das offizielle Logo der Leichtathletik-WM

Gut zwölf Monate vor Olympia kommen die besten Leichtathleten der Welt in Südkoreas Millionenstadt Daegu zusammen. Beim größten Sportspektakel in diesem Jahr (27. August bis 4. September) geht es für die Kernsportart der Sommerspiele vor allem darum, in einer für sie schwierigen Zeit neue Stars hervorzubringen. Ziel des deutschen Teams ist es, mit den Goldhoffnungen Betty Heidler, Christina Obergföll und Robert Harting ähnlich erfolgreich zu sein wie 2009 in Berlin. Dort gab es zwei Siege und insgesamt neun Medaillen.

Das WM-Stadion in Daegu in Südkorea (Foto: dapd)

Das WM-Stadion in Daegu

In Südkorea gehen rund 2000 Athleten aus 202 Ländern in den 47 Disziplinen an den Start. Die Veranstalter erwarten mehr als 500.000 Zuschauer im Stadion der Fußball-WM von 2002. Bislang wurden bereits 97 Prozent aller Tickets verkauft - ein Großteil ging aber in Form von Gruppentickets an Organisationen, Schulklassen und Firmen. Viele Karten wurden auch kostenlos ausgegeben. Die Veranstalter hoffen nun, dass die Plätze auch tatsächlich besetzt werden.

Deutschland setzt auf Werfer

Im 72-köpfigen deutschen Team baut man vor allem auf die Werfer. Robert Harting (SCC Berlin), den Probleme mit der Patellasehne plagen, geht als Titelverteidiger in den Diskusring. Harting kritisierte im Gespräch mit "Sport Bild" den Stellenwert der Leichtathletik in Deutschland: "Ein polnischer Olympiasieger kriegt nach Karriereende 2000 Euro monatlich bis ans Lebensende. Da braucht man in Polen gar nicht mehr arbeiten zu gehen. Wir kriegen als Olympiasieger eine Kiste Bier - ein Jahr lang. Wie behämmert ist das?"

Die deutsche Hammerwerferin Betty Heidler dreht sich am 21.08.2010 bei einem Versuch ein - während des ISTAF Meetings in Berlin. (Foto: dpa)

Deutschlands Goldhoffnung: Hammerwerferin und Weltrekordlerin Betty Heidler

Auch Hammer-Weltrekordlerin Betty Heidler (LG Frankfurt) will wie 2007 in Osaka/Japan erneut Weltmeisterin werden. Und Speerwurf-Ass Christina Obergföll (Offenburg) hofft auf den ersten großen Titel. Neben einem halben Dutzend weiterer Werfer sind nur noch fünf Springer und Siebenkampf-Vizeweltmeisterin Jennifer Oeser (Leverkusen) Medaillentipps.

Die WM-Dritte Ariane Friedrich (Hochsprung) fällt dagegen nach einem Achillessehnenriss seit Dezember aus, die verletzungsbedingten Absagen von Hallen-Europameisterin Carolin Nytra (100 m Hürden), Europameisterin Verena Sailer (Sprint), Andre Höhne (Gehen) sowie der Zehnkämpfer Norman Müller und Michael Schrader folgten.

Wieder eine Bolt-Show?

Jamaikas Usain Bolt feiert mit seiner Landesflagge (Foto: AP)

Jamaikas Sprintstar Bolt

Vor allem Jamaikas Sprintstar Usain Bolt dürfte im Rampenlicht stehen. "Ich denke, ich werde mit Leichtigkeit gewinnen", sagt der dreifache Olympiasieger und Weltmeister: "Wenn ich in meinen Rennrhythmus komme, glaube ich nicht, dass sich jemand mit mir messen kann." Dass der 25-Jährige für den Gewinn der Goldmedaillen über 100 und 200 Meter an sein Limit - sprich in die Nähe seiner Weltrekorde (9,58 bzw. 19,19) - laufen muss, glaubt er nicht. "Es wird hier keine Rekorde geben", prophezeit Bolt, mit 9,88 Sekunden in dieser Saison nur die Nummer sechs der Welt. Deutlich schneller (9,78) war sein Landsmann Asafa Powell, doch der Weltjahresbeste sagte seine WM-Teilnahme ab.

Rekorde sind vielleicht in anderen Disziplinen zu erwarten: Kenias 800-m-Star David Rudisha etwa scheint so stark wie bei seiner Weltrekord-Dublette des Vorjahrs in 1:41,09 und 1:41,01 Minuten. Dass Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa wie 2005 in Helsinki mit Weltrekord (damals 5,01 m) gewinnt, wäre nach ihrem Berlin-Debakel 2009 und dem nicht überragenden Comeback 2011 eher eine Überraschung. Auch Äthiopiens Kenenisa Bekele, der die Weltrekorde über 5000 und 10.000 m hält, hat aktuell kaum die Form, die Serie der bisher fünf WM-Titel fortzusetzen.

Gespannt sind viele auf Oscar Pistorius, der als erster beinamputierter Leichtathlet die Qualifikation für die Titelkämpfe der Nichtbehinderten geschafft hat. Er steht über 400 und 4x400 m in Südafrikas Team. "Davon habe ich immer geträumt. Ich will mein Bestes für mein Land geben im Kampf gegen die Elite des Planeten", sagt Pistorius. Je schneller er allerdings läuft, desto schneller kommt die Diskussion darüber in Gang, ob die Spezialprothese nicht einen zu großen Vorteil bringt.

Erstmals Bluttests für alle

Bei der WM in Südkorea müssen sich erstmals alle Athleten Bluttests unterziehen. Eine 100-prozentige Kontrolldichte gab es laut Leichtathletik-Weltverband (IAAF) bisher bei keinem großen internationalen Sportereignis. "Das Bluttest-Programm in Daegu wird zusätzlich zu den regulären Dopingtests durchgeführt", informierte die IAAF. Außerdem sollen ungefähr 500 Urinproben genommen werden. "Wer sich in Daegu erwischen lässt, muss schon bekloppt sein. Keiner der finanziell gut situierten Spitzenathleten wird dort ins Netz gehen", sagt der Heidelberger Professor Werner Franke. Weiter meint der Anti-Doping-Kämpfer zu den angekündigten Blutkontrollen: "Die kommen natürlich für die WM zu spät. Sie hätten in der entscheidenden Trainingsphase stattfinden müssen." Doch vielleicht haben sie einen "Abschreckungseffekt", wie Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler betont.

Zu den weit über 100 Athleten, die seit der letzten WM mit Doping ertappt wurden und das Image der Sportart belasten, zählen aktuell zwei Sprinter. So rannten Steve Mullings (Jamaika) und Mike Rodgers (USA) als Kandidaten auf den Gewinn von fünf Sprintmedaillen ins Aus. Im Frühsommer erwischte es auch Kroatiens Diskus-Europameisterin Sandra Perkovic. Dagegen sind Dutzende überführte Doper nach dem Ende ihrer Strafen wieder startberechtigt, darunter der 100-m-Olympiasieger von 2004, Justin Gatlin aus den USA, und Shelly-Ann Fraser (Jamaika), die 100-m-Weltmeisterin von Berlin.

Insgesamt sind 63 Athleten in der Geschichte der Leichtathletik-WM des Dopings überführt worden, 16 Goldmedaillen wechselten im Nachhinein den Besitzer.

WM mit "olympischer" Atmosphäre

Vor dem Stadion in Daegu (Foto: dapd)

Vor dem Stadion in Daegu

Südkorea hat seit der ersten WM 1983 in Helsinki noch nie eine Medaille geholt. Durch das Großereignis erhofft sich deshalb das Gastgeberland auch einen Aufschwung für die nationale Leichtathletik. Der südkoreanischen Stadt Pyeongchang wurde erst vor wenigen Wochen das Austragungsrecht für die Olympischen Winterspiele 2018 zugesprochen. Stolz sind die Veranstalter auf ihr Konzept der kurzen Anlaufwege. Für die WM wurde - ähnlich wie bei Olympischen Spielen - ein ganz neues Athletendorf errichtet. Es ist nur sieben Minuten Fahrtzeit vom Stadion entfernt. Überhaupt soll eine olympische Atmosphäre erzeugt werden. Zum Anfassen werden die Athleten aber nicht sein: Das Dorf wird strengstens bewacht.

Das Stadion wurde für die Fußball-WM 2002 gebaut und hat 265 Millionen US-Dollar gekostet. Rund 66.000 Zuschauer finden in der Arena Platz. Die blaue Tartanbahn gilt als sehr schnell und soll vor allem bei den Sprintern für Topzeiten sorgen. Daegu ist mit 2,5 Millionen Einwohnern die viertgrößte südkoreanische Stadt. Sie liegt knapp 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Seoul. Es herrscht ein subtropisches Klima, das auch den Athleten während der WM zu schaffen machen könnte.

Autor: Arnulf Boettcher (mit sid, dpa)
Redaktion: Joscha Weber

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