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Fokus Osteuropa

Stabwechsel im Kosovo unter schwierigen Bedingungen

Der deutsche Diplomat Joachim Rücker übernimmt als UNMIK-Chef ein schwieriges Amt. Noch immer kommt es im Kosovo zu Anschlägen – erst jüngst in Mitrovica. Zudem belasten Verstimmungen mit Belgrad die Lage.

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UNMIK-Gebäude in Pristina

Kurz vor dem Wechsel an der UNMIK-Spitze zeigt ein Anschlag in Mitrovica, wie angespannt die Lage im Kosovo immer noch ist. Am Samstag (26.8.) warf ein junger Albaner einen Sprengsatz in ein Café auf der serbischen Seite der geteilten Stadt. Neun Personen wurden verletzt, darunter waren auch ein UN-Polizist und eine schwangere Frau aus den Niederlanden. Der 16-jährige Albaner, der die Granate in den Garten des Cafés geworfen hatte, wurde verhaftet. Der Anschlag erfolgte zu einem Zeitpunkt, in dem die Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo in eine entscheidende Phase treten. Bis zum Ende des Jahres soll der UN-Sicherheitsrat über den langfristigen Status des Kosovo entscheiden.

Brennpunkt Mitrovica

Der Anschlag kam nach einer relativ langen Periode der Ruhe in Mitrovica, einer Stadt, die seit Ende des Kosovokrieges 1999 immer wieder im Zentrum von Ausschreitungen zwischen Albanern und Serben stand. Die letzten schweren Ausschreitungen, bei denen auch Tote zu beklagen waren, fanden im März 2004 statt. Das Café mit dem Namen „Dolce Vita“ stand dabei immer wieder im Zentrum dieser Auseinandersetzungen. Es liegt unmittelbar hinter der Brücke über den Ibar. Dieser Fluss teilt die Stadt zwischen dem mehrheitlich serbischen Norden und dem mehrheitlich albanischen Süden.

Das Café ist als Treffpunkt der so genannten „Brückenwächter" bekannt. Diese gehören einer parallelen Struktur an, die aus Belgrad unterstützt wird, welche aber die UN-Verwaltung als illegal betrachtet. Die Brückenwächter versuchten in der Vergangenheit immer wieder, zu verhindern, dass Albaner in den nördlichen Stadtteil gelangen.

Serbenvertreter verlangen mehr Sicherheit

Einer der politischen Führer der kosovarischen Serben, Oliver Ivanovic, sagte nach dem Vorfall: „Ich denke, die provisorischen Institutionen des Kosovo haben die einmalige Chance, [die Albaner] aufzurufen, mit dem Polizeidienst des Kosovo zusammenzuarbeiten, um aufzudecken, was hinter diesem Vorfall steckt. Das ist kein Einzelfall gewesen. Das destabilisiert die Situation total. Mir scheint, dass sich solche Vorfälle wiederholen werden, solange der Status verhandelt wird."

An die internationale KFOR-Schutztruppe gewandt forderte Ivanovic, mehr für die Sicherheit zu tun: „Ich denke, die KFOR sollte darauf reagieren. Wenn sie akzeptiert werden wollen, müssen sie entsprechen handeln, im Rahmen ihrer Regeln und Aufgaben. KFOR und die UNMIK-Polizei reagieren bislang nicht. Daher genießen sie keinen Respekt in der Bevölkerung. Sie haben die Situation nicht unter Kontrolle."

Regierung verurteilt Anschlag

Nach dem Anschlag blockierten etwa 100 Serben die Brücke und bewarfen ein vorbeifahrendes Fahrzeug mit Steinen. Dabei wurde eine Kosovo-Albanerin am Kopf schwer verletzt. Kurz nach Bekanntwerden des Anschlags erklärte Regierungssprecher Avni Arifi: „Die Regierung des Kosovo verurteilt diese Tat scharf. Solche Akte schädigen alle Bürger des Kosovo. Die Regierung wird alles tun, um die Täter so schnell wie möglich hinter Schloss und Riegel zu bringen. Sehr wichtig ist es, dass die Bürger des Kosovo dabei helfen. Wir erwarten eine Zusammenarbeit der Bürger mit den Sicherheitsorganen und auch, dass alle Bürger des Kosovo Ruhe bewahren."

Arifi betonte, der Vorfall werde die Regierung nicht dazu bringen, den Verhandlungsprozess über die Zukunft des Kosovo zu unterbrechen: „Solche Taten können uns nicht von dem Weg abbringen, den wir eingeschlagen haben, und den wir bis zum Ende des Jahres zu Ende bringen möchten. Wir denken, dass dieser politische Prozess für alle Bürger des Kosovo wichtig ist, und dass es im Interesse aller ist, diesen Prozess nicht zu beschädigen."

Fabian Schmidt

DW-RADIO/Albanisch, 27.8., Fokus Ost-Südost

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