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Politik

Stadtflucht ohne Stil

Der Reichtum der Moskauer scheint keine Grenzen zu kennen. Im Eliteviertel an der Rubljowskoje Chaussee, der Ausfallstraße im Westen, schnellen die Immobilienpreise in die Höhe.

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"Helikopter als Gratisbonus" verspricht ein Werbeschild für Immobilien an der "Rubljowka", wie Moskaus Schlossallee im Volksmund genannt wird. Das macht Sinn. Schließlich sind in den letzten Jahren hier die Preise für Bauland und Immobilien derart in die Höhe geschossen, dass ein kleiner Hubschrauber als Werbegimmick nur recht und teuer - pardon: billig - erscheint.

In Moskaus exklusivster Lage können 100 Quadratmeter Bauland schon mal 70.000 Euro kosten. Den Preisen sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Die minimale Investition für das Häuschen im Grünen dürfte bei rund einer Million Euro liegen. Allerdings ist die Nachfrage in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass die realen Kosten für das Häuschen an der Rubljowka bei fünf oder sechs Millionen Euro anfangen.

Exklusive Staus

Der prominenteste Anwohner, Wladimir Putin, fährt jeden Tag über die Rubljowskoje Chaussee zur Arbeit in sein Kreml-Büro und spät am Abend zurück. Die Straße wird dann für mindestens eine halbe Stunde gesperrt, was nicht nur zu einem der längsten Staus sondern auch vermutlich der exklusivsten führt, zumindest was die versammelten Luxus-Autos angeht, die sich hier aneinanderreihen. Daher vielleicht die Idee, die neuen künftigen Bauherren mit einem Hubschrauber als Gratisgeschenk zu ködern.

Den Moskauer Himmel schon jetzt frei zu geben für alle, die es sich leisten könnten, das wäre sicher etwas nach dem Geschmack der neuen reichen Russen. Der übrigens lässt zu wünschen übrig. Denn ebenso wie dem Budget sind auch dem Geschmack, vor allem dem schlechten keine Grenzen gesetzt. Rosafarbene Türmchen oder bunt bemalte Phantasieschlösser, die Bauherren an der Rubljowka neigen bei ihren auftrumpfenden Repräsentationsbauten zu wahren Kitsch-Exzessen. Wer kann, und das sind einige, baut sich das Eigenheim gern im Disneyland-Stil.

Die einzigen Grenzen, die dem schlechten Geschmack gesetzt sind, sind die hohen Mauern, die die Anwesen vor neugierigen Blicken und Neidern schützen. Immerhin, so bleiben die Augen der Mitmenschen von der beleidigenden Architektur der neuen Russen verschont.