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Aktuell Europa

Star-Journalist Pawel Scheremet in Minsk beigesetzt

Rund 1000 Trauergäste erwiesen Pawel Scheremet in seiner weißrussischen Heimat die letzte Ehre. Er war vor drei Tagen bei einem Autobombenanschlag in der benachbarten Ukraine getötet worden.

Unter den Gästen der Trauerzeremonie für den bekannten unabhängigen Journalisten waren auch der weißrussische Regimegegner Wladimir Nekljajew und der russische Kremlkritiker Ilja Jaschin. Mit Scheremet sei einer der besten Journalisten dreier Länder getötet worden, sagte Nekljajew der Nachrichtenagentur AFP bei der Beisetzung. Er werde ihn immer vermissen.

Der 44 Jahre alte Scheremet war am Mittwoch Opfer eines Autobombenanschlags in der ukrainischen Hauptstadt Kiew geworden. Er arbeitete unter anderem für das einflussreiche Internetportal "Ukrainskaja Prawda" und galt als eng vernetzt mit der prowestlichen Führung um Präsident Petro Poroschenko. In den vergangenen Jahren arbeitete er vorwiegend in der Ukraine.

Der ukrainische Abgeordnete Mustafa Najem machte die russische Führung für den Anschlag verantwortlich. "Der Mord soll unser Land destabilisieren, und davon profitiert am meisten der Kreml", sagte der frühere Journalist laut Medien in Minsk. Ähnlich hatte sich unmittelbar nach der Tat bereits Präsident Poroschenko geäußert. Dem ukrainischen Generalstaatsanwalt Juri Luzenko zufolge untersucht eine etwa 50-köpfige Sonderkommission in Kiew den tödlichen Sprengstoffanschlag.

Gegner hatte Scheremet reichlich. Er galt als Intimfeind des weißrussischen Diktators Alexander Lukaschenko und war ein guter Freund des ermordeten russischen Oppositionellen Boris Nemzow. Der 44-Jährige verurteilte die russische Annexion der Krim und berichtete kritisch darüber, setzte sich aber auch für einen Dialog zwischen Ukrainern und Russen ein. Das Außenministerium in Moskau hatte das Attentat auf Scheremet öffentlich verurteilt.

Der Journalist war im Jahr 2002 von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ausgezeichnet worden, weil er über Menschenrechtsverletzungen in Weißrussland berichtet hatte. Er floh schließlich aus seinem Heimatland und erhielt die russische Staatsbürgerschaft. Im Oktober 2015 sagte er aber, dass ihm Besuche in Moskau inzwischen unangenehm seien. "Ich werde bedroht und bekomme Andeutungen." Er fühle sich bei seinen Visiten wie in einem Minenfeld.

qu/jj (dpa, afp, AP, rtr)

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