1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Starke Frau mit großem Antrieb

Anna Schaffelhuber ist das Gesicht der deutschen Paralympics-Mannschaft: jung, hübsch und erfolgreich. In Sotschi hat sich die Monoski-Fahrerin schon den Traum von der Goldmedaille erfüllt.

Video ansehen

Medaillenhoffnung Anna Schaffelhuber

Wer Anna Schaffelhuber inmitten der Reporter-Traube entdeckt, könnte den Eindruck gewinnen, den ganzen Trubel sei sie längst gewöhnt. Dutzende Journalisten und Kameraleute stehen artig Schlange, auf jede noch so beliebige Frage hat sie eine freundliche Antwort. Immer wieder huscht ihr ein Lächeln über die Wangen. Wie ein Medienprofi meistert die 21-Jährige den Interview-Marathon.

Dabei ist das große Interesse auch für Schaffelhuber eher willkommene Abwechslung als Alltag. Sonst ist es eher ruhig bestellt um die deutschen Behinderten-Sportler. Aufmerksamkeit bekommen sie eigentlich nur alle paar Jahre, immer wenn ein Großereignis ansteht. Bei den Winter-Paralympics in Sotschi ist Anna Schaffelhuber so etwas wie der Star unter den 13 Athleten im deutschen Team, keine steht so im Fokus wie sie. Immerhin war sie schon zweimal (2011 und 2013) Deutschlands

Behindertensportlerin des Jahres

.

Mit mehr als 100 km/h die Piste hinab

Die Monoski-Fahrerin galt schon im Vorfeld als große Medaillenhoffnung, die Frage nach dem Druck lächelt sie gekonnt weg: "Wenn ich meine Leistung bringe, dann bin ich auf jeden Fall gut dabei", sagt sie, nicht ohne hinzuzufügen: "Ich genieße momentan einfach jede Minute auf Ski."

Schaffelhuber bei einem Rennen zwischen den Stangen. Foto: dpa-pa

Dreimal Weltcup-Gesamtsiegerin, dreimal Weltmeisterin: Schaffelhuber gilt in Sotschi als heiße Medaillenkandidatin

Schaffelhuber ist von Geburt an querschnittsgelähmt - vom Becken abwärts. Im Alltag ist sie deshalb auf den Rollstuhl angewiesen - was die 1,50 Meter kleine Powerfrau nicht davon abhält, sich in den Bergen auszutoben. Mit mehr als 100 km/h rauschen Monoski-Fahrer wie Schaffelhuber die Piste hinab. "Irgendwie brauche ich dieses Adrenalin", sagt sie.

Ehrgeizig im Sport und im Studium

Mit fünf Jahren begann Schaffelhuber, Monoski zu fahren. Das Gerät, auf dem sie in Sotschi sitzen wird, ist ein technisches Meisterstück, von Ingenieuren individuell angefertigt, so teuer wie ein Kleinwagen. Der Monoski besteht aus einer Karbon-Sitzschale, regulierbarem Stoßdämpfer und Carving-Ski inklusive Bindung. Mit dem Oberkörper leitet Schaffelhuber Richtungswechsel ein, weshalb die Rumpf- und die Bauchmuskulatur besonders beansprucht werden. Mit zwei kleinen zusätzlichen Krückenski hält sie die Balance.

"Das Grundprinzip ist dem beim normalen Skifahren ähnlich", erklärt Schaffelhuber. "Man muss den Ski auf die Kante bringen." 20 Stunden pro Woche verbringt Schaffelhuber auf der Piste. Dazu kommen Kraft- und Konditionseinheiten. Das Programm ist immens, für das Jura-Studium bleibt im Moment nur wenig Zeit. "Manchmal frage ich mich, wie ich das alles schaffe", sagt Schaffelhuber. Doch was die Einser-Abiturientin anpackt, zieht sie auch durch, bislang mit Erfolg. "Die Anna ist ehrgeizig und sehr zielstrebig", lobt Ski-Alpin-Bundestrainer Justus Wolf.

"Wir wissen, wie stark Anna im Kopf ist"

Schaffelhuber trainiert im Windkanal. Foto: dpa-pa

Training im Windkanal

Das Ziel für Sotschi ist klar definiert: Schaffelhuber soll für deutsche Medaillen sorgen. "Es sind vor allem einzelne herausragende Sportler bei den Paralympics, die mit mehreren Erfolgen ihre Nationen im Medaillenspiegel nach vorne bringen",

erklärt Karl Quade

, Chef de Mission bei diesen Spielen. Deutschlands Top-Athleten von vor vier Jahren in Vancouver sind nicht mehr am Start, besonders im Alpinbereich wirkt das Ausscheiden von Gerd Schönfelder (2010: viermal Gold) und Martin Braxenthaler (2010: dreimal Gold) schwer. Anna Schaffelhuber soll in ihre Fußstapfen treten. Als 17-Jährige konnte sie schon in Vancouver paralympische Luft schnuppern und gewann Bronze im Super-G. Bei der Abschlussfeier durfte sie

die deutsche Fahne tragen

.

Bundestrainer Justus Wolf traut ihr diesmal den großen Coup zu: "Wir wissen schließlich, wie stark Anna im Kopf ist." Die Dreifach-Weltmeisterin von 2011 und dreimalige Gesamtweltcup-Siegerin geht in Sotschi in fünf Disziplinen an den Start.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema