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Asien

Sri Lanka: Zivilisten unter Dauerbeschuss

Die Propagandaschlacht geht weiter. Die Regierung Sri Lankas streitet kategorisch ab, mit schweren Waffen auf den letzten Küstenstreifen zu schießen, den die tamilischen Rebellen unter ihrer Kontrolle haben.

Schlange von Flüchtlingen (Foto: AP)

Tamilische Flüchtlinge warten auf ihre Registrierung in einem Transit-Lager

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums wies die Anschuldigungen bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Colombo als "bewusst lancierte Lügen der LTTE-Rebellen" zurück. Für die Regierung ginge es nicht darum, Rebellenführer Prabakharann zu besiegen. Vielmehr sei jeder Zivilist, der "aus seinen Händen befreit werden könnte" ein kleiner Sieg.

Propagandaschlacht auf beiden Seiten

Kindersaoldaten der LTTE (Foto: AP)

Kindersoldaten der LTTE

Die Gegenseite in dieser makabren Inszenierung für die Medien klingt ganz anders. Ebenfalls in Colombo hatte auch die Tamilische Nationale Allianz zur Pressekonferenz geladen. Sie ist im Parlament vertreten, und ihr Anführer Sambanthan wiederholte die Vorwürfe, die auch täglich von den eingekesselten LTTE-Rebellen kommen. Danach sollen Einheiten der Armee sogar auf das letzte Krankenhaus im Rebellengebiet geschossen und erneut viele Zivilisten getötet haben.

"Die Armee setzt weiter schwere Waffen und schwere Artillerie ein, obwohl die Regierung versprochen hatte, dass genau das nicht mehr passieren würde. Die humanitäre Katastrophe, vor der wir immer Angst hatten, findet jetzt statt", so Rajavarothayam Ambanthan von der den Rebellen nahe stehenden Tamilischen Nationalallianz.

Verifizierung schwierig bis unmöglich

Armeesoldaten bei der Patrouille (Foto: AP)

Armeesoldaten bei der Patrouille

Tatsächlich überprüfen kann die gegenseitigen Vorwürfe ohnehin keiner, weil Regierung und Armee verhindern, dass Journalisten und unabhängige Hilfsorganisationen sich selbst ein Bild machen können. Es ist verboten, aus der Kampfzone zu berichten. Es ist auch verboten, mit tamilischen Flüchtlingen zu sprechen, die in Lagern unter Regierungskontrolle untergebracht sind. Allerdings hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch jetzt neue, hoch auflösende Satellitenbilder vorgelegt, die zwischen dem 6. und 10. Mai entstanden sein sollen. Darauf sind große Krater zu erkennen, die nur von schweren Waffen und Artillerie-Munition stammen können. Außerdem zeigen die Bilder, wie sich eine große Menschenmenge mit großer Geschwindigkeit von einer Zone in eine andere bewegt. Für Human Rights Watch sind das klare Hinweise, dass Menschen fliehen, weil auf sie geschossen wird.

Menschliche Schutzschilde

Flüchtlinge im Wasser (Foto: dpa)

Die Flucht der Zivilisten dauert an

Nach Angaben der Vereinten Nationen halten die tamilischen Rebellen im letzten Gebiet unter ihrer Kontrolle mindestens 50.000 Zivilisten fest, um sie als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen. Das Internationale Rote Kreuz versucht immer wieder, die Zivilisten mit Schiffen zu versorgen und schwer Verletzte zu evakuieren. Aber wenn Lebensgefahr für die Mitarbeiter besteht, müssen die Aktionen abgebrochen werden. "Zuletzt war die Sicherheitslage so schlecht, dass wir uns zurückziehen mussten, ohne Hilfsgüter bringen oder Verletzte evakuieren zu können“, erklärt Sprecherin Sarasi Wijeratne.

Das letzte Gebiet, das die tamilische LTTE noch kontrolliert, ist gerade mal etwas über drei Quadratkilometer groß. Es ist von einer großen Lagune, vom Indischen Ozean und von Armee-Einheiten umschlossen. Genau hier wollen die Streitkräfte Sri Lankas die Rebellen vernichtend schlagen, die seit 1983 für einen unabhängigen Staat für die tamilische Minderheit im Norden und Osten der Insel kämpfen.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Esther Broders

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