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Wirtschaft

Starbucks rüstet sich gegen äthiopischen Kaffee

Markenschutz soll äthiopischen Kaffeebauern ein angemessenes Einkommen sichern. Widerstand kommt ausgerechnet vom Kaffeeriesen Starbucks. Von sozialer Verantwortung und fairen Preisen für Hersteller ist keine Rede mehr.

Kaffeebohnen

Kaffeebohnen:
Genussmittel und Existenzgrundlage

Äthiopien gilt allgemein als das Urland des Kaffees und doch leiden die örtlichen Kaffeebauern unter einer Preispolitik, bei der sie die großen Verlierer sind. "Im Durchschnitt muss ein äthiopischer Kaffeebauer mit zwei bis drei US-Dollar pro Tag auskommen“, so Tesfaye Abate von der äthiopischen Botschaft in Berlin. Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam erhalten die Bauern selbst für hochklassige Sorten, die beim Endverbraucher in den Industrieländern Preise von bis zu 26 Dollar pro Pfund erzielen, nur zwischen 60 Cent und 1,10 US-Dollar pro Pfund. Dies sei aber gerade genug, um die Produktionskosten zu decken.

Durch den markenrechtlichen Schutz besonders hochwertiger Kaffeesorten will der äthiopische Staat dazu beitragen, die Lage seiner Kaffeebauern zu verbessern. 2005 beantragte Äthiopien weltweit Markenschutz für die Kaffeesorten "Sidamo“, "Yirgacheffe“ und "Harar“. Mehreinnahmen in Höhe von 88 Millionen Dollar seien dadurch möglich, errechneten Experten von Oxfam.

Widerstand nur in den USA

Starbucks Logo

In Europa und Kanada sind die Namen inzwischen als Handelsmarken eingetragen - in Japan läuft das Patentverfahren noch. Doch gerade in den USA, dem Land mit dem höchsten Kaffeekonsum weltweit, stößt Äthiopien auf großen Widerstand: Der amerikanische Großhändler Starbucks erwirkte mithilfe des amerikanischen Kaffeeverbandes NCA einen Widerspruch beim Marken- und Patentamt. Zwei der neuen Kaffeemarken wurden daraufhin von der NCA abgelehnt.

Noch im Jahr 2004 hatten Oxfam und Starbucks gemeinsam Sozialprojekte für Kaffeebauern in Äthiopien initiiert. Doch die Zeit der Kooperation ist jetzt vorbei: "In der Vergangenheit hat Starbucks einige gute Dinge getan, aber wir glauben, dass sie zur Zeit auf dem falschen Weg sind“, so Helen Da Silva, Pressesprecherin von Oxfam America. Starbucks hatte in Verhandlungen mit Oxfam die Aufforderung abgelehnt, eine Lizenzvereinbarung mit Äthiopien zu unterzeichnen, die den Markenschutz der betreffenden Kaffeesorten sichert.

Drogen bringen mehr als Kaffee

Kaffeebauer in Äthiopien beim Kauen von Kat-Blättern

Immer mehr Kaffeebauern in Äthiopien satteln um auf Drogen

Keine guten Nachrichten für die Kaffeebauern in Äthiopien. Weil deren Verkaufserlöse gerade zur Deckung ihrer Produktionskosten reichen, ist der Kaffeeanbau für die meisten Bauern auf Dauer nicht mehr finanzierbar. Höhere Einnahmen versprechen sich viele vom Anbau leichter Drogen. "Immer mehr Bauern bauen Kat an, weil sie damit ein bisschen mehr verdienen können“, so Abate. Kat ist eine Strauchpflanze, dessen Blätter im Bund zu Bällchen gepresst und ausgesaugt werden. Vor allem auf dem heimischen Markt ist sie als Alltagsdroge beliebt. Verschwindet Kaffee also langsam von äthiopischen Feldern?

"Es gibt zwar keinen direkten Verlust durch die Ablehnung des Markenschutzes“, so Da Silva, "aber wenn sich nichts ändert und es beim Status Quo bleibt, werden sich die meisten Bauern den Kaffeeanbau bald nicht mehr leisten können.“ Dabei dürfte Starbucks und anderen Kaffeeröstern eine Preissteigerung von 80 Cent pro Pfund wenig ausmachen - sind die Kunden doch ohnehin bereit, hohe Preise für Spezialitäten-Kaffees zu zahlen.

Für Äthiopien hängt viel am Erfolg des Markenschutzes: Der Anteil von Kaffee am Exportaufkommen liegt immer noch zwischen 40 und 60 Prozent und ist damit eines der wichtigsten Handelsgüter. Die Bevölkerung Äthiopiens lebt in einer ständigen humanitären Krise. Mehr als drei Viertel seiner Einwohner müssen mit deutlich weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Der Erhalt des heimischen Kaffeeanbaus ist also von größter Bedeutung. Kaffee in Äthiopien ist eben mehr als nur ein Genussgetränk - Kaffee ist Existenz.

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