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Politik

Stürzt Berlusconi über Sexaffären?

Amtsmissbrauch und Sex mit einer Minderjährigen: Italiens Regierungschef Berlusconi soll sich nun doch vor Gericht verantworten. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beantragte ein Schnellverfahren.

Berlusconi, seine Krawatte korrigierend (Archívfoto: dpa)

Nach einer jahrelangen Serie von Sexaffären droht jetzt wirklich ein Prozess gegen Berlusconi

Peinliche Details seiner Partys waren seit Monaten Thema in sämtlichen italienischen Medien und hatten für Proteste auf den Straßen bis vor seine Privatdomizile geführt: Nach dem gewohnten Gerangel mit den Justizbehörden könnte ein Mailänder Gericht nun doch einen Prozess gegen Ministerpräsident Silvio Berlusconi einleiten.

Demonstranten mit Plaket gegen Berlusconi (Foto: dpa)

"Italien ist kein Bordell" - immer neue Proteste gegen Berlusconi

Die Mailänder Staatsanwaltschaft will den 74jährigen Regierungschef wegen Begünstigung von Prostitution mit Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs in einem Schnellverfahren anklagen. Das gab die Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch (09.02.2011) bekannt. Die zuständige Richterin hat nun etwa fünf Tage Zeit, um über den Antrag zu entscheiden. Bei Annahme könnte Berlusconi innerhalb weniger Monate der Prozess gemacht werden. Im Falle einer Verurteilung drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Bislang Deckung vom Parlament

Der Ministerpräsident, der nach dem Zerfall seines Regierungsbündnisses im Parlament nur noch über eine hauchdünne Mehrheit verfügt, bestreitet die Vorwürfe. Seine Anwälte halten den Vorstoß der Justiz für "verfassungswidrig", weil die Staatsanwälte überhaupt nicht zuständig seien. Das Parlament hatte bereits Durchsuchungen bei dem "Kassenwart" Berlusconis abgelehnt.

Die Staatsanwaltschaft könnte nun sofort Anklage erheben, wenn sie glaubt, ausreichend Beweismaterial zu besitzen. Das sonst übliche Vorverfahren entfällt dann.

Bei Privat-Partys für Sex bezahlt ?

Escort-Girl Ruby (Foto:dpa)

Anlass der jüngsten Verstrickungen Berlusconis: Minderjähriges marokkanisches Escort-Girl "Ruby"

Die Ankläger werfen Berlusconi vor, bei Partys in seiner Mailänder Villa Arcore Frauen für Sex bezahlt zu haben, darunter auch die damals 17-jährige marokkanische Nachtklubtänzerin Karima El Mahroug, genannt "Ruby". Der Regierungschef wird außerdem beschuldigt, die Polizei unzulässig unter Druck gesetzt zu haben, die wegen Diebstahls festgenommene Tänzerin auf freien Fuß zu setzen. Berlusconi hat eingeräumt, in besagter Nacht bei einem hochrangigen Beamten angerufen zu haben, um das Mädchen freizubekommen.

Nach einer Vielzahl zunächst abgewehrter Verfahren um Korruption und Steuervergehen könnte Berlusconi nun vor einer entscheidenden Konfrontation mit den Justizbehörden stehen und über die Sexskandale zu Fall kommen. Er hat die neuen Vorwürfe vehement als politisch motiviert zurückgewiesen. Er habe nie für Sex bezahlt. Darauf legt er nach wie vor besonderen Wert.

Autor: Siegfried Scheithauer (rtr,dapd,afp)
Redaktion: Reinhard Kleber

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