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Kultur

Stars und Steinchen

Hollywood ist erledigt. Die wahre Traumfabrik steht im dänischen Billund und bringt ständig neue Filmstars hervor: Lego-Männchen. Im Internet gibt‘s schon "Psycho" und "Titanic" als Remake mit dänischer Besetzung.

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Lego-Yoda gegen die dunkle Seite der Macht ...

Klick – rote Haare ab. Klick – braune Haare drauf. Eine Lego-Figur kommt schneller aus der Maske, als man Rumpelstilzchen auf Dänisch sagen kann. Keine Allüren, keine Affären – die Figuren sind ideale Schauspieler, obwohl sie nicht höher sind als das Kölner Telefonbuch. Deshalb drehen Lego-Liebhaber "Bricks of Doom" oder James-Bond-Mäßiges wie "Legoland is not enough". Die Schauspieler werden sozusagen von "Kinderzimmer Productions" direkt aus der Kiste gecastet für die Noppenplatten, die die Welt bedeuten. Weil die Legosteine auf Englisch "Bricks" heißen, werden die Lego-Movies auch "Brickfilms" genannt.

Das Grauen hat kleine Noppen

Legoland

Die perfekte Kulisse für 'Brickfilms'

Das Internet ist das Cannes der Kunststoff-Cineasten. Da gibt es Horror ("The Exorzist") und Science Fiction, Action und Romantik, Ultrakurz-Movies und 25-Minuten-Monumentalschinken. Viele sind richtige Kunstwerke, einige nicht, auf jeden Fall aber haben sich die Plastik-Passionisten einen Haufen Arbeit gemacht. Damit "Mario" wie in echt durch die Straßen brettern kann, muss man zum Beispiel ein Brett ins Cabrio legen, darauf die Kamera mit Klebeband befestigen und vor dem Objektiv "Mario" mit seinem Auto. Und dann eine Runde durch die Siedlung fahren. So hat es zumindest Dave Lennie aus Illinois gemacht. Mittlerweile haben Legogesichter auch mal Stoppelbärte – ansonsten kann das ein Filzstift regeln.

Viele der Kunststoff-Kubricks drehen Klassiker nach. Wie zum Beispiel Oliver Baentsch (27) aus Essen, der mit ein paar Freunden einen bekannten Quentin-Tarantino-Streifen in die Welt der kleinen Noppen verfrachtet hat: "Brick Fiction", die Sechs-Minuten-Kurzversion – aber mit allem Wichtigen: Schimpfworte, Schüsse und Twist-Einlage. "Dafür haben wir vier Abende gedreht", sagt Oliver DW-WORLD. Dann noch schneiden und bearbeiten, nach einigen Wochen war "Pulp Fiction" vorführfertig, mit Darstellern aus einem Kunststoff namens ABS.

Kulissen aus der Kiste

Dabei ist Oliver, der eigentlich Sozialwissenschaften studiert, zwar von Kindesbeinen an legophil, aber eher zufällig unter die Filmer gekommen: "Ich hab gerade ein Praktikum bei einer Zeitung gemacht, da kam von Lego ein Moviemaker-Set in die Redaktion." Das von Steven Spielberg promotete Paket mit Kamera, Kulisse und Mini-Windmaschine stellt Lego mittlerweile nicht mehr her – gekauft haben es angeblich eh kaum Kinder, sondern Erwachsene mit Action-Ambitionen.

Außer der Kamera ist für Animation, Schnitt und Spezialeffekte nach Gusto – etwa die Dusche in der Essener "Psycho"-Version - noch Software vonnöten. Und vor allem braucht man: Steine. "Legoland is not enough", auch nicht als Requisite, drei Kisten voll also erst recht nicht. Im Ernstfall fehlt doch immer noch ein Piratenkopftuch oder die rosa Einer-Platte aus dem Set 3452 oder so. "Wir haben Lego gefragt, ob die uns fördern, aber die sperren sich immer so'n bisschen", sagt der Essener Legonardo.

Stein-Pornos

Die Zurückhaltung kann man bei manchen Projekten auch verstehen – denn obwohl Lego-Männchen sich gar nicht ausziehen können ohne die Beine zu verlieren, stehen doch Lego-Pornos im Internet. Welchem Hirn das auch immer entsprungen sein mag. Die meisten Steinchen-Spielbergs sind aber normale Menschen, betont Oliver – abgesehen vielleicht von einer militanten Abneigung gegen Playmobil-Männchen. Auch Außenstehende würden das einsehen, berichtet Oliver: "Viele sind erstmal skeptisch. Aber wenn sie hören, dass man Fanpost kriegt und sich Medien dafür interessieren, dann sieht das schon anders aus." Und deshalb halten er und sein Team weiter 'drauf. Als nächstes kommt "Das Boot" dran – "und das U-Boot gibt's schon".

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