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Stürmische Zeiten

Niemand gerät gerne in einen. Bestimmte Weltregionen sucht er jährlich heim: der Sturm. Stürmische Zeiten können für den einen oder anderen anbrechen. Einer ganzen Literatengeneration gab der Sturm seinen Namen.

Meteorologen sind in der Regel in stürmischen Zeiten ganz besonders gefragte Leute. Werden nach sintflutartigen Regenfällen neue Niederschläge erwartet, werden die Pegel der Flüsse weiter steigen, wird es möglicherweise gar eine Sturmflut geben?

Verheerende Wirbelstürme

NASA-Foto des Wirbelsturms Katrina wie er sich auf die US-Küste zubewegt

Mit Wucht näherte sich Hurrikan "Katrina" der US-Küste

Früher wussten das die Fachleute, die sich berufsmäßig mit Wind und Wetter beschäftigten, oft nicht so genau. Heutzutage sind die Wetterprognosen ziemlich zuverlässig. Aber gegen die Allmacht der Natur können auch die Fachleute nichts ausrichten. Eins ist sicher: Wenn zum Regen noch der Wind oder der Sturm kommt, dann sieht 's böse aus.

Wem sind nicht die verheerenden Wirbelstürme, die Hurrikans oder Zyklone, in Erinnerung – ob sie "Mitch", "Fifi", "Ike", "Wilma" oder "Katrina" heißen. Oft hunderttausende Menschen werden bei solchen Stürmen obdachlos, Tausende bis Zehntausende kommen durch ihre Folgen ums Leben. Die bislang meisten Todesopfer wurden beim Großen Hurrikan verzeichnet, der im Oktober 1780 über die Karibik hinwegfegte. Damals starben rund 22.000 Menschen.

Stürmische Wortgewalt

Ein Schiff in einem Sturm auf peitschenden Wellen

Peitschende Wellen, raue See

Sturm: die gewaltige Erscheinungsform von Wind birgt immer Gefahr, bringt Zerstörung, löst Katastrophen aus. Wie ein böser Riese treibt er sein Unwesen. Die Sprache behandelt ihn wie ein lebendiges Wesen. Er heult, er entwurzelt Bäume, er fegt über das Land. Der Sturm peitscht die Wellen, treibt die Wogen vor sich her und wehe dies geschieht in Richtung auf die Küste. Dann kommt es zu einer Sturmflut.

Der Sturm pfeift ums Haus, deckt Dächer ab, knickt Hochspannungsmasten wie mit einer Riesenfaust. Wenn der Wind Sturmstärke zu erreichen droht, dann wird Sturmwarnung gegeben. Der bildhafte Ausdruck Sturmläuten für heftig an der Wohnungstür klingeln, ist ganz wörtlich zu verstehen. Als Alarmsignal läutet man heute noch in manchen Gegenden die Sturmglocke.

Sturmwarnung

Menschentrauben in einem Kaufhaus und auf Rolltreppen

Gibt es etwas umsonst?

Sturmwarnung an der See wird bei einer Windstärke zwischen 6 und 7 gegeben. Ein schwarzer Sturmball wird aufgezogen – ein Zeichen, den nächsten Hafen anzulaufen und vor dem Ansturm von Wind und Wellen Schutz zu suchen.

Vor einem Ansturm der Kunden retten müssen sich oft auch Mitarbeiter von großen Kaufhäusern, wenn es Sonderangebote gibt. Dann wird gedrängelt und geschubst, um eines der Super-Schnäppchen zu bekommen.

Stürmische Gefühle

Symbolbild: Ein Paar vor einen Wirbelsturm

Ein wahrer Sturm der Gefühle

Sturm: das bedeutet heftige, stürmische Bewegung, Unruhe, auch Lärm, elementare Gewalt und Zerstörung. Genau diese Bedeutungen hatte schon das uralte Wort Sturm, beziehungsweise storm. Allgemeine Erregung, Kampf, Streit, verbunden mit schneller Bewegung – auch das war Sturm. Diese Bedeutungen haben sich in vielen Redewendungen und Ausdrücken erhalten. Immer noch wird im Sturm erobert, wobei die Eroberung wörtlich und im übertragenen Sinn gemeint sein kann.

Bleiben wir bei der letzteren und hoffen, dass Sie von stürmischer Liebe und Zuneigung getragen ist. Leidenschaftliche Zustimmung kann sich in stürmischem Beifall ausdrücken. Für empörte Ablehnung jedoch hält die Sprache den Sturm der Entrüstung und das Sturmlaufen gegen etwas bereit.

Sturm und Drang

Zeitgenössisches Bild vom deutschen Philosophen und Lyriker Johann Gottfried Herder

Auch er gehörte zu den "Stürmern und Drängern": der Philosoph Herder

Der Sturm als Bild innerer Unruhe, Leidenschaft, Freude, Schmerz und heftiger Liebe gab einer literarischen Bewegung des 18. Jahrhunderts den Namen: der Sturm und Drang-Zeit. Beide Worte waren Lieblingswörter jener Jahre zwischen 1760 und 1785.

Die Schriftsteller der auch Geniezeit genannten Epoche hießen denn auch Stürmer und Dränger. Zu ihnen gehörten auch die großen deutschen Dichter Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller. Als Stürmer und Dränger werden manchmal noch heute – allerdings scherzhaft – schon etwas in die Jahre gekommene Männer bezeichnet, die sich für unwiderstehlich halten.

Sturmfreie Bude

Ein Paar sitzt auf dem Boden zwischen Umzugskartons und hat über die Köpfe Umzugskartons mit einem lachenden Gesicht gestülpt

Endlich eine sturmfreie Bude!

Um dieser Art des Sturms und Drangs freien Lauf lassen zu können, empfiehlt es sich eine sturmfreie Bude zu haben, ohne Kontrolle von außen. Sturmfrei ist ursprünglich ein vom 17. bis weit ins 19. Jahrhundert verwendeter militärischer Begriff. Er bedeutete unangreifbar beziehungsweise uneinnehmbar, nicht zu stürmen.

In der sturmfreien Bude ist man als Student meist sicher vor Vermietern oder vor den gestrengen Augen der Eltern. Man genießt völlige Freiheit und kann sich gegebenenfalls hemmungslos dem Sturm der Gefühle hingeben und hoffen, dass stürmische Zeiten mit Unglück und viel Pech an einem vorbeiziehen. Eine Voraussetzung dafür: Man sollte keinen Sturm im Wasserglas entfachen.

Im Sturmschritt

Denn macht man viel Lärm um Nichts, regt man sich über Dinge auf, die der Aufregung nicht Wert sind, dann kann man davon ausgehen, dass stürmische Zeiten anbrechen und der eine – oder die andere – im Sturmschritt die sturmfreie Bude verlässt. Es sei denn, er oder sie ist sturmerprobt im Umgang mit Stürmen im Wasserglas.



Fragen zum Text

Die Redewendung Das ist die Ruhe vor dem Sturm bedeutet, dass …

1. sich jemand ausruht, bevor ein Sturm aufzieht.

2. etwas Bedrohliches bevorsteht.

3. die Sturmglocken ruhig hängen.

Ein Sturm kann nicht …

1. pfeifen.

2. winseln.

3. heulen.

Am Ende eines Konzertes …

1. gibt es einen Ansturm auf die Kassen.

2. wird stürmisch geklatscht.

3. werden die Zuhörer bestürmt.

Arbeitsauftrag

Bilden Sie Zweiergruppen. Stellen Sie sich eine "stürmische" Situation vor. Bilden Sie Sätze mit obwohl und weil, in denen Sie Gründe für das Verhalten von Personen in dieser von Ihnen gewählten Situation geben. Ein Beispiel: Alexander und seine Freundin streiten sich, weil sie seine Socken falsch zusammengelegt hat. Obwohl er einen Sturm im Wasserglas entfacht hat, verlässt sie im Sturmschritt die Wohnung, weil sie ….


Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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