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Wirtschaft

Stahl beutelt die Bilanz von Thyssen-Krupp

Vor allem die Stahlsparte bereitet dem Konzern Probleme, denn Dumping-Importe aus China und Altlasten in Brasilien schmälern den Gewinn. Fusionsgespräche mit Stahlherstellern stecken in einer Sackgasse.

Mit einer blitzblanken Bilanz für das Geschäftsjahr 2015/2016 wird Thyssen-Krupp Chef Heinrich Hiesinger kaum aufwarten können. Schließlich dämpfte schon die Halbjahresbilanz mit einem Umsatzrückgang um acht Prozent auf 19,4 Milliarden Euro und einem Gewinneinbruch von 62 Prozent auf 37 Millionen die Erwartungen. Daran hat sich auch im dritten Quartal wenig geändert. Rechnen könne man nach Einschätzung des Managements unter dem Strich allenfalls mit einem Überschuss in Höhe des Vorjahres, der bei 210 Millionen Euro lag. Vor allem die Stahlsparte bereitet dem Essener Industriekonzern weiterhin Probleme. Nicht nur in der Bilanz, sondern nach Fusionsgesprächen mit anderen Stahlunternehmen auch mit der IG Metall, die Standorte und Arbeitsplätze bedroht sieht.

Jeden Tag erzeugt Thyssen-Krupp allein im Duisburger Werk 30.000 Tonnen Roheisen. Heraus kommt eine Jahresproduktion von elf Millionen Tonnen. Doch angesichts steigender Rohstoffpreise und vor allem durch Dumping-Importe aus China fährt der Konzern mit der Stahlsparte kaum Gewinne ein. Die in diesem Jahr von der EU verhängten Anti-Dumpingzölle auf einige Stahlsorten aus China sind aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl völlig unzureichend. Denn etwa zwei Drittel der globalen Überkapazitäten von 660 Millionen Tonnen gehen auf das Konto von China, das Stahl weit unter den Herstellungskosten auf den Markt wirft. Um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, hat Thyssen-Krupp darum in den vergangenen Monaten Gespräche über eine Fusion mit anderen Stahlerzeugern geführt. Bislang ohne Ergebnis.

Deutschland Heinrich Hiesinger ThyssenKrupp vor dem Firmensitz in Essen (picture-alliance/dpa/R. Weihrauch)

Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger: "Stahl ist nur ein Teil des Konzerns."

Modell "Tütata" auf der Kippe

Auf Eis liegen inzwischen die Verhandlungen mit Tata Steel Europe, weltweit der Nummer drei der Stahlerzeuger. Zur Diskussion stand eine Fusion mit dem modernen Tata-Stahlwerk im niederländischen Ijmuiden, in die Thyssen-Krupp den Werkskomplex in Duisburg hätte einbringen können. Ein Zusammenschluss, der neben Kosteneinsparungen auch eine Verringerung der Produktionskapazitäten gebracht hätte. Allerdings wollte Tata auch ältere britische Stahlwerke, die Pensionsrückstellungen von 16 Milliarden Euro drücken, mit in den Verbund einbringen. Ob das Modell "Tütata" (Thyssen-Krupp-Tata) noch einmal auf den Tisch kommt, dahinter steht ein großes Fragezeichen. Ungeachtet dessen hat Salzgitter-Stahl ein unterstelltes Interesse an einer Fusion mit dem Essener Konzern dementiert. Für Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger kämen als mögliche Kandidaten ansonsten wohl noch Voestalpine in Österreich oder Riva in Italien in Betracht. Denn letztlich weiß man in der Branche, dass an einem Abbau der Überkapazitäten in Europa kein Weg vorbei führt.

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EU-Stahlindustrie kämpft ums Überleben

Heinrich Hiesinger hat stets betont, dass Stahl nur ein Teil des Konzerns sei. Zug um Zug ist er bestrebt, Thyssen-Krupp zu einem Industrie- und Technologieunternehmen mit  Geschäften rund um Aufzüge, Anlagenbau und Autozulieferung umzubauen. Nicht ohne Grund wittert die IG Metall dahinter die Absicht, die Stahlsparte mit ihren 25.000 Arbeitsplätzen abzustoßen. Vor allem ein Großaktionär macht in dieser Hinsicht Druck hinter den Kulissen. So hat der Finanzinvestor Cevian im Laufe der Zeit knapp unter 20 Prozent der Aktienanteile erworben und stellt inzwischen auch einen Vertreter im Aufsichtsrat. Nur die Krupp-Stiftung hält mit 23 Prozent noch mehr Anteile. Doch auf die allein möchte sich Betriebsratschef Günter Back nicht mehr verlassen. Er befürchtet, dass Hiesinger der Getriebene von Cevian sei.

Kurze Eigenkapitaldecke

Ganz abgesehen davon hat Heinrich Hiesinger noch mit kapitalen Stahl-Altlasten zu kämpfen. Seine Vorgänger hatten ihm Fehlinvestitionen von fast 15 Milliarden Euro für den Bau von zwei Stahlwerken in den USA und Brasilien hinterlassen. Für das Werk in den USA konnte man vor zwei Jahren einen Käufer finden, doch die Anlage in Brasilien verschlingt weiter viel Geld. Dem Vernehmen nach soll das Stahlwerk mit rund zwei Milliarden Euro in den Büchern von Thyssen-Krupp stehen. Allerdings gibt es einen Interessenten, mit dem auch schon Gespräche geführt worden sind. Dabei handelt es sich um den in Südamerika stark vertretenen Stahlkonzern Ternium, der aber noch um den Preis pokert und wohl weniger als die zwei Milliarden Euro zahlen will, die Thyssen-Krupp haben will. Mit konkreten Ergebnissen ist darum wohl auch nicht bei der Vorstellung der Bilanz zu rechnen.

Stahl glänzt schon lange nicht mehr wie Gold in den Bilanzen. Darum hat Heinrich Hiesinger Spartenchef Andreas Goss beauftragt, bis Mai 2017 ein Sparkonzept vorzulegen. Dabei soll es - wie Betriebsräte berichten - um Einsparungen in Höhe von 800 Millionen bis zu 1,6 Milliarden Euro gehen. Schließlich ist die Finanzlage des Konzerns nicht zum Besten bestellt. So stiegen die Nettoschulden von Ende Dezember bis Ende März um ca. 400 Millionen auf 4,8 Milliarden Euro. Im gleichen Zeitraum schmolz die Eigenkapitaldecke um 600 Millionen auf 2,8 Milliarden Euro. Damit liegt die Eigenkapitalquote bei 7,9 Prozent. Das ist für einen Dax-Konzern ein ausgesprochen dürftiger Wert. Es gibt also noch einiges zu tun für den Konzern-Umbauer Hiesinger, insbesondere mit Blick auf die Stahlsparte. 

 

 

 

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