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Wirtschaft

Staatlicher Notkredit für Quelle bewilligt

Der ums Überleben kämpfende Versandhandelsriese Quelle scheint vorerst gerettet. Das Unternehmen bekommt den dringend benötigten Millionenkredit - nach einer emotionalen Achterbahnfahrt für die Beschäftigten.

Quelle-Aufkleber auf Paket (Foto: AP)

Der insolvente Versandhändler erhält vom Bund und den beiden Bundesländern mit Quelle-Standorten - Bayern und Sachsen - einen sogenannten Massekredit über 50 Millionen Euro. Darauf verständigte sich eine hochrangige Runde aus Vertretern von Bund und Ländern am Montagabend (29.06.2009) in Berlin.

Neue Hoffnung

Somit können die rund 8000 Beschäftigten des fränkischen Unternehmens vorerst aufatmen. Mit dem Kredit soll Quelle seinen Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten können. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Millionen Euro. Die anderen 25 Millionen Euro kommen vom Bund und werden über die Staatsbank KfW ausgezahlt. Auch die EU-Kommission genehmigte den Massekredit. Dieser soll bis zum 31. Dezember 2009 laufen.

Bei einem Massekredit wird der Kreditgeber vorrangig aus der Insolvenzmasse bedient. Quelle konnte zuletzt seine Lieferanten nicht mehr bezahlen und ist bereits seit Wochen darauf angewiesen, dass die Lieferanten im Vertrauen auf Staatshilfen in Vorleistung gehen. Quelle braucht das Darlehen auch, um den Druck seines neuen Katalogs zu bezahlen. Die Konten des Versandhändlers sind leer, nachdem seine Gelder am Tag vor dem Insolvenzantrag des Mutterkonzerns Arcandor auf dessen Konten flossen.

Faire Chance

Horst Seehofer (Foto: AP)

Horst Seehofer hofft, dass das Fürther Unternehmen überlebt

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Zustimmung des Bundes zur Soforthilfe. Damit bekomme Quelle "in schwieriger Lage endlich eine faire Chance". Die nächsten Wochen und Monate müssten nun allerdings konsequent genutzt werden, erklärte der CSU-Politiker. Quelle habe noch einen schwierigen Weg vor sich.

Auch Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers sprach von einer "fairen Chance". Und er versicherte: "Wir werden alles tun, was im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens in unserer Macht steht, um diese jetzt eröffnete Chance zu nutzen und das Quelle-Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln."

Zukunft ungewiss

Gerettet ist Quelle jedenfalls noch lange nicht. Durch den Kredit bekommt das Unternehmen nur eine Atempause, um Überlebenschancen auszuloten, einen Investor an Land zu ziehen und einen Neuanfang zu versuchen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg schlug daher eher leise Töne an. "Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren", sagte Görg. Dies sei kein "Selbstgänger".

Emotionale Achterbahnfahrt

Quelle-Kataloge (Foto: AP)

Druckerei wartet noch auf Geld: Der Quelle-Katalog

Die Entscheidung des Bundes über Staatshilfen für Quelle hatte sich in den vergangenen Tagen zur Hängepartie entwickelt. Bereits Mitte vergangener Woche schien die Finanzspritze in trockenen Tüchern. Vollmundig verkündete die bayerische Landesregierung, der vom Bund und von den Bundesländern Sachsen und Bayern getragene Kredit sei bewilligt. Berlin sah das damals aber nicht so: Quelle müsse den Antrag überarbeiten, die Sicherheiten reichten nicht aus. Die Mitarbeiter mussten schließlich bis Montagabend 22:09 Uhr weiter zittern - genau zu diesem Zeitpunkt kam die "frohe Botschaft" dann doch noch. (wa/SC/afp/dpa/ap)