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Wirtschaft

Stützung für den Rubel zeigt kaum Wirkung

Russlands Regierung stemmt sich gegen den Rubelverfall. Das Finanzministerium begann damit, Devisenreserven zu verkaufen. Doch auch das verpufft.

"Wir verkaufen so viel wie nötig ist", sagte ein Behördensprecher am Mittwoch der Agentur Interfax in Moskau. Demnach beträgt der Umfang der Devisenreserven, die für diesen Zweck verwendet werden können, sieben Milliarden US-Dollar. Der Rubel sei stark unterbewertet, sagte der Sprecher.

Der angekündigte Verkauf von Devisenreserven hat dem Rubel allerdings nur kurz Auftrieb verliehen. Der Dollar verlor in der Spitze knapp neun Prozent auf 62,35 Rubel und war damit so billig wie seit zweieinhalb Wochen nicht mehr. Die Erholung war jedoch nicht von Dauer - am späten Vormittag notierte der Dollar kaum verändert bei 68,34 Rubel. Am Dienstag hatte der Greenback zeitweise ein Rekordhoch von knapp 80 Rubel markiert.

Die russische Währung ist seit Monaten unter Druck, weil die Wirtschaft des Landes unter dem anhaltenden Ölpreisverfall wie auch unter den westlichen Sanktionen infolge der Ukraine-Krise leidet. Seit Jahresbeginn hat der Rubel rund 50 Prozent an Wert verloren. Die Zentralbank hatte Dienstagnacht versucht, die Abwertung mit einer drastischen Erhöhung der Leitzinsen von 10,5 auf 17 Prozent zu stoppen.

Apple macht dicht

Der US-Hightech-Konzern Apple hat wegen des drastischen Wertverlustes des Rubels in Russland den Online-Verkauf seiner iPhones und iPads gestoppt. "Unser Online-Shop in Russland ist derzeit nicht verfügbar und wir überarbeiten die Preise", sagte Apple-Sprecher Alan Hely der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Zuvor hatte Apple bereits die Preise in Russland etwa für sein iPhone 6 um 25 Prozent angehoben.

Der Verfall des Rubels hat nach Einschätzung des Russlandbeauftragten der Bundesregierung zu Nervosität in Moskau geführt. "Alle merken, dass die Maßnahmen, die man bisher ergriffen hat, also zum Beispiel die Veränderung des Leitzinses, keine nachhaltige Wirkung auf den Rubelkurs haben", sagte Gernot Erler am Mittwoch dem Inforadio des RBB. "Man merkt in Moskau im Augenblick eine gewisse Nervosität." Hauptgrund für die Misere seien aber nicht die Sanktionen des Westens. Hauptanteil daran habe der Verfall des Ölpreises, sagte Erler. Eine Staatspleite Russlands ist nach Erlers Einschätzung aber keine unmittelbare Gefahr: "Davon sind wir noch weit entfernt, weil Russland erhebliche Devisenreserven hat."

Ausfuhren nach Russland eingebrochen

Die deutschen Exporte Richtung Russland sind nach Brancheneinschätzungen in diesem Jahr um 20 Prozent zurückgegangen. Deutsche Firmen litten unter der "dramatisch sinkenden Kaufkraft" der Russen, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch. Für das kommende Jahr trübten sich die Aussichten weiter ein und Investitionen gingen zurück. "Deutsche Autofabriken sind bereits seit einigen Wochen auf Kurzarbeit geschaltet oder entlassen Mitarbeiter", sagte Treier.

Seinen Angaben zufolge steigen derzeit noch die Umsätze bei Konsum- und Verbrauchsgütern, weil russische Bürger Geld ausgeben, bevor es weiter an Wert verliert. "Diese Entwicklung wird jedoch befristet sein, bis Ersparnisse aufgebraucht sind", sagte Treier voraus. Die Schwäche des Rubels beeinträchtige auch deutsche Firmen, weil ihre Erlöse in Euro umgerechnet nur noch die Hälfte dessen wert seien, was sie vor einem Jahr einbrachten.

wen/hb (dpa, rtr, afp, ots)

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