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Reise

Stadt der Toten

Seit Heinrich Schliemann übt die Türkei auf deutsche Archäologen eine große Faszination aus. Namen wie Troja und Ephesus stehen für die Geschichte der Antike überhaupt. Einer der bedeutendsten Plätze: Knidos.

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Knidos: Tempel der Aphrodite

Knidos liegt an der Küste der Ägäis. Dort erforscht ein Archäologe aus dem schleswig-holsteinischen Kiel eine eigens für Tote errichtete Stadt. Sie besteht aus 2000 Jahre alten Gräbern, die unter meterhohem Buschwerk verborgen sind. Der Fachausdruck für diese hellenistische Totensiedlung ist Nekropole. Nekropolen sind als wichtiger Teilbereich antiker Städte in den letzten Jahren verstärkt in das Blickfeld urbanistischer Forschungen gerückt.

Prunkvolle Gräber

Im Sommer ist die Anlage das Forschungsrevier von Christoph Berns. Jetzt im Januar sitzt der Assistent am Archäologischen Institut der Uni Kiel über Dias und Karten in seinem kleinen Büro. Das antike Knidos im Südwesten der Türkei lässt den 35-jährigen nicht mehr los, denn die Totenstadt der verlassenen Siedlung ist in ihrer Größe einmalig. Christoph Berns erforscht die antiken Ruinen seit drei Jahren. Tief graben muss er dabei nicht, denn viele Bauten sind trotz ihres Alters immer noch stabil und gut erhalten.

Bis ins 5. Jahrhundert nach Christus wurden die Toten der reicheren Familien in Knidos in aufwändigen Anlagen beigesetzt. Zum Beispiel in Säulen, Höhlen und richtigen kleinen Häusern. Das Spektrum reicht von einfachen Kammergräbern über monumentale Quaderbauten bis hin zu weiträumigen Hofanlagen. Eine wahre Stadt der Toten reihte sich auf 5 Kilometern auf - entlang der Straße, die in die reiche Hafenstadt führte. Natürlich wollten die Besitzer der Gräber sich gegenseitig an Prunk übertrumpfen. Auch wertvolle Beigaben wurden den Verstorbenen mitgegeben. Zum Beispiel Flaschen mit kostbarem Parfüm. Von ihnen ist aber nicht viel übrig geblieben: Grabräuber haben sie längst gestohlen.

Theater für die Toten

Auf eine seiner Entdeckungen ist Christoph Berns besonders stolz: Eine Grabanlage, gebaut wie eine Bühne, ein Theater für die Toten. Etwas völlig Neues in der Archäologie: "Die Vorderseite dieses Hofes blieb sozusagen offen, so dass jeder, der an diesem Grabbau vorbeiging, sehen konnte, was darin passierte. Das können zum Beispiel Feierlichkeiten gewesen sein zum Gedenken der Toten, die in regelmäßigen Abständen sicherlich stattfanden. Vielleicht aber ging es aber auch nur darum, dass die Denkmäler oder die Grabgeschenke von jedem Passanten gesehen wurden."

Friedhöfe in dieser Form gab es in der Antike im Römischen Reich fast überall. Aber so gut erhalten wie in Knidos sind sie selten. Christoph Berns ist mit seiner Arbeit zufrieden. Zwischen seinem Team und den türkischen Wissenschaftlern besteht eine enge Beziehung. Viele der türkischen Archäologen haben in Deutschland studiert. Für den jungen Deutschen gibt es so noch viel zu tun, in der Stadt der Toten am Ufer der Ägäis. Jens Wellhöner/(fro)

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