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Welt

Staatsoberhaupt unter Plagiatsverdacht

Ungarns Staatspräsident Pal Schmitt ist in den Verdacht geraten, in seiner Doktorarbeit ausgiebig abgeschrieben zu haben. Schmitts Büro wies die Plagiatsvorwürfe zurück.

Ungarns Präsident 2011 vor dem Europa-Parlament (Foto: dpa)

Ungarns Präsident 2011 vor dem Europa-Parlament

Reporter der ungarischen Wochenzeitung "HVG" haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass Schmitt seine Doktorarbeit zum Thema "Olympische Spiele in der Neuzeit" offenbar zu einem großen Teil aus einem Werk des bulgarischen Sportwissenschaftlers Nikolaj Georgijew abgeschrieben hat.

Schmitt habe 180 von 250 Seiten seiner Arbeit aus der auf Französisch verfassten Studie Georgijews "Wort für Wort übersetzt und übernommen", meldete HVG auf ihrer Internetseite. Die Quelle sei kein einziges Mal ausgewiesen und zitiert worden. Schmitt hatte seine Dissertation mit dem Titel "Analyse der Programme der neuzeitlichen olympischen Spiele" 1992 an der Budapester Sport-Universität eingereicht.

Schmitt: IOC-Papiere ausgewertet

Das Präsidialamt in Budapest wies die Vorwürfe entschieden zurück. Schmitts Arbeit sei von "Geschichtsprofessoren begutachtet und mit (der Höchstnote) 'summa cum laude' bewertet" worden, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur MIT verbreiteten Erklärung. Als langjähriges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) habe Schmitt den 2005 verstorbenen Georgijew "gut gekannt". Beide hätten in ihren Arbeiten Protokolle des IOC als Quelle verwendet.

Der seit 2010 als Präsident Ungarns amtierende Schmitt gilt als Gefolgsmann des rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Bereits im Kommunismus war er hoher Sportfunktionär und IOC-Mitglied gewesen. Von 2003 bis 2007 und 2009 bis 2010 war er einer der Vize-Vorsitzenden der heutigen Regierungspartei Fidesz.

In Deutschland hatte vor einem Jahr der Fall von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für Wirbel gesorgt. Nachdem in seiner Dissertation Plagiate entdeckt worden waren, trat der CSU-Politiker am 1. März von allen politischen Ämtern zurück.

wl/se (dpa,rtre)

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