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Aktuell Europa

Staatsanwalt: Nizza-Attentäter hatte fünf Komplizen

Lange sah es so aus, als ob der Lastwagen-Terrorist von Nizza ein Einzeltäter war. Nun sind die Ermittler überzeugt, dass der Tunesier doch Helfer hatte. Zudem soll er die Attacke über Monate geplant haben.

Polizisten und Forensiker suchen am zerschossenen Lastwagen in Nizza nach Spuren (Foto: Reuters)

Polizisten und Forensiker suchen am zerschossenen Lastwagen nach Spuren

Der Terroranschlag am französischen Nationalfeiertag auf der Promenade von Nizza ist nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden über Monate hinweg geplant worden. Der 31-jährige Attentäter habe logistische Unterstützung durch die vier Männer und eine Frau erhalten, die derzeit in Polizeigewahrsam seien, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins. Die fünf Verdächtigen seien an den Vorbereitungen beteiligt gewesen.

Staatsanwalt Francois Molins (Foto: dpa)

Staatsanwalt Francois Molins

Die Behörde eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und Mitwirkung in einer terroristischen Vereinigung. Zudem wurde Untersuchungshaft für die fünf Verdächtigen angeordnet worden. Bislang war nur die Rede davon gewesen, dass Bouhlel die Attacke über mehrere Tage vorbereitet habe. Bei dem Quintett handelt es sich laut Molins um zwei Franko-Tunesier, einen Tunesier und einen Albaner. Die einzige Frau habe die französische und albanische Staatsbürgerschaft. Der Attentäter war Tunesier und hatte seit Jahren in Nizza gelebt.

Zwei von ihnen waren nach Erkenntnissen der Ermittler in den Tagen vor dem Anschlag mit dem Attentäter in dem gemieteten 19-Tonnen-Lastwagen. Mit diesem raste Mohamed Lahouaiej Bouhlel am 14. Juli in eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza und tötete 84 Menschen, bevor die Polizei ihn erschoss. Einer der Verdächtigen habe zudem den Tatort einen Tag nach dem Attentat gefilmt, berichtete Molins. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beanspruchte den Anschlag für sich.

Verräterische Handy-Daten

Der der Anti-Terror-Staatsanwalt stützt sich bei den neuen Erkenntnissen auf die Auswertung von Kommunikationsdaten und Fotos. So wurden auf einem Handy Bouhlels Bilder von zwei Feuerwerken und einem Konzert auf der Strandpromenade von Nizza im Sommer 2015 gefunden, der Fokus lag dabei jeweils auf der Menschenmenge. Er hatte auch einen Zeitungsartikel gespeichert, in dem es um einen Mann ging, der mit einem Fahrzeug auf eine Restaurant-Terrasse raste.

Eine Woche nach dem blutigen Anschlag verlängerte Frankreich den Ausnahmezustand bis Anfang 2017. Nationalversammlung und Senat stimmten mit großer Mehrheit dafür, die Sonderrechte der Behörden weitere sechs Monate in Kraft zu lassen. Bürgerrechtsorganisationen sehen die Sonderrechte kritisch und bezweifeln ihre Wirksamkeit.

Gab es Sicherheitslücken?

Angesichts anhaltender Kritik wegen angeblich unzureichender Sicherheitsvorkehrungen am Abend des Anschlags ordnete Innenminister Bernard Cazeneuve eine interne Untersuchung an. Die Generalinspektion der nationalen Polizei soll nun für Aufklärung sorgen und kommende Woche einen Bericht vorlegen. Cazeneuve betonte, es gehe um "Transparenz und Wahrheit".

Video ansehen 04:15

Frankreich: verheerender Anschlag (20.07.2016)

Oppositionspolitiker hatten mehrfach die Angaben der Regierung über die Zahl der eingesetzten Polizisten angezweifelt. Der Präfekt von Nizza, Adolphe Colrat, sprach von einer "ungerechten und verletzenden Polemik". Auch über die Verantwortung für das Sicherheitskonzept wird gestritten - nach Medienberichten war etwa mangels Personal auf Kontrollen der Besucher verzichtet worden.

kle/sc/ml (afp, dpa, rtr, ape, tagesschau.de)

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