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Afrika

Staatlich geplanter Brain-Drain: Uganda schickt Ärzte in die Karibik

Ugandas Regierung will hunderte Ärzte und Krankenpfleger nach Trinidad und Tobago schicken. Doch dem ostafrikanischen Land mangelt es selbst an medizinischen Fachkräften. Kritiker verklagen deswegen die Regierung.

Ugandas Regierung steht massiv in der Kritik: In den nächsten Monaten sollen im Rahmen eines bilateralen Abkommens mehr als 200 Ärzte und Krankenpfleger in die Karibik, nach Trinidad und Tobago, geschickt werden, um das dortige Gesundheitssystem zu stärken. "Wir freuen uns, der Anfrage der Regierung von Trinidad und Tobago nachkommen zu können. Das ugandische Gesundheitsministerium sichert zu, dass medizinische Fachkräfte problemlos das Land verlassen können, ohne Leben von Ugandern zu gefährden", sagt Fred Opolot, Sprecher des ugandischen Außenministeriums. Ugandische Minister und Regierungsvertreter aus Trinidad und Tobago würden gemeinsam die Ärzte und Krankenpfleger auswählen.

Den karibische Inselstaat und Uganda verbinde eine langjährige, enge Beziehung, von der beide Seiten profitierten, so Opolot. Von besonderer Bedeutung sei die Entdeckung von Öl in Uganda gewesen. Trinidad und Tobago habe das Land dabei unterstützt, ugandische Fachkräfte im Ölsektor auszubilden.

Justinian Kateera Foto: Justinian Kateera

Justinian Kateera vom IPPR

Das Institute of Public Policy Research (IPPR), ein ugandischer Thinktank, ist ein klarer Gegner des Vorhabens. Die Organisation hat die Regierung deswegen sogar verklagt. "Den Gesundheitssektor von Trinidad und Tobago zu stärken mit dem Wissen, dass der ugandischen Bevölkerung damit enorme Schaden zugefügt wird, ist irrational und verfassungswidrig. Was ist mit unserem Recht auf Gesundheit?", empört sich der Geschäftsführer des IPPR, Justinian Kateera, im Interview mit der DW. Für das Institut ist die Abwanderung von afrikanischen Fachkräften ins Ausland, der sogenannte

Brain-Drain

, die Ursache für zahlreiche Probleme auf dem Kontinent. Die Ebola-Krise habe gezeigt, wie wichtig es sei, das Gesundheitswesen in Afrika zu stärken, so Kateera.

Überlastet und unterfinanziert

Die Wut von Kateera über den Plan scheint berechtigt bei einem Blick auf Statistiken: Trinidad und Tobago hat etwa zehnmal so viele Ärzte wie der ostafrikanische Staat. Ugandische Krankenhäuser seien völlig überlastet, klagt Kateera. In Uganda gebe es einen Arzt für 25.000 Menschen. "Die Empfehlung der Weltbank ist ein Arzt auf 1000 Menschen", sagt er.
Vincent Oketcho Okoth ist Landesdirektor von IntraHealth International. Die Organisation hat zum Ziel das Gesundheitswesen in Entwicklungsländern zu verbessern. Oketcho spricht von "inakzeptablen Zuständen": In Uganda sterbe jedes zweite Kind vor seinem zweiten Geburtstag. Zudem hätten nur 40 Prozent der Frauen bei der Geburt professionelle medizinische Unterstützung.

Krankenhaus in Uganda Foto: ISAAC KASAMANI/AFP/Getty ImagesISAAC KASAMANI/AFP/Getty Images

Viele Krankenhäuser in Uganda sind überlastet

Das zentrale Problem sei, dass der Gesundheitssektor unterfinanziert und unterbesetzt sei, so Oketcho. Nur knapp 70 Prozent der Stellen seien besetzt. "Hinzukommt, dass viele medizinische Fachkräfte der Arbeit oft fern bleiben, weil das geringe Einkommen sie zu einer Doppelbeschäftigung zwingt."

"Wir werden als ganzes Land profitieren"

Den Missmut über das geplante Vorhaben kann die ugandische Regierung nicht verstehen, die Gewinne seien gewaltig. "Wir werden als ganzes Land davon profitieren. Die Ärzte und Krankenpfleger werden im Ausland neue Kompetenzen erlernen, die allen Ugandern zugute kommen", so Ministeriumssprecher Opolot. Im Dreijahresrhythmus sollen ugandische Arbeitskräfte in Trinidad und Tobago ausgewechselt werden.

"Es wird zu keinen Lücken in Krankenhäusern kommen. Wir haben als Land mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen, zahlreiche Ärzte und Krankenschwestern suchen einen Job. Es ist deshalb unangebracht, die Regierung dafür anzuklagen, dass sie Bürgern Arbeitsplätze im Ausland ermöglicht", erklärt Opolot im DW-Interview.

Paradies Ausland

Bewerber für das Jobangebot in Trinidad und Tobago gibt es nach Aussagen des Regierungssprechers genug. Nicht verwunderlich: Ärzte und Krankenpfleger müssten in Uganda unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten und seien dazu noch schlecht bezahlt, berichtet Kateera vom Institute of Public Policy Research. "Das Einkommen beträgt zwischen 450 und 600 Euro im Monat. In Europa oder den USA können sie etwa das Fünffache verdienen." 70 Prozent der Ärzte würden Afrika verlassen, so Kateera. "In London gibt es mehr liberische Ärzte als in ganz Liberia", beklagt er sich. Für das Institute of Public Policy Research ist es entscheidend, dass der Lohn der Ärzte und Krankenpfleger erhöht wird. "Ihre Arbeit muss endlich wieder stärker wertgeschätzt werden, vielleicht würden dann weniger Ärzte auswandern", sagt Institutschef Kateera.

Trinidad und Tobago

Trinidad und Tobago ist vor allem als Urlaubsparadies bekannt

Kateera hofft nun, mit seiner Klage gegen die Regierung verhindern zu können, dass hunderte Ärzte und Krankenpfleger Uganda in Richtung Karibik verlassen. Vergangenen Montag (02.03.2015) sollte eine erste Entscheidung darüber getroffen werden, ob die ugandische Regierung per einstweiliger Verfügung gezwungen wird, ihre Rekrutierung bis zur endgültigen Urteilsverkündung einzustellen. Für das Institute of Public Policy Research ist dies eine elementare Entscheidung, denn wenn die Ärzte einmal weg sind, ist eine Umkehrung schwierig. Bisher wurde der Beschluss des Hohen Gerichts auf unbestimmte Zeit vertagt. Kateera rechnet in der kommenden Woche mit einer Entscheidung.

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