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Wirtschaft

Staatsschulden gefährden Weltkonjunktur

Während die Krise an den Finanzmärkten als einigermaßen gebannt gilt, bedrohen die maroden Staatshaushalte die Weltkonjunktur. Im Euro-Raum hat sich die jährliche Neuverschuldung seit Beginn der Finanzkrise verdreifacht.

Zwei Pfeile zeigen zwei Richtungen (Foto: Bilderbox)

Quo vadis Weltkonjunktur?

Uwe Wagschal, Wirtschaftswissenschaftler an der Uni Freiburg, blickt weit zurück: "Die Weltgeschichte ist eine Geschichte der Verschuldung. Selbst die antiken Griechen waren sehr hoch verschuldet und haben auf Kosten anderer gelebt." Die Folgen waren oft Bürgerkrieg oder der Zusammenbruch des Staates.

Um einen Staatsbankrott in Griechenland zu vermeiden und die Gemeinschaftswährung zu stützen, spannte die EU einen Rettungsschrim über 750 Milliarden Euro auf. Doch damit wurde lediglich Zeit gekauft. Zeit für die Defizitländer, ihre Haushalte zu konsolidieren.

Staatsschuldin in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (Infografik: DW)

Industrienationen sind höher verschuldet als Schwellenländer

Während aber die Ergebnisse beim Schuldenabbau noch nicht wirklich überzeugen, drohen die Sparmaßnahmen das Wachstum zu drosseln. So wird die Wirtschaft in Griechenland und Spanien in diesem Jahr weiter schrumpfen. Die anderen zwei Sorgenkinder der Euro-Zone, Irland und Portugal, schaffen bestenfalls eine Stagnation. Kein Wachstum bedeutet weniger Steuereinnahmen - schlecht für die Tilgung der immer größer werdenden Schuldenlast.

Hochverschuldete Staaten wachsen langsamer

Prof. Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (Foto: DW)

Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts

Dieser negative Effekt auf das Wachstum wird diese Länder noch lange begleiten, denn aus der Wirtschaftsgeschichte weiß man,"dass in aller Regel in Haushalten, die so stark und so hoch verschuldet sind, dass dort die wirtschaftlichen Kräfte in Zukunft einen Tick langsamer sein werden als in Ökonomien, die vergleichsweise weniger Staatsschulden haben", sagt Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, und erklärt gleich warum: "Das liege am Multiplikator-Effekt. Das heißt, die Wirkung eines Dollar oder eines Euro, der vom Staat ausgegeben wird, ist in aller Regel geringer als wenn er von Privaten ausgegeben wird."

Zudem könnten Staaten in Versuchung kommen, Schulden durch Steuererhöhungen zu begleichen, was wiederum den Privatkonsum einschränkt - ein Teufelskreis. Übrigens werden bei allen Konsolidierungsbemühungen kaum Schulden abgebaut, sondern nur das Anwachsen verlangsamt. Alte Schulden werden durch neue Kredite abgelöst.

Keine Schuldenmacherei zum Nulltarif

Neue Kredite werden die Regierungen nicht ewig zum Nulltarif von den Notenbanken bekommen, ist Straubhaar überzeugt: "Sobald es nur einigermaßen stabilere Zustände gibt, werden die Notenbanken der Welt relativ schnell, aufgrund dann auch wachsender Inflationssorgen, die Zinsen anheben." Und in dem Ausmaß, wie die Notenbanken die Zinsen anheben, würden dann auch die Schuldzinslasten des Staates steigen, sagt Straubhaar weiter.

Bereits jetzt muss Deutschland, das mit einer Schuldenquote von knapp 77 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vergleichsweise gut da steht, jeden vierten Euro seiner Steuereinnahmen für den Schuldendienst verwenden.

Künftige Generationen zahlen die Rechnung

Prof. Uwe Wagschal von der Uni Freiburg (Foto: privat)

Uwe Wagschal von der Uni Freiburg

Wagschal mahnt, das Problem der Staatsverschuldung ernsthaft anzugehen, um künftige Generationen nicht weiter zu belasten. "Was hier stattfindet, ist eine einseitige Umverteilung von zukünftigen Steuerlasten. Das heißt, die Steuerlasten werden in der Zukunft anfallen, während heutige Generationen über ihre Verhältnisse leben", sagt Wagschal.

Für Europa wird es durch die Alterung der Gesellschaft besonders kritisch. Das heißt, immer weniger jüngere Menschen müssen für immer mehr ältere das Sozialsystem finanzieren. So warnt die Ratingagentur Standard & Poor's in einer neuen Studie davor, dass aufgrund steigender Zinslasten und alternder Gesellschaften sich das Zeitfenster, innerhalb dessen Regierungen die Überschuldung in Griff bekommen können, für manche Länder bald schließen wird.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Sabine Faber

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