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Kultur

Staatstrauer nach schwerem Busunglück

Nach einem schweren Busunglück in den französischen Alpen hat Polens Staatspräsident Lech Kaczynski am Montag (23.7.) eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Luftbild: Einsatzkräfte am Wrack des Pilgerbusses am Gebirgsbach Romanche, Quelle: AP

Das Buswrack ist völlig ausgebrannt

Kaczynski ordnete die Staatstrauer an, nachdem er am Vorabend gemeinsam mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy den Unglücksort besucht hatte. Bei dem Unfall in der Nähe von Grenoble in Ostfrankreich kamen nach französischen Angaben 26 polnische Pilger ums Leben; 24 weitere wurden verletzt. Die polnischen Behörden sprachen dagegen von 27 Toten und 23 Verletzten.

Bremsen hatten offenbar versagt

Das Unglück hatte sich im Val d'Isère nahe Grenoble am Fuß der kilometerlangen steilen Gefällstrecke von Laffrey ereignet. Der Bus durchbrach nach einer 90-Grad-Kurve das Geländer einer Brücke über dem Tal der Romanche. Er zerschellte 50 Meter tiefer am Ufer des Gebirgsbachs, der nach den Regenfällen der vergangenen Tage zu einem reißenden Fluss angeschwollen ist und ging in Flammen auf.

"Offenbar haben die Bremsen versagt", erklärte die Präfektur. Eine 22-jährige Überlebende bestätigte, der Busfahrer habe noch "Festhalten! Die Bremsen gehen nicht mehr!" gerufen, bevor der Bus von der Straße abkam. Der Bus sei die abschüssige Strecke "eher langsam" hinuntergefahren, berichtete die junge Frau. "Mit einem Mal hat vorne am Bus etwas gekracht, und wir haben den Fahrer schreien gehört." Der Organisator der Reise erklärte, der Bus der Marke Scania sei erst vor drei Wochen in Deutschland technisch überprüft worden.

Busreisende waren überwiegend Senioren

Ein Flugzeug mit etwa 50 Angehörigen der Opfer startete am Morgen aus in Richtung Grenoble. Die Gruppe wurde von einem Team von Ärzten, Psychologen, Seelsorgern und Übersetzern begleitet. Die meisten der Passagiere kamen aus der Gegend um Stettin (Szczecin) und Swinemünde. Dort seien Krisenstäbe eingerichtet worden, die sich um die Angehörigen kümmern sollten.

Bei den Unfallopfern handelte es sich nach Medienberichten um meist ältere Menschen zwischen 50 und 70 Jahren. Nach Angabe der Behörden in Grenoble sind zwei der Überlebenden "in sehr kritischem Zustand." Zwei der schwer verletzten polnischen Pilger seien noch immer nicht identifiziert, sagte Boleslaw Piech, Staatssekretär im polnischen Außenministerium. Andere seien noch immer bewusstlos.

Gedenkgottesdienste in Polen und Frankreich

Premierminister François Fillon war am Sonntag sofort an den Unglücksort gereist. Am Abend waren dann auch der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski und sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy in Grenoble eingetroffen, um Überlebende in der Universitätsklinik zu besuchen. In der Pariser Kathedrale Notre Dame, im polnischen Ort Stargard Szczecinski und in anderen Kirchen in Frankreich und Polen wurden am Sonntagabend Gedenkmessen gelesen.

Lech Kaczynski, polnischer Präsident (links) und Nicolas Sarkozy, französischer Präsident (rechts), Quelle: AP

Die Präsidenten Kaczynski und Sarkozy besuchen Überlebende im Hospital

Die Busreisenden waren auf der Rückreise von einer Tour zu katholischen Pilgerorten in Frankreich und auf der iberischen Halbinsel. Sie hatten die Nacht in Notre-Dame-de-la-Salette etwa 50 Kilometer südlich von Grenoble verbracht.

Bekannte Gefahrenstrecke

Unklar ist, warum der Busfahrer die bekannte Gefahrenstrecke nahm. Schwere Busse und Lastwagen benötigen eine Sondergenehmigung und ein mehrfach ausgelegtes Bremssystem. Der Bus hätten die Strecke nicht nehmen dürfen, sagte der Bürgermeister von Vizille, Alain Berhault. Das Verbot sei klar ausgeschildert.

Auf der französischen Nationalstraße 85 gebe es jeden Tag im Durchschnitt zwei Unfälle, sagte Berhault. In den 1970er Jahren kamen auf der 7,2 Kilometer langen Todesabfahrt von Laffrey insgesamt 77 Menschen ums Leben. Der schlimmste Unfall ereignete sich im Juli 1973: Damals starben 43 Belgier, als ihr Bus mit über 100 Stundenkilometern die Straße hinunter raste.