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Kultur

Staatlich geprüfte Islamlehrer

In Deutschland leben 3,2 Millionen Muslime. Trotzdem gibt es noch immer keinen einheitlichen Islam-Unterricht an deutschen Schulen. Das soll sich jetzt ändern: Die Universität Münster will Islamlehrer ausbilden.

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Muhammad Sven Kalisch: Lehrer für Islamlehrer

Mit der gesetzlich verankerten Religionsfreiheit in Deutschland haben Muslime ein Recht auf Islamunterricht. Bisher war dieser Unterricht aber häufig auf Koranschulen mit zum Teil zweifelhafter Ausrichtung konzentriert. Die Forderung nach Islamunterricht an deutschen Schulen scheiterte in der Vergangenheit meist daran, dass es kein geeignetes Lehrpersonal gab.

Beitrag zur Integration

Das "Centrum für Religiöse Studien" an der Universität Münster beginnt deshalb jetzt mit der Ausbildung von Islamlehrern. Der Lehrstuhl für Religion des Islam wurde mit Professor Muhammad Sven Kalisch besetzt, einem Hamburger Islamwissenschaftler, der bereits im Alter von 15 zum Islam übergetreten ist - und der sich vorgenommen hat, mit der Ausbildung von Islamlehrern einen Beitrag zur Integration seiner Glaubensgefährten zu leisten.

Prof. Muhammad Sven Kalisch, Ausbildung zum Islamlehrer

Prof. Muhammad Sven Kalisch

Für Kalisch fängt das schon bei der Unterrichtssprache an. "Für uns ist es ganz wichtig, dass der Unterricht auf Deutsch erteilt wird", sagt Kalisch. Er habe zwar nichts gegen

muttersprachlichen Unterricht, "aber wenn wir möchten, dass der Islam ein Teil der bundesrepublikanischen Gesellschaft wird, dann müssen Muslime lernen, ihre Religion in deutscher Sprache zu lernen, so dass sie sich selbst auch in dieser Umgebung darstellen können und

einpassen können." Außerdem sei es ihm und seinen Kollegen wichtig, wissenschaftlich muslimische Religionslehrer auszubilden, um extremistischen Tendenzen

entgegenzuwirken.

Vorurteile abbauen

Betende Muslime in Kreuzberg

Muslime beten in der " Mevlana-Moschee" im Berliner Stadtteil Kreuzberg

Kalisch kann noch nicht einschätzen, wie viele künftige

Islamlehrer in sein Centrum kommen werden. Unbestreitbar gibt es aber einen großen Bedarf an geeigneten Lehrern. Rund 800.000 muslimische Schüler besuchen deutsche Schulen. All diesen Schülern ausreichendes Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen, dürfte einige Zeit dauern. Erst müssen dafür wohl auch einige Vorurteile überwunden werden - auf beiden Seiten: Auf der deutschen Seite, wo man Islam und Terrorismus immer noch allzu oft leichtfertig miteinander in Verbindung bringt, aber auch auf der muslimischen Seite, wo man staatliche Versuche, sich mit dem Thema Islam zu beschäftigen, oft argwöhnisch betrachtet.

Das Centrum hat deswegen einen Beirat gegründet, in dem Vertreter der verschiedenen muslimischen Verbände in Deutschland sitzen und mit denen man eng zusammenarbeiten will. Die Unterstützung von staatlicher Seite war für das Projekt sowieso unerlässlich.

Nicht jeder wird zugelassen

Eine Grundvoraussetzung für das Studium zum Islamlehrer sei natürlich die Treue zum Grundgesetz, sagt Kalisch. Das betont er mehrmals, obwohl das eigentlich selbstverständlich sei, wie er sagt. Aber angesichts der gegenseitigen Verdächtigungen heute müsse man das einfach immer wieder offen sagen.

Die Kurse für Islamlehrer beginnen mit dem nächsten Wintersemester 2005/2006. Fachliche Bedingung für die Zulassung ist die Qualifizierung als Lehrer oder ein Studiengang mit diesem Ziel. Außerdem muss der oder die Studierende selbst muslimischen Glaubens sein.

Unterricht im Klassenzimmer Schüler

Schulunterricht

Ungeklärt ist bisher, wie der Unterricht später an den Schulen organisiert werden soll. Das müssen dann die Kultusministerien der jeweiligen Bundesländer und die muslimischen Verbände miteinander aushandeln.

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