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Asien

Staatskrise in Thailand nach einer Serie von Anschlägen

Eine Welle der Gewalt erschüttert Thailand. Hinter den Anschlägen werden muslimische Separatisten vermutet, die Buddhisten und Chinesen aus ihrer Region vertreiben wollen.

Thailändische Soldaten untersuchen das Haus, in dem ein Kollege starb

Soldaten untersuchen nach den Anschlägen das Haus, in dem ein Kollege starb

In den Unruheprovinzen in Thailands Süden sind am Sonntagabend (18.2.07) innerhalb von zwei Stunden mehr als 50 Sprengsätze explodiert. Sieben Menschen kamen ums Leben und 54 wurden teils schwer verletzt. Am Montag detonierten Medienberichten zufolge weitere Sprengsätze. Dabei kam ein Soldat ums Leben, drei weitere wurden verletzt.

Die Bomben detonierten in Karaokebars, Hotels, Tankstellen und Elektrizitätswerken, vor allem in den beiden Grenzstädten zu Malaysia, Betong und Songai Kolok. "Wir verlangen klare Maßnahmen der Regierung, um die Sicherheitsprobleme hier in den Griff zu bekommen", sagte der Bürgermeister von Betong nach der Anschlagsserie.

Chinesisch-stämmige Thailänder waren Ziel der Anschläge

Die Regierung machte radikale Muslime für die Gewalt verantwortlich. Ihr Ziel sei die Vertreibung von Buddhisten und Chinesen aus der Region, sagte ein Armeesprecher. Die meisten Anschläge richteten sich nach Behördenangaben gegen chinesisch-stämmige Bewohner, von denen viele den Beginn des neuen Mondjahres feierten. Die Grenzregion war über Jahrhunderte ein unabhängiges Sultanat. Sie wurde 1786 von Bangkok eingenommen und wird seit 1902 direkt von der thailändischen Hauptstadt regiert.

Interimspräsident Surayud Chulanont

Interimspräsident Surayud Chulanont berief nach den Attentaten ein Krisentreffen ein

Die Anschlagsserie hat politische Konsequenzen: In Bangkok ist die Staatsführung am Montag zu einer Krisensitzung zusammengekommen, um die Sicherheitslage zu diskutieren. An den Beratungen nahmen nach offiziellen Angaben neben Putschführer General Sonthi Boonyaratglin und Interimsministerpräsident Surayud Chulanont auch die wichtigsten Militär- und Sicherheitschefs des Landes teil. Sonthi kündigte bei dem Treffen bereits neue Sicherheitsmaßnahmen für die Krisenregion an.

Hoffnung auf Frieden gedämpft

Die blutigsten Attentate seit dem Sturz von Regierungschef Thaksin Shinawatra am 19. September 2006 dämpfen die Hoffnungen auf eine friedliche Beilegung des muslimischen Aufstandes im Süden, der seit drei Jahren anhält. Seit 2004 sind bei Kämpfen zwischen den Separatisten und der Regierung mehr als 2000 Menschen ums Leben gekommen. Bekennende Buddhisten stellen die Mehrheit in Thailand.

Putschgeneral Sonthi, selbst ein Muslim, setzte nach der Machtübernahme im vergangenen Jahr auf eine neue Politik der Verständigung. Erst am Freitag hatte er ein Vermittlungsangebot Malaysias angenommen und sich zu Gesprächen mit gemäßigten Teilen der Aufständischen bereit erklärt. Trotz der unter Sonthi begonnenen Friedensbemühungen ist die Zahl der Attentate in Thailand nicht zurückgegangen. (tos)

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