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Kultur

Staatsgeheimnis Aids

Völlig gegensätzliche Signale in der chinesischen Aidspolitik: Die chinesische Regierung gibt vor, sie wolle über die tödliche Krankheit aufklären. Gleichzeitig wird Aids immer noch als Staatsgeheimnis behandelt.

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Die achtjährige Aids-Patientin Zhang Xiaqing

Zum ersten Mal gibt das chinesische Gesundheitsministerium zu, dass in der Volksrepublik mindestens eine Million Menschen mit HIV infiziert sind. Noch im letzten Jahr hatte die chinesische Regierung erklärt, nur 30.700 Chinesen trügen den Aids Virus in sich, obwohl UNAIDS schon damals von 85.000 Millionen Infizierten berichtete.

Doch während das Gesundheitsministerium sich dem Problem Aids erstmals öffentlich stellt, wird bekannt, dass Wan Yanhai, der bekannteste Aids-Aktivist in China vom Ministerium für Staatssicherheit festgenommen wurde. Ihm werde der Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen.

Geknebelte Wahrheit

Wan Yanhai hatte als erster die Decke chinesischen Schweigens zerrissen und die Welt auf das Schicksal der Bauern in der chinesischen Provinz Henan aufmerksam gemacht. Ganze Dörfer waren dort vom Aidsvirus leergefegt worden. Die Bauern hatten sich infiziert, als sie ihr Blut an die lokale Gesundheitsbehörde verkauften, um ihr karges Einkommen aufzubessern.

Dirk Pleiter ist China Experte bei Amnesty International. Er befürchtet, dass Yanhai eine schwere Strafe droht, wenn er wirklich wegen Verrats von Staatsgeheimnissen angeklagt würde. "Man hat schon für weniger schwere Fälle Bürgerrechtler zu 10 Jahren Haft verurteilt", erinnert sich Pleiter. Wie inkonsequent Wans Verhaftung ist, legt Anindya Chadtergee, Associate Direktor der Asien-Abteilung des UN Aids Programms, dar: "Einerseits zeigt China eine Reaktion auf das Aids Problem, andererseits verhaftet man Wan Yanhai. Das könnte sich negativ auf die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft auswirken, China zu helfen", befürchtet Chadtergee.

Unwissenheit fördert Ansteckung

Wan Yanhais Verhaftung dürfte sich vor allem im Inland auswirken. Seine Aids Organisation Aizhi versucht in China mehr Bewußtsein für die Krankheit zu wecken. "Die Arbeit der Zivilgesellschaft - die Arbeit von Wan Yanhai ist extrem wichtig", so Chadtergee. In einem Bericht bestätigt die UN: Der größte Teil der Bevölkerung weiß erschreckend wenig über das Ausmaß der Krankheit und über ihre Ansteckungsgefahr.

Deshalb werde die Krankheit noch auf allen möglichen Wegen übertragen: durch Drogenkonsum, unhygienische Verhältnisse bei Bluttransfusionen und beim Geschlechtsverkehr. "Im asiatischen Vergleich ist nicht nur die Anzahl der Aidskranken in Asien beunruhigend, sondern vor allem der steile Anstieg der Anzahl von Neuinfizierten." sagt Chadtergee. Der Zuwachs liege allein im letzten halben Jahr bei 65 Prozent.

Epidemie droht

Bis zum Ende der Dekade könnten sich nach Angaben des Leiters des chinesischen Gesundheitsministerium Qi Xiaoqui zehn Millionen Menschen mit dem HIV Virus infiziert haben. Chadtergee kritisiert in diesem Zusammenhang: Es reicht nicht, dass das Gesundheitsministerium Aids als Problem erkennt. Diese Krankheit muss man auf allen Ebenen bekämpfen. Das Justizministerium, das Bildungsministerium, alle müssen anerkennen, dass Aids ein Problem ist. Die höchste Ebene der Politik muss Aids als Problem sehen", fordert der UN-Mitarbeiter.

Die chinesische Regierung gibt sich zögerlich bei der Aids-Bekämpfung. Immerhin: Nach der Katastrophe von Henan, versprach man, Blutspendezentren besser zu kontrollieren. Und im ketzten Jahr fand in Peking erstmals eine Konferenz zu dem Thema statt. Doch die Zeit drängt. China mit seinen großen Gegensätzen zwischen Stadt und Land und der fehlenden Aufklärung drohe eine gewaltige Epidemie, warnt Chadtergee. Wenn man hingegen Aids in Ländern wie China und Indien kontrollieren könne, hätte man bereits eine Hälfte der Weltbevölkerung gerettet.

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