1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Globale Zusammenarbeit

Städte rüsten sich für Klimawandel

Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen werden zunehmen, warnen Experten. Weltweit wappnen sich große Städte für zukünftige Klimakatastrophen und für rasant wachsende Einwohnerzahlen.

Es klingt wie eine Szene aus einem Film: Wall Street wegen Hurrikan-Warnung evakuiert. 370.000 Menschen müssen aus Manhattan fliehen. An der New Yorker Börse heißt es ‚Rien ne va plus' - nichts geht mehr. Die internationale Finanzwelt taumelt im Sog des Hurrikans.

Dieses Szenario wurde Ende August 2011 fast Realität, als der Hurrikan "Irene“ auf New York zusteuerte. Die Finanzmetropole hatte sich schon auf die drohende Katastrophe vorbereitet: Die U-Bahn sollte geschlossen und der Strom abgeschaltet werden; die Einwohner Manhattens sollten evakuiert werden. Doch es kam nicht so weit, denn im letzten Moment konnte New Yorks Bürgermeister Michael R. Bloomberg Entwarnung geben.

Mehr extreme Wetter Phänomene

Ein Eisberg schmilzt in Kulusuk Bay, oestliches Groenland

Wenn die Polkappen schmelzen, wird der Meeresspiegel um mehr als zwei Meter steigen, warnen Experten

Auch wenn New York der Katastrophe knapp entkommen ist, müssen sich die meisten Städte in Zukunft auf solche Szenarien vorbereiten. Extreme Wetterphänomene wie Hurrikans, Hochwasser oder Hitzewellen werden immer häufiger auftreten, so die Ergebnisse des sogenannten SREX-Berichts (Special Report on Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation).

Der SREX-Bericht wurde im Rahmen des Weltkongresses "Resilient Cities“ des Internationalen Städteverbandes ICLEI in Bonn vorgestellt. Wie rüsten sich Städte für den Klimawandel? Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Kongresses (12.-15.5.2012), auf dem die Delegierten auch praktische Konzepte und Ideen austauschen.

Wenn jetzt nicht gehandelt würde, sondern weiterhin mit fossilen Energieträgern gewirtschaftet wird, dann rechnen die Experten des Weltklimarats mit einer globalen Erwärmung zwischen vier und sechs Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Eine solche Erwärmung würde nicht nur häufigere und stärkere Hurrikans und Taifune auslösen, sondern auch einen Anstieg des Meeresspiegels mit sich führen.

"Die Polkappen werden schmelzen, ebenso das Inlandseis auf Grönland“, sagt David Cadmann, Präsident des Internationalen Städteverbands ICLEI. Da zwei Drittel der Menschheit am Wasser wohne, werde ein steigender Meeresspiegel eine direkte Bedrohung für dicht besiedelte Städte darstellen.

Folgen des steigenden Meeresspiegels

David Cadman, Präsident von ICLEI (Städte und Kommunen für Nachhaltigkeit), aufgenommen: Bonn, 12.5.2012, Foto: Helle Jeppesen für DW, Anlass: ICLEI-Kongress in Bonn, 13.-15.5.2012.

David Cadman, Präsident des Internationalen Städteverbands ICLEI

"Um wie viel der Meeresspiegel in Zukunft steigen wird, ist umstritten. Klar scheint, dass der Anstieg höher sein wird, als bisher angenommen. "Es ist relativ sicher, dass es eben nicht bei einem Meter bleiben wird, sondern dass man eher von zwei Meter und mehr bis zum Jahr 2100 ausgeht“, erklärt Joern Birkmann von der UN-Universität in Bonn. Er ist einer der leitenden Experten des Weltklimarats IPCC. Dieser Anstieg würde weltweit ganz enorme Flächen von Städten betreffen, so Birkmann. Er stellt sich folgende Frage: "Wohin sollen Millionen von Menschen evakuiert werden, wenn der Meeresspiegel ansteigt? Denn dieser Anstieg wird nicht nach zwei Tagen wieder weg sein!“

Für Joern Birkmann ist klar, dass die Städte bereits heute nicht nur in den Klimaschutz sondern auch in den Katastrophenschutz investieren müssen. Dazu zählen zum Beispiel Deiche oder Hochwasserwälle. Doch Städte müssen sich laut IPCC-Experte Birkmann ebenso auf das andere Extrem einstellen, nämlich auf Dürren und Hitzewellen, die ebenfalls häufiger auftreten werden. In London, so Birkmann, hätte man sich früher eher auf Hochwasser eingestellt. Heute würde man Dürren als die größte Bedrohung der britischen Hauptstadt sehen.

Kaum Geld für klimabedingten Katastrophenschutz

Eine Flutwelle bricht in Miyako, Japan,ueber den Hafendamm hinweg

Vor allem große Städte müssen sich in Zukunft auf Hochwasser einstellen

Katastrophenvorsorge ist jedoch teuer und viele Städte sind bereits heute überschuldet. Obwohl mehr als jeder zweite Mensch heute in einer Stadt wohnt, sind die Einnahmemöglichkeiten von Städten begrenzt. "Die Wahrheit ist“, so der Präsident des Internationalen Städteverbands ICLEI, David Cadman, "dass Städte von jedem Dollar Steuereinnahmen gerade einmal acht Cent bekommen“. Er fordert deshalb, dass ein größerer Anteil der regionalen und nationalen Steuereinnahmen in Städte fließen solle.

Auch der Oberbürgermeister der Stadt Bonn, Jürgen Nimptsch, sieht das Finanzierungsproblem der Städte. Die Stadt Bonn habe zwar von der Landesregierung Geld für den Hochwasserschutz bekommen, doch längerfristig müsse es auch auf internationaler Ebene andere Möglichkeiten geben.

"Wir haben die Deutsche Einheit durch eine Solidaritätsabgabe finanziert“, so Nimptsch. "Und man könnte sich auch beim Klimawandel eine ähnliche Lösung auf internationaler Ebene vorstellen. Aber die Stunde dafür ist noch nicht gekommen.“

Klimaverhandlungen zu langsam

Während sich die Mitglieder des Internationalen Städteverbands ICLEI über praktische Konzepte für eine Anpassung der Städte an den Klimawandel austauschen, treffen sich parallel dazu Delegationen der UN-Klimarahmenkonvention. Ihre Aufgabe ist es, den UN-Klimagipfel Ende des Jahres in Katar vorzubereiten. Doch wie der UN-Klimagipfel 2009 in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen gezeigt hat, ist die große UN-Runde nicht schnell handlungsfähig.

"Wenn die Nationen nicht zu entsprechenden Vereinbarungen kommen, müssen die Städte eben sehen, wie sie vor Ort Veränderungen selbst regeln können“, so Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch über die Folgen der langwierigen UN-Verhandlungen.

Auch David Cadman, ICLEI-Präsident und ehemaliger Stadtrat im kanadischen Vancouver ist der Meinung, dass Städte es sich nicht leisten könnten, auf die internationale Politik zu warten. Bereits 2020 werden wir die ersten Folgen des Klimawandels deutlich spüren, so Cadman: "Dann können wir die Ereignisse nicht mehr kontrollieren, sondern die Natur wird die Ereignisse bestimmen. Und die Natur wird sich auf ihre Weise rächen.“

Die Redaktion empfiehlt