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Kultur

Stars und Pannen bei der Copa

Die 42. Copa America ist zu Ende. Neben Traumtoren und neuen Stars gab es aber auch Anlaß zur Kritik. Eine Bilanz des südamerikanischen Fußballturniers.

Fußballspieler Robinho und Teamkollegen jubeln mit einer brasilianischen Flagge, Quelle: AP

Jubel bei den Brasilianern nach dem Finalsieg

Trotz des brasilianischen Siegs: Die Stars der Copa America kamen nicht ausschließlich aus dem Team der Champions. Die Show gehörte vier Spielern, deren Beitrag entscheidend für das gute Abschneiden ihrer Teams war: Juan Román Riquelme, Robinho, Lionel Messi und Nery Castillo. Nicht umsonst erhielt Robinho die Auszeichnung als wertvollster Fußballer des Turniers und als Torschützenkönig. Robinho kam nach Venezuela als Weltstar. Und dieser Bezeichnung wurde er gerecht. Der Brasilianer eroberte die Herzen der Fans mit seinen zahlreichen Tricks und seinem Sinn für das Spektakel.

Riquelme, der Spielmacher aus Argentinien, feierte in Venezuela seine Wiedergeburt auf der internationalen Bühne mit einer hervorragenden Leistung. Argentinien marschierte im Takt von Riquelme - ruhig, selbstbewusst, geduldig und genial - zum 2. Platz hinter Brasilien.

Maradonas Erbe: Lionel Messi

Neben Riquelme trat ein Ausnahmespieler auf, der bei der Copa sein ganzes Talent enfaltete und mit Recht das Erbe von Legende Diego Armando Maradona für sich reklamieren darf: Lionel Messi. Sein Tor gegen Mexiko im Halbfinale wird in die Geschichte des Fußballs als eins der schönsten und intelligentesten eingehen: Ballannahme im Sechzehner, einmal hoch geschaut, der mexikanische Torwart stand zu weit vor dem Tor und Messi setzte einen Traumheber an. Die enorme Begeisterung, die der 20-Jährige bei den Fans weckt, ist nur mit seinem fast unglaublichen Können vergleichbar. Die Botschaft „Messi, falls du stirbst, wollen auch wir sterben, um dich im Himmel Fußball spielen zu sehen“, so war es auf vielen Bannern in den Stadien Venezuelas zu lesen.

Die Überraschung war der bisher unbekannte Nery Castillo, ein Uruguayer im Kader der Nationalelf von Mexiko, der mit seiner frechen Art die gegnerische Abwehr in Not brachte. „Seit sieben Jahren spiele ich in Europa, bei Olympiakos in Griechenland, und erst jetzt, bei der Copa America, ist mein Name ein Begriff für die Fußballwelt. Ich freue mich auf die Annerkenung und hoffe, dass ich bald in einer größeren Liga spiele“, sagte Castillo zu DW-WORLD.

Pannen und Propaganda

FIFA-Präsident Joseph Blatter lobte die diesjährige Copa: „Sie stand insgesamt auf sehr gutem Niveau, sie ist eine außerordentliche Copa America, die von Venezuela organisiert wurde.“ Doch er war zu kurz da, um die Pannen mitzubekommen: die baufälligen Stadien, tausende aufgebrachte Fans, die rechtzeitig ihre Eintrittskarten gekauft, sie aber nie erhalten hatten, die Stromausfälle wie im Halbfinale Uruguay – Brasilien oder die Sicherheitsmängel auf dem Fußballfeld, das voll mit Fans und Autogrammsuchern war, die als Freunde einflussreicher Venezolaner eine offizielle Akkreditierung erhalten hatten.

Die Veranstaltung wurde hemmungslos von einigen Politikern instrumentalisiert und als eine Chance für Propaganda in eigener Sache genutzt. Gouverneure, die halbseitige Anzeigen in den bekanntesten Tageszeitungen von Venezuela schalteten oder Eintrittskarten unter Beamten und Freunden verteilten, waren ein ständiges Thema während der drei Wochen.

Viele Tore, große Begeisterung in Venezuela

Sportlich bot die südamerikanische Ländermeisterschaft viele Tore, im Durchschnitt 3,3 pro Spiel, was für einen offensiven Fußball spricht. Ergebnisse mit mehr als 5 Toren waren keine Seltenheit: Mexiko 6 – Paraguay 0; Paraguay 5 – Kolumbien 0; Brasilien 6 – Chile 1; Uruguay 4 – Venezuela 1 sind nur einige Beispiele.

Ebenfalls ein positives Ergebnis der Copa war die Fußballbegeisterung in Venezuela. Der Gastgeber hatte bisher keine Fußballtradition, die nationale Sportart ist Baseball. Und dennoch verfolgte ein großer Teil des Volkes mit Interesse die Copa America, was auch daran lag, dass Venezuela zum ersten Mal bei dem Turnier das Viertelfinale erreichen konnte.

Schwache Leistung der Bundesliga-Spieler

Die 13 Spieler aus der deutschen Bundesliga, die zur Copa America kamen, blieben eher unauffällig: Diego (Werder Bremen), Mineiro, Gilberto (Hertha BSC) und Juan (Ex-Leverkusen) spielten nicht auf ihrem besten Niveau trotz der Meisterschaft Brasiliens; ebenso Dario Rodriguez (Schalke 04), der mit Uruguay den 4. Platz belegte. Mit seiner konstanten Leistung war Paolo Guerrero (HSV) einer der besten deutschen Legionäre, während Roque Santa Cruz (Bayern München) ein gutes Auftaktspiel bot und danach, genauso wie Claudio Pizarro (Ex- FC Bayern), von der Liste der Protagonisten in Venezuela verschwand.

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