1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Amerika

Staatstrauer nach Nestor Kirchners Tod

Nach dem tödlichen Herzinfarkt des früheren argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner hat die Regierung eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Tausende gedachten vor dem Präsidentenpalast des 60-jährigen Politikers.

Die argentinische Fahne auf Halbmast vor dem Präsidentenpalast (Foto: AP)

Die argentinische Fahne auf Halbmast vor dem Präsidentenpalast

Der 60-jährige Néstor Kirchern erlitt am Mittwoch in Calafate in der patagonischen Provinz Santa Cruz einen Herzinfarkt und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb er wenig später. Kirchner und seine Ehefrau, die amtierende Präsidentin Cristina Fernández Kirchner, hatten das Wochenende in ihrem Privathaus in Calafate verbracht, wo die Staatschefin sich von einer Angina erholte.

Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Bei einer Großkundgebung vor dem Präsidentenpalast trauerten Tausende Argentinier um Kirchner. Viele von ihnen machten der Witwe und peronistischen Politikerin Mut, die bisherige Reformpolitik fortzusetzen.

Fußballspiele abgesagt

Nestor Kirchener (Archivfoto dpa)

Nestor Kirchner (1950-2010)

Der Leichnam des Ex-Präsidenten soll an diesem Donnerstag (28.10.2010) im Präsidentenpalast Casa Rosada in Buenos Aires aufgebahrt werden, damit die Bevölkerung Abschied nehmen kann. Dazu werden auch mehrere lateinamerikanische Staatsoberhäupter erwartet. Brasilien, Uruguay und Venezuela riefen ebenfalls jeweils mehrtägige Staatstrauer aus. Alle Spiele im argentinischen Profifußball am kommenden Wochenende wurden ebenso wie viele andere Sportturniere abgesagt.

Néstor Kirchner war in diesem Jahr bereits zweimal am Herzen operiert worden. Die Ärzte hatten ihm schon vor längerer Zeit geraten, kürzer zu treten und weniger zu arbeiten. Doch der Politiker hatte keines seiner zahlreichen Ämter aufgegeben. Zuletzt war er Vorsitzender der peronistischen Partei Partido Justicialista, Abgeordneter im Parlament, Generalsekretär des südamerikanischen Staatenbundes UNASUR und er bereitete seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen in Argentinien im kommenden Jahr vor.

Eine lange politische Karriere

Néstor Carlos Kirchner Ostoic war am 25. Februar 1950 in Río Gallegos, Hauptstadt der südlichen Provinz Santa Cruz, geboren worden. Seit seiner Jugend war er Mitglied der Peronistischen Partei. Er studierte Jura an der Universität von La Plata, wo er auch seine Ehefrau Cristina Fernández kennenlernte. Das Ehepaar hat zwei Kinder, Máximo und Florencia.

Anhänger Kirchners bedanken sich mit Blumen am Präsidentenpalast (Foto: AP)

Anhänger Kirchners bedanken sich mit Blumen am Präsidentenpalast

1976, nach dem Militärputsch, kehrte das Ehepaar Kirchner nach Santa Cruz zurück, wo Kirchner seine politische Karriere begann. Er war zunächst Bürgermeister seiner Geburtsstadt Río Gallegos. 1991 wurde er zum Gouverneur der Provinz Santa Cruz gewählt und zwei Mal im Amt bestätigt. 2003 trat er zurück, um bei den Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Mit 22 Prozent der Stimmen kam er ins Amt, da sein Gegenspieler Carlos Menem, der in der ersten Runde auf 24 Prozent gekommen war, seine Kandidatur vor der Stichwahl zurückzog, um einer möglichen Niederlage zuvorzukommen. Néstor Kirchner trug maßgeblich zur Erholung Argentiniens nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2001 bei.

Erholungskur für Argentinien

Während Kirchners Präsidentschaft verzeichnete Argentinien ein jährliches Wirtschaftswachstum von acht Prozent; die Löhne und Renten stiegen, während die Arbeitslosigkeit und die Armut im Land deutlich zurückgingen. Unter Kirchner wurden die Verhandlungen über die Umstrukturierung und Rückzahlung der Auslandschulden neu aufgenommen. Im Januar 2006 zahlte Argentinien vorzeitig 9,6 Millionen Dollar an den Internationalen Währungsfonds zurück. Auch die Reform des Obersten Gerichtshofes und der Streitkräfte fielen in die Amtszeit Kirchners, der sich stets für die Menschenrechte einsetzte.

Autorin: Mirjam Gehrke/Reinhard Kleber (dapd, rtr, dpa, sid)

Redaktion: Oliver Pieper, Martin Schrader

Audio und Video zum Thema