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Kultur

Star-Allüren versus Ziegen-Rap

Am Wochenende ging die British Music Week zu Ende. Im Vorhinein wurden erfrischende Neuheiten angekündigt. Doch konnte das Versprechen gehalten werden? Pia Volk hat für DW-WORLD.DE die British Music Week verfolgt.

Bandbild: The Wombats

Neues von der Insel: 'The Wombats'

Die Engländer waren schon von jeher Vorreiter neuer Trends. Die Beat-Generation, die Punks und die Brit-Popper - sie alle sind über den Kanal nach Deutschland geschwemmt. Nun wollte man eine neue Welle anstoßen. Frisch und innovativ seien die Künstler der British Music Week, hieß es in einer Pressemitteilung. Doch was findet man? Altrocker von "Fischer-Z" und Ex-Popper von "Suede" - zusammen mit Stars, die bereits im vergangenen Jahr auf der Britisch Music Week (BMW) spielten. Wo also sind die Innovationen? Die Gruppe "The Wombats" ist eine von ihnen.

The Wombats

Innovativ - nicht nur mit ihrer Musik: 'The Wombats'

Es ist seltsam, denn man hat genug Luft zum Atmen und Platz zum Tanzen. Überraschend - bei dieser Band. Ihre Augen funkeln. Man kann es sehen, obwohl es im Raum dunkel ist, denn die drei auf der Bühne werden von grünem Licht angestrahlt. Es scheint sie nicht zu interessieren, dass ihnen nur eine Handvoll Menschen zuhört. Sie strahlen über das ganze Gesicht. Wie ein Kind, das grade das Süßigkeiten-Versteck seiner Eltern entdeckt hat. Qualität ist wichtiger als Quantität, werden sie sich denken. Man benötigt nicht viel, um glücklich zu sein, man braucht nur die richtige Kombination der richtigen Dinge. Sie haben sie für den Moment gefunden. Bass, Gitarre, Schlagzeug und sich selbst.

Die Arroganz der Stars

Wieder eine Band mit "The" in ihrem Namen, als leide sie unter einem Minderwertigkeitskomplex und müsse sich selbst bescheinigen, dass sie nicht irgendeine, sondern die einzige Band ist. Viele dieser "The"-Bands leben diesen Komplex auch auf der Bühne aus. Die Sängerin von "The Sounds" besticht durch abstoßende Selbstverliebtheit, der Sänger der "The Hives" promotet, dass die Welt schon immer auf ihn gewartet habe.

The Wombats - Großaufnahme

Band mit 'The' - 'the Wombats'

Arroganz scheint nie aus der Mode gekommen sein, seitdem die "Oasis"-Brüder sie in den 1990-er Jahren zu ihrer Lebenseinstellung erkoren haben. Am besten paart man diesen Charakterzug mit einer angemessenen Drogenkarriere. Jeder Generation ihren Vorzeige-Junkie: von Keith Richards, dem Gitarrist der "Rolling Stones" zu Sid Vicious, dem Sänger der "Sex Pistols", bis zum neuesten Skandalschlager von Großbritannien: Pete Doherty. Deshalb ist es schön, eine Band wie "The Wombats" zu sehen, die Spaß nicht unter das Motto "denn sie wissen nicht, was sie tun" stellen.

Auch Ziegen können rappen

Matthew Murphy, der Sänger der "Wombats" ist einer der wenigen Menschen, denen man tatsächlich abnimmt, dass seine wuscheligen dunklen Haare ohne tonnenweises Haarspray entstanden sind. Sein Hirn steckt voller wirrer Ideen, die er übergangslos musikalisch umsetzt. Einmal habe er einen Ziegen-Rap-Song geschrieben, erzählt er. Und schon beginnt er lachend zu rappen. Tord sieht aus, als wäre er der kleine Bruder von Val Kilmer. Eigentlich ist er der Bassist der Band, doch jetzt trommelt er den Takt auf den Tisch, während Schlagzeuger Dan anfängt, ein leicht nach Ziege klingendes Meckern von sich zu geben. Es sei noch nicht ganz perfekt, amüsieren sie sich.

Es gibt sie also tatsächlich noch: Bands ohne Attitüden, ohne überzogene Coolheit, ohne Angst sich zu blamieren. Vielleicht ist sich selbst treu sein die letzte Innovation, die es geben kann. Nun, da alle Stile durchgesampelt sind, im neuen Millenium, wo das Neue nur eine Version von bereits Erfundenem ist. Individualität ist eben kein Designproblem und Musik nicht immer ein Geschäft. "The Wombats" haben tatsächlich etwas zu Verschenken, nicht nur ihre Buttons und CDs, sondern etwas viel Kostbareres: Herzlichkeit. Sie machen Musik für das Publikum, aber sie führen kein Schauspiel auf.

Mit viel Ironie und bester Gitarrenpop-Laune erzählen sie die skurilen Geschichten des Lebens. "Lets dance to Joy Division", singen sie. Dabei wäre der einzige Tanz, den man zu den düsteren Klängen von "Joy Division" tanzen könnte, ein Pas-de-deux mit einer Rasierklinge. Die Geschichte über den Jungen, der sich eine Stripperin verliebt, sei allerdings erfunden, sagt Matthew. Dan stimmt ihm zu. Eigentlich gehe es darum, dass es immer etwas gibt, das man gern haben möchte und nie haben kann, obwohl es greifbar nah ist. Hinter ihren süffisanten Texten stecken durchaus Lebensweisheiten. Gleichzeitig erinnert ihr Mangel an Egozentrik daran, dass Sein wichtiger als Schein ist. Schade, dass es von den Jungs in Deutschland weder EPs noch CDs gibt. Sie wären ein wunderschöner Soundtrack für den Sommer.

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