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Global Ideas

Stürmische Entwicklung – Die Nutzung der Windenergie nimmt weltweit zu

Windkraft ist weltweit auf dem Vormarsch. In 82 Ländern der Erde drehen sich schon Windräder – Tendenz steigend. In Schwellen- und Entwicklungsländern steckt die Nutzung von Windkraft jedoch noch in den Kinderschuhen.

Offshore Windpark vor Samsoe (Foto: European Union, 2010)

Offshore-Windparks sind die neueste Entwicklung in Sachen Windkraft in Europa.

Als im frühen 17. Jahrhundert der Romanheld Don Quijote gegen Windmühlen kämpfte, tat er das, weil er sie für unheilvolle Riesen mit vielen Armen hielt, denen man nicht trauen sollte. Der moderne Mensch weiß das inzwischen besser: Windmühlen kann man nicht nur zum Mahlen von Mehl nutzen, sondern auch zur Erzeugung von beachtlichen Mengen sauberen Stroms. Nach Angaben des World Wind Energy Report wurden 2009 bereits weltweit rund 340 Terrawattstunden (TWh) durch Windenergie erzeugt. So viel Strom verbraucht Italien im Jahr.

Windpark El Totoral in Chile (Foto: DW-TV / Claudia Laszczak)

Sonnenaufgang über dem Windpark El Totoral in Chile, wo in den nächsten Jahren 20 neue Projekte entstehen.

Die meisten Windkraftanlagen stehen seit Beginn der Nutzung von Windenergie in Europa. Hier lag schon früh das nötige Know-how vor und es gab die politische Bereitschaft, in diese saubere Technik zu investieren. Doch der Vorsprung bröckelt. Nur noch 27 Prozent aller neu errichteten Windräder werden in Europa gebaut, in Sachen Windkraft kommen die europäischen Länder nur noch auf Rang 3.

Europa: Der Vorreiter verliert an Vorsprung

Rasant aufgeholt hat vor allem Asien. Der Boom-Kontinent hat inzwischen den ersten Platz erobert. Im letzten Jahr wurden hier ganze 40 Prozent aller neuen Windräder errichtet. Die meisten davon stehen in China. Hier hat sich die Zahl der neuen Anlagen bereits das vierte Jahr in Folge verdoppelt. „Die Regierung hat erkannt, dass Windenergie eine preiswerte, erneuerbare und saubere Energie ist“, erklärt Stefan Gsänger, Generalsekretär der World Wind Energy Association (WWEA). Außerdem lässt sich die Technik gut exportieren. Inzwischen gehört China zu den fünf größten Windkraftanlagen-Herstellern der Welt.

Windanlage in Asien (Foto: Nordex SE, 2010)

Der Windpark Helanshan in der Inneren Mongolei wurde mit deutscher Technik gebaut. Inzwischen fertigt China selbst Windräder.

Neben großen Windparks werden in Asien auch viele Mikro-Anlagen gebaut, gerade in ländlichen Gegenden ohne Stromnetz. Einzelne, kleine Windräder mit einer Leistung von lediglich 1 bis 2 KWh kosten nur etwa 800 bis 1000 Euro pro Stück und können ganze Dörfer mit Strom versorgen, erklärt WWEA-Experte Gsänger. Etwa 400.000 von solchen kleinen Windrädern gibt es bisher. Weil in China noch mehrere Millionen Menschen ohne Strom leben, ließe sich die Zahl in absehbarer Zeit auf mehr als eine Million steigern, schätzt die WWEA.

Grüne Konkurrenz und mangelnde Umsetzung

In Südamerika läuft die Nutzung von Windenergie nur langsam an. „Dies liegt unter anderem daran, dass Lateinamerika bereits einen großen Teil des Strombedarfs aus Wasserkraft deckt und damit über eine vergleichsweise ‚saubere‘ Energiematrix verfügt“, erklärt Trudy Könemund von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Chile. Gerade mal zwei Prozent der weltweit neu gebauten Windkraftanlagen sind hier entstanden.

Ralf Heidenreich, Pressesprecher des Projektentwicklers juwi, sieht vor allem ein Problem bei der Umsetzung. Zwar gebe es eine Menge Potential, „...aber an den Rahmenbedingungen zum Bau neuer Anlagen ist noch einiges zu verbessern.“ Das bestätigt auch Stefan Gsänger. Viele Projekte seien in der Vergangenheit durch Korruption verzögert worden, weil der traditionelle Energiesektor immer wieder dagegen arbeitet. Trotzdem gibt es inzwischen immer mehr Windanlagen in Lateinamerika. 44 sind es in Brasilien, Mexiko hat die Zahl seiner Anlagen im letzten Jahr verfünffacht. Platz drei fällt an Chile. Hier stehen zwar erst sechs Anlagen, 20 weitere sind jedoch in Planung.

Wind-Entwicklungskontinent Afrika

Produktionsanlage für Windräder (Foto: European Union, 2010)

Windräder bestehen aus vielen einzelnen Komponenten. Diese Fabrik in Frankreich fertigt vor allem Türme.

Kaum erschlossen ist Afrika. Hier gibt es bisher so gut wie keine Windkraftanlagen. Auch die Zahl der im letzten Jahr neu gebauten Windräder ist verschwindend gering. Grund dafür ist die schlechte Infrastruktur, erklärt Ralf Heidenreich. „Der Strom muss ja irgendwo eingespeist werden.“ Dieses Problem könnte den Weg frei machen für kleine Windräder, wie es sie auch in Asien gibt, hofft Stefan Gsänger von der WWEA. Allerdings fehle hierfür meist die Technologie und vor allem die Finanzierung.

Ägypten und Marokko sind bisher die Hauptproduzenten von Strom aus Windenergie. In Ägypten gibt es zudem bereits ein Unternehmen, das selbst Windrad-Komponenten fertigt. "Es ist wichtig, dass die Wertschöpfung im eigenen Land stattfindet", erklärt Gsänger. "Dadurch wird der Vorteil der Nutzung von Windkraft gegenüber Öl größer."

Laut WWEA verdoppelt sich die Leistung der weltweit installierten Windräder etwa alle drei Jahre. Eine Entwicklung, die dem tragischen Mittelalter-Helden Don Quijote sicher nicht geschmeckt hätte. Dem modernen Menschen ebnet sie jedoch den Weg in eine Welt ohne fossile Energieträger.

Autorin: Janine Rabe

Redaktion: Klaus Esterluß

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