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Deutschland

"Stätte des Dankes und der Erinnerung"

3100 Soldaten und zivile Mitarbeiter sind seit Gründung der Bundeswehr 1955 in Ausübung ihres Dienstes ums Leben gekommen. An sie erinnert von nun an ein Ehrenmal auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung und Bundespräsident Horst Köhler vor Blumenkränzen bei der Einweihungszeremonie (Foto: AP)

Köhler (r.) und Jung bei der Einweihung des Ehrenmals

Das Denkmal mute den Deutschen zu, "über den Tod nachzudenken und darüber, welchen Preis wir zu zahlen bereit sind für ein Leben in Freiheit und Sicherheit", sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner Ansprache bei der Einweihungszeremonie am Dienstag (08.09.2009). Köhler dankte dem ebenfalls anwesenden Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) für seine Initiative zur Errichtung des Ehrenmals.

Es sei eine "Stätte des Dankes und der Erinnerung an diejenigen, die im Dienst für unser Land ihr Leben gegeben haben" entstanden. Damit handele es sich um eine Stätte der Trauer, so Köhler. "Das Ehrenmal der Bundeswehr treibt keine falsche Heldenverehrung, es dient keinem Opferkult und es verherrlicht keinen Krieg", betonte der Bundespräsident.

Soldaten vor dem Ehrenmal (Foto: AP)

Die Errichtung des Ehrenmals hatte Verteidigungsminister Jung vor vier Jahren initiiert

"Bundeswehr ist Armee im Kampf"

Das Staatsoberhaupt forderte außerdem eine größere Anteilnahme der Öffentlichkeit an den Einsätzen der deutschen Soldaten. Er wünsche sich eine öffentliche Debatte, die von Respekt, Sorge und Anerkennung für die Bundeswehr und ihren Dienst geprägt sei, unterstrich Köhler. Die Bundeswehr sei inzwischen zu einer "Armee im Kampf" geworden, fügte er hinzu.

"Wir trauern um jeden Menschen, der in Afghanistan unschuldig zu Tode kommt", sagte der Bundespräsident auch in Anspielung auf den von einem deutschen Kommandeur angeforderten Luftangriff auf von Taliban gekaperte Tanklastzüge am vergangenen Freitag, bei dem nach jüngsten Angaben der NATO auch Zivilisten getötet wurden. Er sprach sich zugleich gegen voreilige Bewertungen des Vorfalls aus. "So sehr wir erwarten, dass die Ereignisse der vergangenen Woche aufgeklärt werden, so sehr wenden wir uns auch gegen Vorverurteilungen", sagte Köhler.

Verteidigungsminister Jung sagte, das Ehrenmal diene dem Gedenken an die Soldaten, "die für uns gefallen sind". Hinter jedem Namen verberge sich dabei ein persönliches Schicksal. Zugleich rufe das Ehrenmal ins Bewusstsein, "dass wir für die Verteidigung unserer Werte bisweilen einen hohen Preis zahlen müssen".

Sechs Soldaten halten drei Blumenkränze (Foto: AP)

Soldaten legten Blumenkränze zu Ehren ihrer gefallenen Kameraden nieder

Segnung durch Militärbischöfe

Auch die beiden großen christlichen Kirchen werteten das Ehrenmal als "Stätte des Gedenkens und Erinnerns" und als Ort öffentlicher Trauer. Der katholische Militärbischof Walter Mixa aus Augsburg und sein evangelischer Kollege, der lippische Superintendent Martin Dutzmann, segneten bei einer Andacht die Gedenkstätte. Die Bischöfe beteten auch "für alle Opfer von Terror und ungerechter Gewalt".

Der Vater eines getöteten Bundeswehr-Soldaten forderte in seiner Ansprache mehr Wahrheit, Offenheit und Anteilnahme. Angehörige fühlten sich mit ihrer Trauer und ihrem Schmerz sowohl in ihrem Lebensumfeld als auch von Politik und Bundeswehr oft alleingelassen. Die Politiker sollten eine deutlichere Sprache sprechen, wenn es um die Auslandseinsätze gehe, forderte er.

Am Rande der Zeremonie kam es zu Protesten von Kriegsgegnern. Ein Demonstrant wurde nach Zwischenrufen von einer benachbarten Straße aus von Polizisten abgeführt.

Diskussion über den Standort

Architekt Andreas Meck (Foto: dpa)

Der Münchner Architekt Andreas Meck hat die Gedenkstätte geplant

Das von dem Münchner Architekten Andreas Meck gestaltete Denkmal trägt die Inschrift "Den Toten unserer Bundeswehr - für Frieden, Recht und Freiheit".

Über seinen Standort war im Vorfeld lange diskutiert worden. Viele Politiker drängten darauf, die Erinnerungsstätte am Reichstag zu errichten.

Jung entschied sich jedoch für das Gelände des Verteidigungsministeriums im so genannten Bendlerblock. Dort waren nach dem gescheiterten Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 einige der Attentäter hingerichtet worden. (gri/la/afp/dpa/kna)

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