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Stadtbilder

Stadt der Künstler

Leipzig war und ist die Wirkungsstätte zahlreicher weltberühmter Persönlichkeiten. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel beispielweise hat in Leipzig studiert. Die Stadt ist jedoch vor allem bekannt für ihre Komponisten.

Bild von Neo Rauch

Ein Bild von Neo Rauch


Johann Sebastian Bach (1695 – 1750)

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach leitete den Knabenchor der Thomaskirche.

Leipzig war die letzte und wichtigste Station im Leben des Komponisten Johann Sebastian Bach. Bach wurde in Eisenach geboren und wechselte später mehrfach den Wohnort. Dabei bewegte er sich aber stets innerhalb eines relativ kleinen Gebiets in Mittel- bzw. Ostdeutschland. Im Jahr 1723 begann er seinen Dienst als Kantor und Musikdirektor der Thomaskirche in Leipzig. Er war somit künstlerischer Leiter des Thomanerchors und zugleich Lehrer in der Thomasschule – zur damaligen Zeit eine Armenschule. Unter seiner Leitung wurden wöchentlich Kantaten aufgeführt. Die Thomaner, die Internatsschüler der Thomasschule, mussten dabei als Chorsänger die Gottesdienste mitgestalten. Seine Stelle als Thomaskantor behielt Johann Sebastian Bach bis zu seinem Tod im Jahre 1750. Seit 1950 befindet sich sein Grab in der Thomaskirche.

In seiner Zeit in Leipzig entstanden rund 300 Kantaten. Außerdem komponierte Bach bedeutende Werke wie das „Weihnachtsoratorium“, die „Matthäuspassion“, „Die Kunst der Fuge“ oder die „Goldberg-Variationen“. Heute erinnert das Bach-Archiv an das Leben und Werk des Komponisten. Zwischen dem Bach-Archiv und der Thomaskirche befindet sich auch das Neue Bachdenkmal. Das Alte Bachdenkmal steht einige Meter weiter entfernt und wurde von Felix Mendelssohn Bartholdy gestiftet, der die Musik Bachs Mitte des 19. Jahrhunderts wieder populär gemacht hat.


Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Nach seinem Tod wurde die Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy nur noch wenig gehört.

Felix Mendelssohn Bartholdy gilt als einer der bedeutendsten Musiker der Romantik. Er wurde in Hamburg geboren und zog bald mit seiner Familie nach Berlin, wo er auch aufwuchs und studierte. Schon früh erhielt er Klavierunterricht und bereits im Alter von neun Jahren trat er zum ersten Mal öffentlich auf, gemeinsam mit seiner Schwester Fanny. Seine ersten Konzertreisen unternahm er ab 1829. 1833 wurde er Musikdirektor in Düsseldorf, und zwei Jahre später zog Mendelssohn nach Leipzig, weil er dort eine Stelle als Leiter der Gewandhauskonzerte angeboten bekommen hatte. Damals war das eine der höchsten Positionen, die man als Musiker erreichen konnte. Bei den Leipzigern waren Mendelssohns Gewandhauskonzerte sehr beliebt. Im Jahr 1843 gründete Mendelssohn in Leipzig das „Conservatorium“– die erste Musikhochschule Deutschlands. Die Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" ist heute eine der renommiertesten Kunsthochschulen weltweit.

Mendelssohn starb am 4. November 1847 in Leipzig in Folge mehrerer Schlaganfälle. Sein künstlerisches Schaffen umfasst Konzerte, Vokal-, Orchester-, Kammermusik- und Klaviermusikwerke sowie fünf Sinfonien. In Mendelssohns Wohn- und Sterbehaus befindet sich heute ein Museum.

Schon zu Lebzeiten, aber besonders nach seinem Tod wurde Mendelssohn wegen seiner jüdischen Herkunft von vielen Menschen angegriffen. Schuld daran war vor allem die antisemitische Hetzschrift Richard Wagners „Das Judenthum in der Musik“, die drei Jahre nach Mendelssohns Tod erschien. In der Folgezeit wurde Mendelssohns Werk wenig geachtet, und unter den Nationalsozialisten war die Aufführung seiner Werke komplett verboten. Auch das alte Mendelssohn-Denkmal wurde von den Nazis 1936 entfernt. Im Jahr 2008 wurde ein neues Denkmal – allerdings an anderer Stelle – aufgestellt.


Clara Schumann (1819 – 1896)

Clara Schumann

Dieses Porträt von Clara Schumann war früher auf dem 100-DM-Geldschein zu sehen.

Clara Schumann wuchs in einer musikbegeisterten Familie auf: Ihre Mutter war Sängerin und ihr Vater Friedrich Wieck ein strenger Klavierlehrer, der sich große Mühe gab, seine Tochter zur Pianistin auszubilden. Er sorgte auch dafür, dass Clara Improvisations- und Kompositionsunterricht bekam – eine Möglichkeit, die Frauen damals nur selten hatten. Clara galt bald als Wunderkind, das im Alter von zehn Jahren das erste Mal auftrat.

Im Jahr 1828 kam Robert Schumann nach Leipzig, wo er Klavierunterricht bei Friedrich Wieck nahm und sich in Clara verliebte. Einer Hochzeit wollte Claras Vater allerdings nicht zustimmen, denn seiner Meinung nach war der mittellose Robert Schumann psychisch labil und ohne berufliche Perspektive. Er verbot dem Paar sogar, sich zu sehen. 1840 gelang es den beiden jedoch, ihre Eheschließung vor Gericht zu erkämpfen. Robert und Clara Schumann wohnten vom Tag ihrer Hochzeit bis zum Jahr 1844 in der Inselstraße 18, einem der wenigen erhaltenen klassizistischen Gebäude Leipzigs. Im Schumann-Haus befindet sich heute unter anderem ein Museum.

Nach der Zeit in Leipzig lebte Clara Schumann mit ihrem Mann in Dresden und in Düsseldorf. Sie bekam neun Kinder in 13 Jahren. Die Kinder erzog sie jedoch nicht selbst, da sie so oft wie möglich Konzerte gab. Durch ihre Konzertreisen machte sie auch die Werke ihres Mannes in ganz Europa bekannt, denn Robert Schumann konnte wegen einer Behinderung der rechten Hand nicht selbst spielen.

Da sich der psychische Zustand von Robert Schumann verschlimmerte, wurde er 1854 in eine Heilanstalt in Bonn überführt, wo er zwei Jahre später starb. Nach dem Tod Roberts komponierte Clara Schumann fast nichts mehr, sie blieb aber bis zu ihrem eigenen Tod eine gefeierte Pianistin.


Anton Philipp Reclam (1807 – 1896)

Anton Philipp Reclam

Die Büchlein aus dem Verlag von Anton Philipp Reclam kennt in Deutschland wohl jeder.

Der berühmte deutsche Schriftsteller Thomas Mann meinte im Jahre 1908: „Wenn dreißig Jahre nach meinem Tode das eine oder andere meiner Bücher in der Reclam-Bibliothek erschiene – wäre das nicht eine kleine Unsterblichkeit?“ Für den späteren Nobelpreisträger war eine Veröffentlichung durch den Leipziger Reclam-Verlag also der beste Hinweis darauf, wer es als Schriftsteller zu ewigem Ruhm gebracht hat.

Die Erfolgsgeschichte des Reclam-Verlags begann im Jahre 1828, als Anton Philipp Reclam, der Sohn eines Leipziger Buchhändlers, das Literarische Museum in der Stadt kaufte und dort einen eigenen Verlag gründete. Außerdem erwarb er einige Jahre später eine Buchdruckerei. 1858 erschien in seinem Verlag eine günstige Shakespeare-Ausgabe. Das war der erste Schritt zur Universalbibliothek der Weltliteratur, die er ab 1867 zusammen mit seinem Sohn Hans Heinrich aufbaute. Als ersten Band seiner Universalbibliothek veröffentlichte Reclam Goethes Faust zu dem sehr niedrigen Preis von zwei Silbergroschen.

Mit der Zeit kamen immer mehr Titel hinzu, und die Reihe war bald mehr als nur eine Sammlung günstiger Einzelausgaben von Klassikern der Weltliteratur. Sie wurde ergänzt durch geisteswissenschaftliche Werke, Gesetzesausgaben oder Opernführer. Bei Reclams Tod umfasste die Universalbibliothek fast 5000 Bände. Sein Ziel, breiten Schichten der Bevölkerung Zugang zur Literatur zu ermöglichen, hat er erreicht: Ob Texte von Goethe, Schiller, Lessing oder E.T.A. Hoffmann – wenn in der Schule ein Klassiker behandelt wird, greifen Lehrer und Schüler noch immer auf die kleinen, meist gelben Reclam-Hefte zurück. Das erste Werk von Thomas Mann übrigens erschien bereits im Jahre 1924 – noch zu Lebzeiten des Schriftstellers.


Neo Rauch (1960 – )

Neo Rauch

Neo Rauch ist einer der bekanntesten Maler Deutschlands.

Die sogenannte Neue Leipziger Schule ist eine Strömung der modernen Malerei, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands in Leipzig entstanden ist. Ihr bekanntester Vertreter und zugleich einer der berühmtesten zeitgenössischen deutschen Maler ist Neo Rauch.

Rauch wurde 1960 in Leipzig geboren, seine Eltern starben bereits vier Wochen nach seiner Geburt bei einem Zugunglück. In Leipzig studierte Neo Rauch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, wo er später auch selbst lehrte. Er arbeitet in der Leipziger Baumwollspinnerei.

Der Künstler verbindet in seinen meist figurativen Gemälden verschiedene Stilrichtungen: Elemente der Werbegrafik, des Comics und des Sozialistischen Realismus – die vorherrschende Kunstform in der früheren DDR. Auch deswegen wirken seine Werke oft wie aus der Zeit gefallen. Rauchs Werke, die meistens mehrere Meter hoch und breit und sehr farbig sind, zeigen Traumwelten und surreale Alltagsszenen. Die Personen in seinen Bildern befinden sich beispielsweise im Vorgarten, in der Küche, in der Fabrikhalle, am See in ungewöhnlicher Bekleidung und mit ungewöhnlichen Tierwesen. Für seine Gemälde werden inzwischen Millionen gezahlt.


Glossar

Wirkungsstätte, die – der Ort, an dem eine bekannte Person lebt und arbeitet

Komponist/in, der/die – jemand, der Musikstücke schreibt

Kantor, der – der Leiter eines Kirchenchors, der auch für die der Kirchenmusik verantwortlich ist

Thomanerchor – der Chor der Thomaskirche, in dem nur Jungen singen

Kantate, die – die geistliche Musik mit Gesang und Instrumentalbegleitung

Internat, das – ein Wohnheim, in dem Schüler leben

Denkmal, das – eine Figur, ein Bauwerk oder ein Ort, das an ein Ereignis oder an eine Person erinnert

etwas stiften – hier: etwas spenden; etwas geben, ohne dafür Geld zu bekommen

***

Romantik, die – hier: ein Kunststil vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Gewand, das – ein Kleidungsstück; auch: die Kleidung

Gewandhaus, das – ein Konzerthaus in Leipzig

renommiert – so, dass viele Menschen eine hohe Meinung von jemandem haben

Schlaganfall, der – eine lebensgefährliche Störung im Gehirn

Vokalmusik, die – Musik, bei der der Gesang das Wichtigste ist

Kammermusik, die – Musik mit nur wenigen Instrumenten (↔Orchestermusik)

Sinfonie, die – ein Musikstück, das für ein Orchester geschrieben wurde und aus mehreren Teilen besteht

antisemitisch – feindlich gegenüber Juden

Hetzschrift, die – ein Text, der für Hass gegen bestimmte Menschen verbreitet

jemanden/etwas achten – eine hohe Meinung von jemandem/etwas haben; großen Respekt vor jemandem/etwas haben

***

Improvisation, die – hier: die Aufführung eines Musikstücks, das vorher nicht geschrieben worden ist, sondern erst während der Aufführung entsteht

mittellos – arm

labil – hier: oft krank

erhalten – hier: so, dass etwas in einem ähnlichen Zustand wie früher weiter besteht

klassizistisch – im Stil des Klassizismus, einer kunstgeschichtlichen Epoche zwischen etwa 1770 bis 1830

Behinderung, die – eine geistige oder körperliche Störung, die meist nicht geheilt werden kann

jemanden überführen – hier: jemanden an einen anderen Ort bringen

***

Nobelpreisträger – jemand, der eineninternationalen und sehr bedeutenden Preisgewonnen hat

Verlag, der – ein Unternehmen, das Bücher, Zeitungen, Musik usw. veröffentlicht

etwas erwerben – etwas kaufen

Ausgabe, die – die Version eines Buches, wie es zu einer bestimmten Zeit veröffentlicht wurde

Band, der – ein Teil einer Buchreihe

Silbergroschen, der – eine alte Münze, die nicht sehr viel wert war

Klassiker, der – hier: ein künstlerisches Werk, das als besonders wichtig gilt

***

zeitgenössisch – so, dass jemand zu derselben Zeit lebt bzw. gelebt hat oder etwas in derselben Zeit entstanden ist; hier: aus der Gegenwart, von heute

Strömung, die – hier: eine von verschiedenen künstlerischen Stilrichtungen

Baumwollspinnerei, die – eine Fabrik, in der Baumwolle hergestellt wird/wurde

figurativ – hier: so, dass Figuren oder Gegenstände dargestellt werden (↔abstrakt)

wie aus der Zeit gefallen – so, als ob etwas zu einer ganz anderen Zeit entstanden wäre; scheinbar ohne Verbindung zur Gegenwart

surreal – unwirklich; wie aus einem Traum

Vorgarten, der – der Garten vor einem Haus


Autor: Felix Forberg
Redaktion: Ingo Pickel

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