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Welt

Staffan de Mistura wird neuer UN-Sondervermittler für Syrien

Er soll jetzt das richten, woran Kofi Annan und Lakhdar Brahimi gescheitert sind: Staffan de Mistura soll Frieden nach Syrien bringen. Eine schier unlösbare Aufgabe - doch der Mann ist erfahrener Diplomat.

"Mein Beruf hat mich zum Optimisten gemacht", sagt Staffan de Mistura, Diplomat, Krisenvermittler, der neue UN-Mann für Syrien. Eigentlich ein merkwürdiger Satz von einem Menschen, der alles Leid der Welt gesehen hat: Seit mehr als 40 Jahren arbeitet der 67-Jährige für die UN in all den Krisengebieten der Welt - im Sudan und auf dem Balkan, in Äthiopien und Vietnam, im Südlibanon und Somalia. Von 2007 bis 2009 war er UN-Sonderbeauftragter im Irak, von 2010 bis 2011 dann in Afghanistan.

Hinter diesen Daten und Entsendungen stehen Tote, Hungernde, Notleidende. De Mistura hat sie erlebt. Wer das erträgt über so einen langen Zeitraum, braucht unerschütterlichen Lebensmut - oder eine Mission. Die von de Mistura lautet: Die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Er ist besessen von Ergebnissen

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und Staffan de Mistura gehen in Kabul, Afghanistan, nebeneinander her (Foto: Eric Kanalstein/UNAMA via Getty Images)

Alte Bekannte: Ban Ki-Moon ernannte de Mistura schon früher zum Sonderbeauftragten

De Mistura wurde 1947 in Stockholm geboren, seine Eltern - die Mutter Schwedin, der Vater Italiener - waren Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs. Sein Vater habe ihm beigebracht, dass es eine andere Sicht auf die Welt geben muss als die des Krieges, erzählte de Mistura vor ein paar Jahren in einem Interview

mit dem arabischen Newsportal "Al Bawaba"

: "Die Nationen müssen eine gemeinsame Vision haben in einer Organisation wie der UN."

Später studierte de Mistura Politikwissenschaften in Rom, spezialisierte sich auf Krisenmanagement in Konfliktgebieten, um "mein Leben dieser Arbeit zu widmen", wie er sagt. Seit 1971 arbeitet er, der sieben Sprachen spricht, für die gemeinsame Vision: bei den UN. Dabei sei er besessen von Resultaten: "Denn ich habe aus eigener Erfahrung gesehen, dass - wenn ich nur hart genug arbeite, um spürbare Ergebnisse zu erzielen - sie das Leben der Leute immens verbessern können."

Daher rührt sein Optimismus, seine Hoffnung, sein Wille. Und den wird er bei seinem neuen Job brauchen.

Er sieht Chancen, wo andere nur Krisen sehen

De Mistura gilt als unermüdlicher Verhandlungsführer, der auch verfahrene Situationen lösen kann - wie schon

sein Vorgänger Lakhdar Brahimi

. Doch der ist gescheitert: Im Mai hatte Brahimi seinen

Rücktritt als Syrien-Vermittler erklärt

. Zu aussichtslos schien ihm das Bemühen um Frieden im syrischen Bürgerkrieg.

"Ich bitte Sie um Verzeihung, dass wir Ihnen nicht so geholfen haben, wie es notwendig war und Sie es verdient haben", sagte der 80-jährige Diplomat aus Algerien damals an die Syrer gerichtet. Zuvor war bereits der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan nach nur sechs Monaten zurückgetreten.

Blick von oben auf die Pressekonferenz bei der Syrienkonferenz in Genf (Foto: cc-by-nc-nd/UN Photo/Jean-Marc Ferré)

Gespräche gescheitert: Anfang 2014 trafen sich Regierung und Oppostion zur Syrienkonferenz - ohne Erfolg

Jetzt soll es also de Mistura richten, der Optimist, der auch sagt: "Ich habe die Tendenz, in jeder Krise eine Chance zu sehen." Doch die Lage in Syrien ist verfahrener denn je.

Syrien ist seine "mission impossible"

Seit März 2011 sind Schätzungen zufolge mindestens 115.000 Menschen ums Leben gekommen und mehr als zwei Millionen sind auf der Flucht. Die Truppen von Staatspräsident Baschar al-Assad haben gegenüber den Rebellen zuletzt deutlich an Boden gewonnen. Er ist gestärkt durch seinen

umstrittenen Wahlsieg Anfang Juni

. Eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen der Opposition in Form der Syrischen Nationalen Koalition und der Regierung ist äußerst unwahrscheinlich. Und die Staatengemeinschaft ist zutiefst zerstritten: Russland und der Iran etwa stehen weiterhin fest zur syrischen Regierung. Die USA und ihre Partner befürworten den Sturz des Regimes.

"Man könnte diesen Konflikt sicher diplomatisch lösen, wenn die von außen involvierten Kriegsparteien dazu bereit wären", sagt Nahost-Experte Michael Lüders der DW. Hinweise darauf, dass das geschieht oder geschehen könnte, gebe es aktuell nicht. "Vor dieser Gemengelage muss man sagen, kann jeder Vermittler von außen nur den Versuch unternehmen, zu moderieren."

Brahimi galt in all dem Chaos noch als Symbol der letzten Hoffnung für Syrien. "Was Lakhdar Brahimi nicht gelingt, das schafft bei den UN keiner", sagten Diplomaten über den Friedensvermittler. Und auch Lüders meint über de Misturas anstehende Aufgaben: "Das ist im Grunde genommen eine 'mission impossible'." Der Posten des Sonderbeauftragten habe nur mehr eine Alibi-Funktion, denn wirklich etwas geschehen könne nicht. "Trotzdem ist es gut, dass jemand mit den Leuten redet, dass man zumindest einen Ansprechpartner hat."

ISIS wird seine Arbeit beeinflussen

Ein ISIS-Panzer fährt bei einer Militärparade durch die Straßen der nordsyrischen Provinz Raqqa (Foto: REUTERS/Stringer)

Machtdemonstration: Mit einer Militärparade feierten die ISIS-Kämpfer in Syrien die Ausrufung ihres Kalifats

Dabei tun sich für de Mistura andere Themen auf als für Brahimi - und neue Möglichkeiten: Nach dem Rückzug diverser islamistischer Kämpfer hat die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) große Teile des Nordens und Ostens Syriens

unter ihre Kontrolle gebracht

. Das könnte die westliche Sicht auf den Konflikt ändern, meint Lüders: "Will man immer noch Baschar al-Assad stürzen oder arbeiten die Geheimdienste hinter den Kulissen schon wieder daran, sich mit ihm ins Benehmen zu setzen, damit er die ISIS bekämpft? Das sind Fragen, mit denen sich der neue Sondervermittler wird auseinandersetzen müssen."

Seinen unerschütterlichen Optimismus wird Staffan de Mistura dabei gut gebrauchen können. Und die Hoffnung, dass sich die Welt verbessert, wenn er nur hart genug dafür arbeitet.

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