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Aktuell Welt

Staatstrauer nach Zugunglück in Polen

Nach dem schweren Zugunglück mit 16 Toten hat der polnische Präsident Bronislaw Komorowski eine zweitägige Staatstrauer angeordnet. Warum die beiden Züge frontal aufeinanderstießen, ist bislang noch unklar.

Im Gedenken an die Opfer werden am Montag und Dienstag alle Fahnen an öffentlichen Gebäuden auf halbmast gesetzt. Außerdem sollen Konzerte und andere Unterhaltungsveranstaltungen abgesagt werden, wie das Präsidialamt auf seiner Internetseite mitteilte.

Die Suche nach der Unfallursache könnte noch Monate dauern, erklärte derweil Verkehrsminister Slawomir Nowak. Am technischen Zustand von Schienenanlagen und Zügen dürfte es jedenfalls nicht gelegen haben, sagte er dem Internetportal tvn24.pl des polnischen Fernsehens.

Züge stießen frontal aufeinander

Video ansehen 01:13

Trauer und Ursachensuche nach Zugunglück

Am Samstagabend waren in Südpolen zwei Personenzüge auf demselben Gleis mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zugerast und frontal zusammengeprallt. 58 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt, viele davon schwer. In beiden Zügen - einer fuhr in Richtung Warschau, der andere in Richtung Krakau - saßen zusammen rund 350 Passagiere. Bis zum Sonntagabend seien neun Tote identifiziert worden. Unter ihnen sei eine US-Bürgerin, sagte der mit der Untersuchung der Unfalls beauftragte Staatsanwalt Tomasz Ozimek.

Das Unglück hatte sich gegen 21 Uhr in der Nähe der Stadt Zawiercie ereignet. "Die ersten drei Waggons waren wie eine Ziehharmonika ineinandergeschoben. Ich war am Anfang des vierten Waggons eingeklemmt, nur einen halben Meter hinter dem Bereich der größten Zerstörung. Als es mir endlich gelang, auf den Korridor zu gelangen, dankte ich Gott." So zitierte das Internetportal "wyborcza.pl" einen Überlebenden.

Feuerwehrleute arbeiteten die ganze Nacht

Rettungskräfte beim Zugunglück (Foto: rtr)

Feuerwehrleute suchten nach weiteren Verletzten

An der Unglücksstelle arbeiteten die ganze Nacht zum Sonntag etwa 450 Feuerwehrleute und 100 Polizisten. Mit Spürhunden suchten die Rettungskräfte in den Trümmern der Waggonwracks nach Überlebenden. Zur Versorgung der Verletzten wurden beheizte Zelte aufgebaut. Außer Krankenwagen waren auch Hubschrauber im Einsatz, um die Opfer wegzubringen.

Westerwelle und Merkel sprechen Anteilnahme aus

Bislang ist unklar, warum der Zug nach Krakau auf dem gleichen Gleis fuhr, wie der entgegenkommende Zug. Er war damit falsch umgeleitet worden. Untersucht wird auch, mit welchem Tempo die Züge zusammenstießen und ob einer von ihnen abgebremst wurde.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk war am Sonntag zur Unfallstelle gekommen. "Dies ist die tragischste Katastrophe seit Jahren", sagte er. "Unser Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien." Auch Präsident Komorowski hatte die Verletzten im Krankehaus besucht.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle übermittelte Polen die Anteilnahme der Regierung in Berlin: "Wir trauern mit den Angehörigen der Opfer und wünschen den Verletzten eine rasche Genesung." Nach Angaben des Bundespresseamts sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel Ministerpräsident Tusk am Telefon ebenfalls ihr tiefes Mitgefühl aus. Ob in den Unglückszügen auch deutsche Fahrgäste waren, ist bislang unklar.

as/gri (dpa, dapd, afp)

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