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Afrika

Starke Frau an der Spitze Afrikas

Sie ist die erste Frau auf dem Chefsessel der Afrikanischen Union: Nkosazana Dlamini-Zuma. Als neue Präsidentin der AU-Kommission muss sich die Südafrikanerin als Krisenmanagerin beweisen.

Nkosazana Dlamini-Zuma, EPA/MARTIN DIXON +++(c) dpa - Bildfunk+++

Nkosazana Dlamini-Zuma

Sie gilt als ausgesprochen durchsetzungsfähig und diszipliniert - Eigenschaften, die Nkosazana Dlamini-Zuma in ihrer neuen Position dringend braucht. Immerhin steht sie nun für vier Jahre an der Spitze eines der größten regionalen Bündnisse weltweit, dirigiert künftig 53 afrikanische Staaten. Und auch die Liste ihrer diplomatischen Herausforderungen ist lang. Sie reicht von der politischen Krise in Mali über die Gewalt im Kongo bis zum Neuaufbau des Sorgenstaates Somalia.

Doch den mächtigen Posten der Präsidentin der AU-Kommission musste sich Dlamini-Zuma, bislang Innenministerin Südafrikas, hart erkämpfen. Das Votum der Staats- und Regierungschefs auf dem AU-Gipfel in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba im Juli dieses Jahres war keine spontane Liebeserklärung an die 63-Jährige. Erst als Amtsinhaber Jean Ping aus dem westafrikanischen Gabun seine Kandidatur zurückzog, erhielt Dlamini-Zuma in der vierten Wahlrunde die erforderliche Mehrheit. Die Kandidatin feierte das Ergebnis als besonderen Sieg: "Diese Position ist nicht nur wichtig für Südafrika, sondern auch für die Frauen. Noch nie hatte eine Frau diesen Job und wir bekämen ihn auch nicht, wenn wir uns nicht immer wieder zur Wahl stellen würden - und schließlich gewinnen", sagte sie.

Starke Frau aus dem Süden

Nkosazana Dlamini-Zuma bei der UN-Vollversammlung (ddp images/AP Photo/Ed Betz).

Dlamini-Zuma vertrat bisher Südafrika bei der UN-Vollversammlung

Dlamini-Zuma gilt als eine der einflussreichsten Politikerinnen Südafrikas und als Veteranin im Kampf gegen den Rassenhass. Geboren 1949, wuchs sie als eines von acht Kindern in einem Dorf nahe der Küstenstadt Durban auf, wurde in der Tradition der Zulu erzogen, der größten Volksgruppe Südafrikas. Sie studierte zunächst Zoologie und Botanik, engagierte sich schon früh im Untergrund für den Afrikanischen Nationalkongress (ANC), die südafrikanische Anti-Apartheid-Bewegung. Nach den Aufständen von 1976 floh sie ins britische Exil, studierte dort Medizin und heiratete 1978 den heutigen Präsidenten Südafrikas, Jacob Zuma.

In den frühen neunziger Jahren kehrte sie zurück nach Südafrika und ging 1994, nach den ersten freien Wahlen des Landes, in die Politik. Der neue Präsident, Nelson Mandela, machte sie zu seiner Gesundheitsministerin. Danach war Dlamini-Zuma Außenministerin. 2009 wechselte sie in die Innenpolitik - als Ministerin in der Regierung ihres Ex-Ehemannes Jacob Zuma, von dem sie seit 1998 geschieden ist. Er war einer der ersten, der ihr zum Wahlsieg gratulierte. "Das bedeutet viel für Afrika, für den Kontinent, für die Einheit und die Rechte der Frauen", sagte Zuma.

Die neue Krisenmangagerin

Das große politische Ziel der fünffachen Mutter: Sie will die Afrikanische Union effizienter gestalten. Immer wieder stand das Bündnis in der Kritik, ein "zahnloser Tiger" zu sein, der sich in Krisen wie in Mali, Libyen und Sudan zu keiner eindeutigen Stellung durchringen konnte. Ein Vorwurf, der sich auch an den scheidenden Kommissionspräsidenten Jean Ping richtet. "Von Frau Dlamini-Zuma wird jetzt erwartet, dass sie die AU-Kommission stärkt und ihr politisches Gehör verschafft", sagt Julia Leininger vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn. Konkret bedeutet das, die Union nach innen und nach außen zu managen. Dabei muss Dlamini-Zuma nicht nur Arbeitsabläufe verbessern und gut ausgebildete Kräfte in Spitzenpositionen einsetzen, sondern auch die politischen Differenzen der Mitgliedstaaten schlichten und Lösungen für die Konflikte des Kontinents vorantreiben.

Bild des bisherigen Amtsinhabers: Jean Ping aus Gabun REUTERS/Noor Khamis (ETHIOPIA - Tags: POLITICS HEADSHOT)

Der bisherige Amtsinhaber: Jean Ping aus Gabun

Monatelang hatte Dlamini-Zuma mit Jean Ping, seit 2008 im Amt, um den Chefposten gerungen. Der Machtkampf hatte die Organisation regelrecht gelähmt und dazu geführt, dass die AU mehr mit sich selbst als mit den drängenden Problemen des Kontinents befasst war. Eine erste Abstimmung beim AU-Gipfel im Januar endete ohne Ergebnis, weil keiner der beiden Kandidaten die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreichte. Das Bündnis: zerrissen entlang Sprachgrenzen und Interessenlagen.

Anglophones gegen frankophones Afrika

Allein schon mit der Kandidatur Dlamini-Zumas hatte Südafrika ein ungeschriebenes Gesetz der AU gebrochen. Danach dürfen sich große, wirtschaftsstarke Staaten nicht um hohe Ämter bewerben. Dlamini-Zuma aber genießt die Unterstützung weiter Teile des englischsprachigen Afrikas und ist die Wunschkandidatin der "Wirtschafts- und Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika" (SADC). Ping dagegen galt als der Kandidat des frankophonen Afrikas, der kleinen, weniger starken Länder. Für Südafrika bedeutet die Wahl Dlamini-Zumas zusätzliches diplomatisches Gewicht: Die größte Volkswirtschaft Afrikas gehört zu den führenden Schwellenländern und strebt nach einem permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat.

Milizen der Islamistengruppe Ansar Dine in Nordost-Mali, REUTERS/Adama Diarra (MALI - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT RELIGION)

Islamisten terrorisieren den Norden Malis

Von zwei Fronten in der Union will das Land nichts wissen. "Nkosazana Dlamini-Zuma wird allen Mitgliedstaaten der AU gleichermaßen dienen und nicht nur einer Region oder einem Land", sagte eine Sprecherin der südafrikanischen Regierung nach dem Wahlsieg. Dennoch: Der Riss in der AU ist tief und könnte zur Bewährungsprobe für die neue Chefin werden. "Dlamini-Zuma ist sehr erfahren in innenpolitischen Fragen, sehr durchsetzungsfähig, aber sie hat kaum Erfahrung auf diplomatischer Ebene, deshalb wird man sehen müssen, ob sich die Konfrontation im Vorfeld der Wahl in ihr Amt weitertragen wird", sagt Afrika-Expertin Leininger.

Neben Lösungen für die Auseinanderssetzungen innerhalb der Organisation muss die neue AU-Chefin auch Antworten auf die Krisen des Kontinents finden, darunter die Konflikte in Mali und zwischen dem Sudan und Südsudan.

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