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Spurensuche im Fall Anis Amri

Stammt Amris Tatwaffe aus der Schweiz?

Der Attentäter von Berlin, Anis Amri, hielt sich wohl auch längere Zeit in der Schweiz auf. Möglicherweise besorgte der Tunesier sich dort die Tatwaffe, mit der er den polnischen LKW-Fahrer erschoss.

Die Ermittlungsbehörden prüfen derzeit intensiv, ob der Attentäter von Berlin auch in der Schweiz eine Spur hinterlassen hat. Nach ZDF-Informationen hielt sich der Tunesier längere Zeit und möglicherweise sogar mehrfach dort auf. Wie der Sender berichtet, werden Kontaktdaten, die nach dem Anschlag in der deutschen Hauptstadt auf Anis Amris Handy gefunden worden waren, derzeit von Schweizer Spezialisten ausgewertet.

Pistole in der Schweiz besorgt?

Konkret geht es dabei auch um die Frage, ob Amri sich die Tatwaffe, eine Pistole vom Typ Erma, in der Schweiz besorgt hat, wo es in einigen Städten eine rege Islamistenszene gibt. Nach bisherigem Ermittlungsstand spreche vieles dafür, sagten Ermittler dem ZDF.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet. Dieses habe zum Ziel, "Bezugspunkte zur Schweiz abzuklären", hieß es in einer Mitteilung am Freitag. Es gehe um den Verdacht auf Unterstützung oder Beteiligung an einer kriminellen Organisation, sagte der zuständige Sprecher André Marty. Außerdem stehe ein Verstoß gegen das Verbot der Mitgliedschaft in einer Terrormiliz wie dem "Islamischen Staat" (IS) im Raum. Details nannte der Sprecher nicht. Schon kurz nach dem Anschlag war wegen möglicher Verbindungen des 24-Jährigen in die Schweiz ermittelt worden.

Deutschland Berlin Trauer nach Anschlag auf Breitscheidplatz (Reuters/H. Hanschke)

Am Breitscheidplatz in Berlin, dem Ort des Anschlags, erinnern nach wie vor hunderte Kerzen und Blumen an die Opfer

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen hatten nach Informationen der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" spätestens seit Dezember 2015 von möglichen Kontakten Amris zur IS-Terrormiliz gewusst. Mitbewohner der Asylunterkunft Emmerich hätten den Tunesier damals wegen mutmaßlicher Kontakte zum IS bei der Ausländerbehörde des Kreises Kleve gemeldet, schreibt das Blatt und bezieht sich auf eine Äußerung der Kreisverwaltung Kleve vom Freitag. Die Anzeige sei sofort der zuständigen Staatsschutzdienststelle NRW zugeleitet worden.

Sondersitzung zu Amri  

Am 16. Januar werden sich die Geheimdienst-Kontrolleure des Bundestags mit dem Fall befassen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele verlangte eine rasche Sondersitzung des Gremiums, um die Rolle des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundesnachrichtendienstes im Zusammenhang mit dem Berliner Anschlag zu klären. Ermittler und Verfassungsschutz waren dem Terrorverdächtigen über Monate hinweg deutschlandweit auf der Spur, verloren Amri aber trotzdem aus den Augen.

Der Tunesier hatte am 19. Dezember einen gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert. Zwölf Menschen wurden getötet, 55 verletzt. Vier Tage später wurde Amri nach seiner Flucht durch mehrere europäische Länder bei einer Polizeikontrolle in einem Vorort von Mailand erschossen.

se/rk (dpa, afp, zdf)

 

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