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Wirtschaft

Ständig unter Strom: die Leipziger Energiebörse

Noch vor rund zehn Jahren war es in Deutschland üblich, dass Firmen ausschließlich direkt mit den Stromanbietern die Preise aushandelten. Mit der Liberalisierung im Jahr 2000 haben sich die Märkte geöffnet.

Strommasten unter blauem Himmel (Foto: picture alliance)

Energie kennt keine Grenzen

Der Handel mit Energie ist grenzenlos. Eine Folge: Die Strompreise in Europa gleichen sich immer mehr an. Und so machen nationale Strombörsen kaum noch Sinn. Vor rund sieben Jahren schlossen sich daher die Leipziger und Frankfurter Strombörse zusammen. Aus ihnen wurde die European Energy Exchange (EEX). Seit nunmehr zwei Jahren gibt es zudem eine Kooperation im Stromhandel mit der französischen Energiebörse Powernext. Mit diesem Zusammenschluss erreichte der europäische Stromhandel eine neue Qualität. "Der Spotmarkt, der kurzfristige Handel, wird von Paris aus organisiert", sagt EEX-Pressesprecherin Katrin Berken. "Der langfristige Handel, den machen wir für Frankreich hier in Deutschland mit."

Langfristige Geschäfte sind gefragt

Mitarbeiter der Leipziger Strombörse vor Computern mit Zahlenreihen (Foto: EEX Leipzig)

Der aktuelle Marktpreis kommt aus Leipzig

Der Strompreis für Deutschland kommt aus einem imposanten Hochhaus im Herzen von Leipzig. Im 23. Stock befinden sich die Büros und Handelsräume der Energiebörse. Auf den Computerbildschirmen haben die Marktbeobachter tausende Zahlenreihen im Blick, die den Handel mit Energie wiedergeben. Mehr als 1300 Terawattstunden Strom wurden im vergangenen Jahr über die Handelsplattform European Energy Exchange abgewickelt. Um eine Vorstellung für diese Energiemenge zu bekommen: etwa 280 Millionen vierköpfige Haushalte könnten damit jährlich versorgt werden. Die Käufer und Verkäufer, die in dem Computersystem der Leipziger Energiebörse eingeloggt sind, schließen vor allem Terminmarktgeschäfte ab.

Am Strommarkt gebe es zwei Handelsformen, erläuterte Katrin Berken. Einmal den Spotmarkt und einmal den Terminmarkt. Der Spotmarkt sei der kurzfristige Handel. "Dort werden Strommengen kurzfristig, das heißt einen Tag im Voraus gehandelt." Die Handelsteilnehmer, im Moment sind es 188 Handelsteilnehmer aus 19 Ländern, geben bis Mittag 12 Uhr ihre Gebote, Kauf und Verkauf, elektronisch ab, um 12 Uhr wird der Preis festgesetzt. "Der Spothandel ist der physische Stromhandel, wo am nächsten Tag dann tatsächlich die Strommengen fließen", sagt Berken. Am Terminmarkt sehe es anders aus. Der Terminmarkt sei ein finanzieller Markt. An dem würden Terminkontrakte bis zu sechs Jahre in die Zukunft gehandelt.

Energieversorger, Banken und Broker sind dabei

Zu den zugelassenen Händlern der Energiebörse zählen Kraftwerksbetreiber, Energieversorger, Stadtwerke, Banken und Broker. Sie nutzen den Börsenplatz zum Kaufen und Verkaufen. Für Energieriesen, wie Deutschlands Nummer Zwei RWE, zahlen sich die langfristigen Termingeschäfte aus. Das teilte erst kürzlich RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig mit: Die Stromproduktion für 2009 sei bereits vor Beginn der Krise fast vollständig verkauft worden. Und zwar zu Preisen, die deutlich höher gewesen seien als der aktuelle Marktpreis.

Das Wetter kann sich auf die Preise auswirken

Ostseestrad mit dunklen Wolken (Foto: AP)

Milde Winter drücken die Preise

Die Preise im kurzfristigen Handel für Strom sind sehr volatil. Viele Faktoren, zum Beispiel die Wetterverhältnisse, sowie die Verfügbarkeit von Kraftwerkskapazitäten schlagen sich auf den Preis am Spotmarkt nieder, sagt die Pressesprecherin der European Energy Exchange, Katrin Berken: "Strom ist nicht speicherbar. Das heißt, alles was eingespeist wird, muss auch gleich entnommen werden. Die Netze dürfen nicht überlastet werden und von daher ist es immer ganz aktuell".

Seit September 2008 können am Spotmarkt für Strom auch negative Preise gehandelt werden. Das bedeutet, dass Verkäufer dafür zahlen, dass der Strom abgenommen wird. Gewünscht wurde das von den Marktteilnehmern, da es unter Umständen für den Kraftwerksbetreiber betriebswirtschaftlich günstiger sein kann, negative Preise in Kauf zu nehmen, als das Kraftwerk herunterzufahren

Strombörse versteigert Klimazertifikate

Qualm steigt aus Kraftwerks-Schloten (Foto: AP)

Verschmutzungszertifikate werden künftig in Leipzig versteigert

Der Börsenhandel von Energie ist komplex. Bislang werden schätzungsweise rund 28 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms am Spotmarkt der European Energy Exchange gehandelt. Weitaus höhere Mengen sind im Terminmarkt gebunden. Der Rest wird außerbörslich verkauft. Die Preise allerdings für den gesamten Markt, die richten sich nach dem Referenzpreis, der in Leipzig festgestellt wird. Und um welche Erzeugungsart es sich dabei handelt – ob Windenergie. Kohle, Gas oder Atomstrom – das ist an der Börse nicht zu erkennen. Die European Energy Exchange in Leipzig ist inzwischen die wichtigste kontinentaleuropäische Börse für den Handel von Strom, Gas, und Kohle. Im nächsten Jahr startet dort auch die Versteigerung von Verschmutzungsrechten im Rahmen des Klimaschutzes - im Auftrag der Bundesregierung. Der Handel mit Emissionsrechten ist das wichtigste Instrument innerhalb der Europäischen Union, um den Treibhausgas-Ausstoß zu senken. Bislang wird der Großteil der Rechte noch gratis vom Staat vergeben.

Autor: Monika Lohmüller

Redaktion: Henrik Böhme