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Deutschland

Stararchitekt Günter Behnisch ist tot

Einer der führenden deutschen Architekten der Moderne ist tot: Günter Behnisch starb im Alter von 88 Jahren. Weltweite Bekanntheit erlangte Behnisch 1972 durch den Bau des Münchner Olympiastadions.

Günter Behnisch (Foto: Behnisch & Partner)

Günter Behnisch

Glas als Zeichen für ein demokratisches Deutschland – als Günter Behnisch Anfang der siebziger Jahre den Bau des Münchner Olympiastadions plante, da stellte er den Baustoff Glas in den Vordergrund. Nicht ohne Grund, denn der gebürtige Dresdner hat die Folgen des Machtmissbrauchs der Nationalsozialisten durchlitten. Mit gerade mal 18 Jahren zog er 1939 in den Zweiten Weltkrieg und kam erst 1947 nach seiner Kriegsgefangenschaft in England ins zerbombte Deutschland zurück. Und wollte mit moderner Architektur den Wiederaufbau gestalten. Dafür studierte er an der Technischen Hochschule in Stuttgart, wo er Anfang der fünfziger Jahre auch sein eigenes Büro gründete.

Das Olympiastadion im Olympiapark in München (Foto: ap)

Mit dem Bau des Olympiastadions wurde Behnisch weltweit bekannt

Symbol des demokratischen Deutschlands

Den Durchbruch schaffte Behnisch tatsächlich mit den Bauwerken für die Olympischen Spielen 1972 in München. Gemeinsam mit dem Architekten Frei Otto schuf er eben jenes schwebende, gläserne Stadiondach im Münchner Olympiapark. Damit wurde Behnisch auf einen Schlag international bekannt. Die kühne Zeltkonstruktion mit einer Fläche von knapp 75.000 Quadratmetern wurde seinerzeit als Beispiel für eine elegante und dynamische Architektur gefeiert. Aber er wollte auch ein weiteres Zeichen setzen: Das Dach sollte die Demokratie symbolisieren und den Geist der Nationalsozialisten überstrahlen. Glas dominiert auch das Hysolar-Institutsgebäude in Stuttgart aus dem Jahr 1987 und den Bonner Plenarsaal des früheren Bundestages von 1992.

In den Abendstunden brennen die Lichter im Bau der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz (Foto: dpa)

Bis 2005 wirkte Behnisch am Bau der Akademie der Künste in Berlin mit

Prinzip des transparenten Bauens

Zu Behnischs letzten spektakulären Arbeiten gehörte der Neubau der Berliner Akademie der Künste am Brandenburger Tor, den er zusammen mit Werner Durth von 1999 bis 2005 für etwa 56 Millionen Euro errichtete. Behnisch folgte auch hier seinem Prinzip des "transparenten Bauens" mit einer Glasfassade zum Pariser Platz und offenen Etagenübergängen im Inneren, was zu akustischen Problemen im Alltagsbetrieb der Akademie führte und auch Kritik auslöste. Denn die reine Glasfront stach stark von den benachbarten Gebäudefassaden aus Stein und Beton ab und war daher umstritten. Seine Bauwerke erhielten viele bedeutende Auszeichnungen, beispielsweise den großen Architekturpreis des Bundes der Deutschen Architekten. Außerdem bekam Behnisch den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Neuer Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn (Foto: Qualle)

Glas dominiert auch den ehemaligen Bundestag in Bonn

"Er hatte ein langes, erfülltes Leben."

Der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart blieb Behnisch bis zu seinem Tod treu. Er sei zu Hause gestorben, wo ihn seine Frau in den vergangenen Jahren gepflegt habe. Nach mehreren Schlaganfällen sei Behnisch halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen gewesen. Er sei jedoch bis zum Schluss ansprechbar gewesen, sagte sein Sohn. "Er hatte ein langes, erfülltes Leben."

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, ap, dpa)
Redaktion: Annamaria Sigrist

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