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Amerika

"Stabiler, globaler, stärker" - Lateinamerika für deutsche Unternehmen immer interessanter

In Hamburg hatte der Lateinamerika Verein Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer zum 60.Lateinamerika-Tag geladen. Zwei Tage lang wurden die Perspektiven der deutsch-lateinamerikanischen Zusammenarbeit ausgelotet.

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Bodo Liesenfeld, Vorstandsvorsitzender vom Lateinamerika Verein, blickt noch einmal kurz zurück: "Wir hatten, und das unterscheidet die lateinamerikanische Region von den Industrieländern, keine Finanzkrise. Und wir hatten nie eine Bankenkrise, die lateinamerikanischen Banken waren nicht so stark mit dem internationalen Bankennetz verflochten. Wir hatten allerdings dann in der Folge der Finanzkrise eine starke wirtschaftliche Rezession und die hat Lateinamerika getroffen.'

Lateinamerika-Tag in Hamburg

Bodo Liesenfeld, Vorstandsvorsitzender vom Lateinamerika Verein

Vor allem der Außenhandel brach ein, die 25 Prozent Rückgang in der ersten Jahreshälfte bedeuteten das schlimmste Ergebnis für die Region seit Jahrzehnten. Doch von Pessimismus keine Spur, traf die Rezession Lateinamerika doch nach dem Wirtschaftsboom von 2003 bis 2007 in einem Moment zunehmender Unabhängigkeit und Stabilität.

Das sonnige Schnittblumen-Paradies El Salvador

Adventskalender Bild 04

Weihnachtssterne aus El Salvador

Dies war auch ein Grund für den deutschen Firmeninhaber Simon Schulz, 2008 in Las Mercedes in El Salvador seine Produktionsstätten für Schnittblumen zu eröffnen. Ein Standort mit vielen Vorteilen auch für andere deutsche Unternehmen im Agrarbereich, bietet das Land doch ein günstiges Klima mit neuneinhalb Stunden Sonne pro Tag, den US-Dollar als Währung, billige und gut ausgebildete Arbeitskräfte und niedrige Landpreise. Und Schulz sieht auch stabile politische Strukturen: "Das wird immer so ein bisschen belächelt, weil El Salvador ja gerade einen schwierigen Wechsel vollzogen hat auf politischer Ebene. Aber die Leute haben die Nase voll von ihrem Bürgerkrieg, dass eine Entwicklung wie im Nachbarland Honduras hier so nicht passieren kann."

Lateinamerika-Tag in Hamburg

Der deutsche Unternehmer Simon Schulz

Für Simon Schulz und seine Firma Dümmen hat sich der Einstieg in Mittelamerika schon gelohnt. Das Unternehmen produziert mittlerweile 230 Millionen Weihnachtssterne, Geranien und Petunien pro Jahr und vertreibt diese in 47 Ländern. El Salvador bot sich vor allem wegen seiner Nähe zu den USA als Produktionsstandort an, doch das mittelamerikanische Land hat auch Nachteile, wie das nicht funktionierende Kreditwesen. Außerdem brauche man, so Schulz, auf alle Fälle ein Konzept für einen Einstieg in El Salvador: "Wenn Sie keine Vision haben und keinen Weg, wenn Sie kein Produkt haben, was sie in den USA absetzen können, lohnt es sich überhaupt nicht, hierher zu kommen." Bemüht war aber auch El Salvador, Simon Schulz und sein Unternehmen ins Land zu holen. Die Vizepräsidentin persönlich kümmerte sich um ihn, innerhalb von zwei Wochen waren alle wichtigen Fragen geklärt.

Lokomotive Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Peru mit Zugkraft

Zentralamerika entwickelt sich also zunehmend zum Geheimtipp für deutsche Firmen, doch auch andere Länder haben nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Für Bodo Liesenfeld bleibt Mexiko nach wie vor ein hochinteressantes Land, auch wenn es in der jetzigen Krisensituation mit den stärksten Einbrüchen zu tun hat: "Das liegt aber an der offensichtlichen Nähe zu den USA und hat nichts mit der eigentlichen wirtschaftlichen Stärke Mexikos zu tun. Zu interessanten Absatzmärkten haben sich in den letzten Jahren aber vor allem Kolumbien und Peru gemausert."

Rio de Janeiro Olympischen Sommerspiele 2016 Flash-Galerie

Rio de Janeiro steht Kopf nach dem Zuschlag für Olympia 2016

Doch die Lokomotive in der Region, so der einhellige Tenor auf dem Lateinamerika Tag in Hamburg, bleibt Brasilien. Der Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro tut da ein Übriges. Zwei sportliche Großereignisse, von denen vor allem deutsche Unternehmen profitieren können. Im August fanden in Vitoria die deutsch-brasilianischen Wirtschaftsgespräche statt, mit dem damaligen deutschen Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Brasilien bekundet großes Interesse, mit Deutschland sehr eng zusammen zu arbeiten. Liesenfeld: "Es ist hier in Deutschland eine Gruppe gegründet worden, an der wir auch beteiligt sind, aber sehr stark auch der BDI in Berlin, und es gibt laufend Gespräche, auch jetzt in diesen Tagen, speziell zu dem Thema der Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele 2016.'

Impulsgeber Spanien, Konkurrent China

Lula da Silva mit Juan Carlos und Jose Luiz Zapatero

Der brasilianische Präsident Luis Inacio Lula da Silva mit dem spanischen König Juan Carlos und dem spanischen Premierminister Jose Luis Zapatero

Kurzfristig erhoffen sich die deutschen Unternehmer vor allem Impulse aus Madrid – denn Spanien übernimmt ab dem 1.Januar die Ratspräsidentschaft in der Europäischen Union und hat schon angekündigt, Lateinamerika stärker in den Fokus zu rücken. Alexandra Bensch von der Europäischen Kommission aus Brüssel erhofft sich mehr Interesse an den lateinamerikanischen Belangen und nennt konkrete Ziele:"Die Verfolgung der strategischen Partnerschaft mit Mexiko. Wenn möglich, die Unterschrift der Abkommen mit Peru und Kolumbien. Und Fortschritte mit den zentralamerikanischen Staaten und mit Mercosur.'

Lateinamerika-Tag in Hamburg

Alexandra Bensch von der Europäischen Kommission in Brüssel

Vor allem die Verhandlungen mit dem südlichen Bündnis, bestehend aus Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, waren in jüngster Zeit ins Stocken geraten. Und die Europäer sollten sich beeilen, hat doch China zunehmend ein Auge auf Lateinamerika geworfen und sich im letzten Jahrzehnt in manchen Ländern zum wichtigsten Handelspartner entwickelt. Auch Alexandra Bensch mahnt, dass sich die Europäische Union nicht auf den Lorbeeren der vergangenen Jahre ausruhen darf: "Wir sind der zweite Handelspartner von Lateinamerika und der erste Investor. Infolgedessen sehe ich unsere Stellung auf dem lateinamerikanischen Markt nicht unmittelbar gefährdet, aber es wäre natürlich hilfreich, dass wir diese Abkommen auch wie geplant abschließen können.'

Zukunft gehört Lateinamerika

Dies wäre vor allem eine gute Basis für die Zukunft. Denn glaubt man den Wirtschaftexperten, wird die globale Rangliste der größten Volkswirtschaften im Jahr 2050 eine ganz andere sein: an der Spitze China, gefolgt von den USA und auf den Plätzen Drei und Vier Brasilien und Mexiko. Bodo Liesenfeld vom Lateinamerika Verein in Hamburg appelliert an die deutschen Unternehmer, die Zukunft nicht zu verschlafen: "Wer 2025 bis 2030 seine strategischen Positionen nicht bereits besetzt hat, wird Schwierigkeiten haben, 2040 und 2050, wenn Brasilien Nummer 3 und Mexiko Nummer 4 sind, noch Platz auf den Märkten zu finden."

Autor: Oliver Pieper

Redaktion: Mirjam Gehrke

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