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Kultur

Standpunkt: Signal der Hoffnung

Acht Monate nach seiner Wahl hat Papst Franziskus sein erstes Apostolisches Schreiben veröffentlicht, eine Art Regierungsprogramm. Seine Botschaft setzt vor allem ein Zeichen der Hoffnung, meint DW-Redakteur Stefan Dege

Stefan Dege, Leiter der Redaktion Religion und Gesellschaft der Deutschen Welle (Foto: DW/K. Dahmann)

DW-Redakteur Stefan Dege

Die Worte des Papstes sind Programm. Er wirbt für "neue Wege" und "kreative Methoden" bei der Verkündigung und Weitergabe des Glaubens. Er äußert Sympathie für eine "verbeulte Kirche", die verletzt und schmutzig ist, weil sie auf die Straßen hinausgeht. Er erteilt eine Absage an eine verschlossene und bequeme Kirche, die sich an die eigenen Sicherheiten klammert. Er stellt die Absolutheit des Papsttums und der Kurie in Frage. Er brandmarkt die Ursachen für Armut, Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt. So weit, so revolutionär.

Acht Monate sind seit seiner Wahl vergangen. Franziskus Besuch auf der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa, das Küssen der Füße jugendlicher Straftäter, seine Friedensinitiative zum Bürgerkrieg in Syrien und vieles mehr - mit symbolischen Gesten und bildreichen Ansprachen machte der Papst von sich reden. Jetzt untermauert er seine Botschaften auch konzeptionell und theologisch. Franziskus Botschaft richtet sich nach innen wie nach außen. Sein Handeln und sein Schreiben stimmen überein. Die Marksteine für sein Pontifikat sind gesetzt.

Franziskus' beschreibt seine Vision von Kirche. Er will sie grundlegend reformieren und zugleich moralisch neu ausrichten. Franziskus Vorschläge werden die Kirche aufwühlen. Bis Franziskus' Traum Wirklichkeit wird, steht die Kirche möglicherweise vor einer Zerreißprobe. Doch geht es nicht nur um richtig oder falsch. Es geht um den Anspruch der Kirche, moralische Instanz zu sein und Legitimität zu besitzen. In einer sich schnell verändernden Welt sollte die Kirche bei den Menschen sein und nicht pompöser Selbstzweck. Franziskus ist ein Revolutionär. Er weiß um die Verfasstheit seiner Kirche. Er kennt ihren - vor allem in westlichen Ländern grassierenden - Bedeutungsverlust. Er benennt die Ursachen und setzt schließlich Zeichen gegen sie.

Sein Schreiben ist mehr als Nabelschau. Indem er auf die Leiden der Welt zeigt - ungerechtes Wirtschaftssystem, Armut, Gewalt - und sozialrevolutionäre Forderungen erhebt, positioniert er die Kirche neu. Er bringt sie auf die weltpolitische Bühne zurück, ausgestattet mit moralischer Kraft. Franziskus Vision von seiner Kirche ist die einer barmherzigen, bescheidenen, engagierten und menschlichen Kirche - in bester Tradition Jesu. Dass der Papst dabei sogar die eigene Unfehlbarkeit in Zweifel zieht, verwundert nicht.

Franziskus Schreiben "Freude des Evangeliums" ist ein Weckruf - für eine Reform der römisch-katholischen Kirche und für eine bessere Welt. Sie ermutigt zum Mitmachen.

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