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Wirtschaft

Standort Fußball: Die WM als Wirtschaftsfaktor

Jürgen Klinsmann, Michael Ballack und Lukas Podolski sollen bei der WM nicht nur in den Stadien für Begeisterung sorgen. Auch die deutsche Wirtschaft will von der Aufbruchsstimmung profitieren.

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Aus Stadien werden Fußball-Tempel

Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland ist ein Schaufenster für Millionen von Zuschauern, für Hunderttausende von WM-Touristen und für viele potenzielle Investoren. Eine erfolgreiche deutsche Mannschaft und ein euphorisches Gastgeberland könnten Deutschland aus dem Jammertal-Image heraushelfen. Von daher sind es auch die deutschen Fußballer, die für Euphorie und Optimismus in Deutschland eingespannt werden. Das weiß man auch bei der FC Deutschland GmbH. Der Ableger der Werbeagentur Scholz and Friends soll im Auftrag der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft die Weltmeisterschaft zu einer Standortinitiative nutzen. Das Motto der Imagekampagne: Deutschland – Land der Ideen.

Kicken und Kommerz

Geschäftsführer Mike de Vries ist davon überzeugt, dass Kickerkunst und Kommerzkalkül ineinander greifen werden. "Fußball ist eine Plattform, auf der wir Deutschland präsentieren können", sagt er. "Die Medien fokussieren dieses Land und diesen Standort, und wir haben eine Riesenchance, die Vorteile dieses Standorts zu vermitteln." Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann de Vries auf die Unterstützung und wohl auch auf die finanziellen Mittel der Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik zählen. Je zehn Millionen Euro stellen die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft zur Verfügung.

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Noch ein Modell: Skulptur vor dem Reichstag

Riesenschuhe vor dem Reichstag

Eines der Projekte zeichnet 365 innovative Orte in Deutschland aus, in denen kreative Ideen gefördert werden. Echte Hingucker sind die riesigen Skulpturen, die vor Touristenattraktionen in Berlin auf den deutschen Erfindergeist aufmerksam machen sollen. Vom Fußball-Stollenschuh über die ersten Automobile bis zur Buchdruck-Presse - die Prunkstücke wirken freilich auch ein wenig wie der wehmütige Zauber und ferne Glanz einer vergangenen Epoche. Bei der Weltmeisterschaft selbst bestimmen allerdings eher neue ausländische Produkte das Bild: Automobil-Partner der FIFA ist der südkoreanische Hyundai-Konzern, die schönsten Fotos macht man natürlich mit einem japanischen Fujifilm, und die kulinarischen Köstlichkeiten kommen aus den amerikanischen Häusern Coca-Cola und McDonalds. Für de Vries ist das kein Widerspruch. Nur bei oberflächlicher Wahrnehmung könne man von einer Dominanz ausländischer Produkte ausgehen, findet er. Im Übrigen zeuge das von der Attraktivität des Standorts.

Investitionen für 1,5 Milliarden Euro

Das Sponsoring durch die Wirtschaft spielt eine viel größere Rolle als noch bei der Weltmeisterschaft 1974, sagt auch Wolfgang Niersbach, Vize-Chef des WM-Organisationskomitees. Wenn Niersbach den Finanzrahmen der WM von 1974 mit dem von heute vergleicht, dann ist das wie eine Reise von der Steinzeit in die Zukunft. Mit 285 Millionen Euro kostete allein der Bau der Münchener Arena mehr als doppelt soviel wie der Bau und die Renovierung aller Stadien 1974. Rund 1,5 Milliarden Euro wurden für die kommende Weltmeisterschaft in Fußballarenen, Infrastruktur und Technologie investiert. Eine Summe, die nicht mit dem Ende der WM verschwindet, wie Wolfgang Niersbach betont: "Es ist eine Investition für Jahrzehnte. Wir haben jetzt wirklich ohne Übertreibung die besten Stadien der Welt, vor allen Dingen in der Breite. Was da jetzt mit dem Anlass WM 2006 entstanden ist, das ist gigantisch."

Baustelle Fußballstadion Allianz Arena in München

285 Millionen Euro: WM-Arena in München

Vom Acker zur Arena

Tatsächlich haben sich die Anforderungen an ein Stadion seit 1974 grundlegend geändert. Wo früher ein Spielfeld mit Betonstehplätzen die Seele eines Stadions ausmachte und wo man als Fußballfan in der Halbzeit nur Bockwurst und Bier bekam, da machen heute Business-Lounges, VIP-Zentren und voll vernetzte Multimedia-Arbeitsplätze den alten Acker zur modernen Multifunktionsarena. Und das kostet. Doch weil Fußball eine Herzensangelegenheit ist, vergessen Finanzminister und Stadtkämmerer ihre meist leeren Kassen und geben kräftig Geld aus. Und das, obwohl die Gelder eigentlich fester sitzen müssten als noch 1974.

Der Sportökonom Markus Kurscheidt kritisiert die umgebremste Steigerung der öffentlichen Investitionen: "Damals wurden die Stadien zu 100 Prozent staatlich finanziert. Die Größenordnungen waren aber so, dass das noch zu machen war." Heutzutage könne das angesichts der Technik- und Komforterfordernisse aber keine öffentliche Aufgabe mehr sein. "Unterstützung und Absicherung kann hier und da Sinn machen, aber die massive Subventionierung oder komplette öffentliche Finanzierung ist nicht mehr zeitgemäß." Kurscheidt plädiert für Mischfinanzierungen, in die auch private Investoren eingebunden sind.

Kaum Wirtschaftswachstum durch WM

Kurscheidt kritisiert die Höhe der öffentlichen Investitionen auch deshalb, weil sie kein nachhaltiges Wachstum generieren. Für den Deutschen Fußball-Bund hat er berechnet, dass zwischen 2003 und 2010 pro Jahr lediglich ein Einkommenseffekt von etwa einer Milliarde Euro zu erwarten ist. Positive Impulse prognostiziert Kurscheidt immerhin für den Arbeitsmarkt, wo er im gleichen Zeitraum von mehr als 30.000 zusätzlichen Jobs ausgeht.

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