Starinvestor verlässt Apple | Wirtschaft | DW | 29.04.2016
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Wirtschaft

Starinvestor verlässt Apple

Der als aggressiver Investor bekannte Milliardär Carl Icahn hat sich von seiner Apple-Beteiligung getrennt. Der Grund ist angeblich die Sorge um das Geschäft in China - doch vermutlich steckt mehr dahinter.

"In China könnten die Behörden einschreiten und es für Apple sehr schwer machen, dort zu verkaufen", erklärte der milliardenschwere Investor dem US-Fernsehsender CNBC. Vor kurzem war bekannt geworden, dass das Film- und E-Book-Angebot von Apple in China blockiert worden ist. Die Regierung habe insgesamt deutlich gemacht, dass sie stärker gegen westlichen Einfluss vorgehen wolle.

Icahn hatte seit August 2013 Apple-Papiere im Wert von mehreren Milliarden Dollar zusammengekauft und auf den Konzern Druck ausgeübt, die Aktionäre über Aktienrückkäufe und Dividenden stärker an den Milliardengewinnen zu beteiligen. Apple erhöhte die über mehrere Jahre verteilten Ausschüttungen in dieser Woche um 50 Milliarden auf insgesamt 250 Milliarden Dollar. Nach eigenen Angaben hat Icahn an den Apple-Aktien etwa zwei Milliarden Dollar verdient.

Symbolbild Apple

Der Hoffnungsträger iPhone schwächelt...

Viele Baustellen

Beobachter zweifeln jedoch, dass die Risiken in China der einzige Grund für den 80jährigen Investor waren, sich von seinem Fünf-Milliarden Dollar Paket zu trennen. Denn erstmals seit dem Jahr 2003 - damals hatte Apple weder das iPhone noch den Tabletcomputer iPad im Programm - sind die Umsätze in einem Quartal gefallen. Zum ersten Mal überhaupt waren die Verkaufszahlen für das iPhone rückläufig. Mehr noch: Die Umsätze schrumpften in fast allen großen Produktkategorien sowie in fast allen Regionen der Welt. Der Gigant ist träge geworden - und nicht mehr so innovativ wie früher.

Für den erfolgsverwöhnten Konzern ist das eine Zäsur. Sie kommt zwar nicht ganz überraschend, da Apple die Finanzmärkte schon vor drei Monaten auf rückläufige Umsätze und schrumpfende iPhone­-Absätze eingestellt hatte. Aber die Zahlen sind noch schlechter ausgefallen als erwartet. Es klang auch nicht allzu überzeugend, als der Vorstandsvorsitzende Tim Cook in einer Telefonkonferenz von der "strahlenden Zukunft" seines Unternehmens sprach.

Apple Store in Berlin Apple Watch

... und die Apple Watch auch

Das größte Problem von Apple ist die Delle im Geschäft mit dem iPhone, denn dieses Geschäft alleine steht für 65 Prozent des gesamten Umsatzes. Große Hoffnungen setzt der Konzern in die so genannte Apple-Watch – das erste neue Gerät seit der Einführung des iPad im Jahr 2010 und auch seit Tim Cook das Unternehmen führt. Sie gilt daher ein Stück weit als Gradmesser, ob Apple auch unter Cook für revolutionäre Produkte wie das iPhone oder das iPad gut ist.

Apple Watch schwächelt

Eine weitere starke Säule im Geschäft würde Apple helfen, die Abhängigkeit vom iPhone zu verringern. Davon ist die Apple Watch aber weit entfernt. Der Konzern weist zwar keine separaten Zahlen für die Uhr aus, aber Analysten haben ausgerechnet, dass der Umsatz mit der Smartwatch im 1. Quartal höchstens bei 500 Millionen Dollar gelegen haben.

Der Milliardär Icahn ist berüchtigt für die Vorgehensweise, sich bei Unternehmen einzukaufen und dann Ausschüttungen oder eine Zerschlagung zu fordern. Er halte Apple weiterhin für ein "großartiges Unternehmen", das von Cook gut geführt werde, und er könne sich einen späteren Wiedereinstieg vorstellen, sagte Icahn dem Sender CNBC.

Icahn hatte früher stets erklärt, Apple sei an der Börse unterbewertet. Die Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten wegen der Sorge der Anleger um das zukünftige Wachstum gut ein Viertel ihres Werts. Apple ist an der Börse aktuell gut 490 Milliarden Dollar wert - während der Konzern allein Geldreserven von 233 Milliarden Dollar besitzt.

Lange Durtstrecke?

Der chinesische Markt ist für Apple immer wichtiger geworden und neben der Apple Watch der zweite große Hoffungsträger. Der Konzern macht dort inzwischen rund ein Viertel seines Geschäfts. Apple-Chef Tim Cook hatte zuletzt angekündigt, er werde auch ungeachtet der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen in China die Investitionen nicht zurückfahren. Die Lage dort sei stabiler als befürchtet, so Cook.

Indes: Auch beim großen Hoffnungsträger China läuft das Geschäft nicht mehr rund. Gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal ist der Umsatz hier um 26 Prozent auf 12,4 Milliarden Dollar gefallen. Keine andere Region ist so stark eingebrochen - und vorläufig gibt es keinen Ersatz für diesen Absatzmarkt. Tim Cook erwähnte im Gespräch mit Analysten zuletzt Indien, schränkte aber selbst ein, Indien sei da, wo China vor sieben bis zehn Jahren war. Eine lange Durststrecke - selbst für die treuesten Aktionäre. Und zu denen hat der 80-jährige Milliardär Icahn noch nie gezählt.

Rolf Wenkel (mit dpa, rtrd, FAZ, Handelsblatt)