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Europa

Staatstrauer nach U-Bahn-Anschlägen

Nach den Terroranschlägen auf die Moskauer U-Bahn wehen die Fahnen in Russland auf Halbmast. Der Dienstag wurde zum Tag der Staatstrauer erklärt. Die Fahndung nach drei Verdächtigen läuft auf Hochtouren.

Ein Mann zündet eine Kerze für die Opfer der Anschläge an (Foto: AP)

Trauer um die Opfer der U-Bahn-Anschläge

Nach dem Doppelanschlag mit zusammen mindestens 39 Toten und etwa 70 Verletzten suchen die russischen Behörden fieberhaft nach den Hintermännern. Der Anschlag sei am Montag vermutlich von zwei Selbstmord-Attentäterinnen verübt worden, erklärte der Inlandsgeheimdienst FSB. Nach der Auswertung der Aufnahmen der Überwachungskameras in den U-Bahn-Stationen fahndet die Polizei am Dienstag (30.03.2010) nach zwei Frauen und einem Mann – sie sollen den Attentäterinnen geholfen haben.

Medwedew: "Werden die Drahtzieher vernichten"

Präsident Medwedew während einer Schweigeminute für die Opfer (Foto: AP)

Präsident Medwedew hielt eine Schweigeminute für die Opfer ab

Russlands Präsident Dmitri Medwedew drohte den Drahtziehern mit harten Konsequenzen. "Wir werden sie alle finden und vernichten", sagte er bei einem Besuch des U-Bahnhofs Lubjanka, in dem sich am Montagmorgen die erste der beiden Bombenexplosionen ereignet hatte. Medwedew legte dort Rosen für die Opfer nieder. Die Metro-Station befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Zentrale des Geheimdienstes.

Der Terroranschlag hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Der Weltsicherheitsrat in New York erklärte, Terrorismus sei "eine der größten Bedrohungen für den internationalen Frieden und die Sicherheit". UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er verurteile die Anschläge auf das Schärfste. Auch die EU-Kommission, die NATO und die Außenminister der G8-Staaten verurteilten die Attentate. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama bezeichneten den blutigsten Anschlag in der russischen Hauptstadt seit sechs Jahren als "abscheulich". In einem Telefongespräch bot Obama seinem russischen Kollegen Medwedew an, bei der Suche nach den Drahtziehern zusammenzuarbeiten.

Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Moskau und anderen Städten verschärft. Polizisten mit Maschinengewehren und Spürhunden patrouillierten an den Moskauer U-Bahn-Stationen. Die Behörden ordneten Staatstrauer an. Vergnügungsveranstaltungen und Unterhaltungsprogramme wurden abgesagt. Als Zeichen der Trauer verzichteten Fernseh- und Hörfunksender auf Werbung und Unterhaltung. Die russisch-orthodoxe Kirche hielt Trauergottesdienste ab.

Sicherheitskräfte nahe der U-Bahn-Station Park Kultury (Foto: AP)

Im ganzen Land wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Anschläge im morgendlichen Berufsverkehr

Die Explosionen hatten sich am Montag im morgendlichen Berufsverkehr ereignet. Die erste Bombe detonierte gegen acht Uhr (Ortszeit) in einem U-Bahn-Zug in der Station Lubjanka, die zweite keine Stunde später in der Station Park Kultury. Der Verkehr auf den betroffenen Linien wurde zwischenzeitlich eingestellt. Präsident Medwedew ordnete für das ganze Land verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Auf allen Transportstrecken und an den Flughäfen der Hauptstadt wurden die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Über deren Hintergrund gibt es bisher keine gesicherten Erkenntnisse. Der Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow machte Rebellen aus dem unruhigen Nordkaukasus verantwortlich. Die Rebellen, die für einen unabhängigen Gottesstaat kämpfen, hatten zuletzt mehrfach gedroht, den Dschihad, den so genannten Heiligen Krieg, ins russische Kernland zu tragen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow brachte zudem eine Beteiligung des Terrornetzwerks El Kaida ins Gespräch.

Eine Reihe von Anschlägen

Zuletzt hatte sich 2004 ein Selbstmordattentäter in der Moskauer U-Bahn in die Luft gesprengt und etwa 40 Fahrgäste mit in den Tod gerissen. 250 Menschen wurden damals verletzt. Bei dem Täter handelte es sich um einen Untergrundkämpfer aus dem Nordkaukasus. Islamistische Extremisten hatten sich auch zu dem Anschlag auf den Schnellzug zwischen Moskau und St. Petersburg im November 2009 bekannt, bei dem 26 Menschen ums Leben kamen.

Autor: Frank Wörner/Reinhard Kleber (dpa, apn, rtr, afp)
Redaktion: Gerhard M. Friese/Ulrike Quast

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