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Aktuell Asien

Staatsbegräbnis für Lee Kuan Yew in Singapur

Nach einer Woche der Trauer wird Singapurs Staatsgründer, Lee Kuan Yew, in einer großen Zeremonie beigesetzt. Trotz heftigen Regens säumen Tausende Menschen den 15 Kilometer langen Prozessionsweg.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und zahlreicher internationaler Staatsgäste haben in Singapur die Beerdigungsfeierlichkeiten für den ehemaligen Regierungschef Lee Kuan Yew begonnen. Ex-US-Präsident Bill Clinton erweist dem ersten Premierminister des asiatischen Stadtstaates ebenso die letzte Ehre, wie Australiens Premierminister Tony Abbott, Indonesiens Präsident Joko Widodo und der Premierminister Indiens, Narendra Modi. Insgesamt sind Vertreter aus mehr als zwanzig anderer Staaten angereist.

15 Kilometer lange Prozessionsstrecke

Besonders aber wird der Tod Lee Kuan Yew von Singapurs Bevölkerung betrauert. 450.000 Menschen hatten während der einwöchigen Trauerzeit persönlich Abschied von dem ehemaligen Politiker genommen. Und schon seit dem Morgengrauen säumten Tausende die Straßen, an denen Lees dunkler Holzsarg, eingehüllt in die rot-weiße Staatsflagge, in einem offenen Landrover vom Parlament bis zu seiner letzten Ruhestätte gefahren wird - dabei beginnt die Zeremonie erst am frühen Nachmittag (Ortszeit).

21 Kanonenschüsse und Kampfflieger

Höhepunkt der Begräbniszeremonie sind 21 Kanonenschüsse, die laut Protokoll eigentlich nur für amtierende Politiker vorgesehen sind. Auch eine Formation aus Kampfflugzeugen wird Lee die letzte Ehre erweisen. Vor der Beisetzung werden nicht nur die Kirchenglocken läuten, auch die Sirenen des Inselstaates machen auf die landesweite Schweigeminute vor dem Herablassen von Lees Sarg aufmerksam.

Lee Kuan Yew war Anfang Februar mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen und wurde zuletzt künstlich beatmet. Am 22. März hatte das Büro seines Sohnes, des amtierenden Ministerpräsidenten Lee Hsien Loong, mitgeteilt, der Staatsgründer Singapurs sei "friedlich" eingeschlafen.

Asiatische Erfolgsgeschichte

Lee hatte den asiatischen Stadtstaat, der bis 1959 britische Kolonie gewesen war, in die Unabhängigkeit geführt. In seiner knapp mehr als drei Jahrzehnte währenden Regierungszeit wandelte sich der Singapur von einer verschlafenen Hafenstadt in eine moderne Handelsmetropole. Heute gehört der Stadtstaat zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit.

Tausende Menschen warten an einer Straße (Foto: rtr)

Große Anteilnahme: Tausende warten seit den Morgenstunden an der Prozessionsstrecke

Für seine Wirtschaftspolitik, die Singapur zum Erfolgsmodell für die Region machte, erhielt Lee noch 2009 bei einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Washington höchstes Lob: "Dies ist eine der legendärsten Gestalten Asiens im 20. und 21. Jahrhundert", stellte Obama seinerzeit seinen Gast vor.

Drakonische Strafen

Wegen seines autokratischen Regierungsstils wurde Lee auch scharf kritisiert. Ihm wurde vorgeworfen, die Singapurer etwa durch das Verbot von Kaugummis, des Spuckens in der Öffentlichkeit und sogar von Eheschließungen zwischen den Ethnien zu stark zu bevormunden. Auch gegen oppositionelle Kräfte im Stadtstaat ging der bekennende Macchiavelli-Verehrer rabiat vor.

1990 trat Lee als Regierungschef zurück, er diente aber noch zwei Jahrzehnte lang als Berater in der Regierung seiner beiden Nachfolger.

cw/cr (afpe, ape)