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Politik

Spurensuche in Indien

Nach der Anschlagsserie in der indischen Hauptstadt Neu Delhi mit mindestens 61 Toten laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. 60.000 Polizisten sind im Einsatz, die ersten Verdächtigen wurden festgenommen.

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Nationalgarde und Polizei bei den Ermittlungen

Das Tageslicht macht das ganze Ausmaß der Verwüstungen an den drei Anschlagsorten im Zentrum und im Süden der indischen Hauptstadt deutlich. Im Tageslicht suchen die Ermittler nun nach Überresten der drei Sprengsätze. Es gebe einige Hinweise nach der Bomben-Serie, sagte Manmohan Singh vergangene Nacht. Doch Details nannte der indische Premierminister nicht. In einer kurzen Fernseh-Ansprache sagte er: "Das sind heimtückische Terror-Akte gegen das indische Volk. Diese Terroristen wollen Angst und Argwohn in unserer friedliebenden Bevölkerung verbreiten. Wir müssen ihre ruchlosen Pläne zunichte machen und wir werden ihnen nicht erlauben, Erfolg zu haben. Wir sind entschlossen, Terror in allen Formen zu bekämpfen."

Die Polizei geht bei ihren Ermittlungen davon aus, dass eine Gruppe hinter allen drei Anschlägen steht, die allesamt an belebten Plätzen Neu Delhis, mitten im größten Einkaufsrummel, kurz vor hohen Festagen der Hindus und Moslems verübt wurden.

Spekulationen über Attentäter

Polizei und Regierung lehnten es demonstrativ ab, über die Attentäter zu spekulieren. Oppositionspolitiker und Experten haben damit weniger Probleme. Sie sehen pakistanische Moslem-Extremisten hinter der Bomben-Serie, die oppositionelle Partei der Hindunationalisten BJP machte gar den pakistanischen Geheimdienst für die Anschläge verantwortlich. Ziel der Attentäter könnte gewesen sein, weitere indisch-pakistanische Annäherung zu verhindern, wurde gemutmaßt.

Immer wieder wurden die Namen zweier berüchtigter Extremisten-Gruppen aus Pakistan genannt: "Lashkar-e-Toiba" und "Jaish-e-Mohammed". Sie steckten wahrscheinlich dahinter, spekulierte der frühere indische Geheimdienstchef Arun Bhagat: "Sicherlich tragen die Anschläge ihre Handschrift - in dem Sinn, dass sie so etwas tun wollten." Vor allem sei es ihr großes Ziel, zu verhindern, dass Indien und Pakistan jemals zusammenkommen, sagte Arun Bhagat.

Angebliche Bekenner melden sich

Dennoch einigten sich Indien und Pakistan inzwischen auf eine teilweise Öffnung der Waffenstillstandslinie in Kaschmir, um Hilfe für die Überlebenden des Erdbebens zu ermöglichen. Nach langen, zähen Verhandlungen beschlossen sie: An fünf Punkten sollen sich Kaschmirer von beiden Seiten ab 7. November treffen und zu Fuß Hilfsgüter auf die andere Seite bringen können. Ein politisch höchst bedeutender Schritt, erst recht im derzeitigen Klima von Angst und Unsicherheit nach den Bomben-Anschlägen. Unterdessen hat sich nach Fernsehberichten eine bislang unbekannte Extremisten-Gruppe aus Kaschmir zu den Anschlägen bekannt. Die Gruppe "Inqilabi" ("revolutionär") habe eine örtliche Nachrichtenagentur in der Stadt Srinagar in Kaschmir angerufen und sich zu den Anschlägen bekannt, berichtete der private Fernsehsender NDTV 24x7 am Sonntag. Es war unklar, ob das Bekenntnis authentisch ist oder ob es sich bei der Gruppe um einen kleineren Vertreter einer großen Extremisten-Organisation handelte.

Sicherheitsexperten hatten zuvor gesagt, nur führende, in Pakistan ansässige Extremistengruppen, wie Lashkar-e- Toiba oder Jaish-e-Mohammed, hätten rein organisatorisch die Kapazität, Anschläge wie die vom Samstag auszuführen.

Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt

Indiens Premier Manmohan Singh appellierte an die Bevölkerung, "ruhig zu bleiben, nicht in Panik zu verfallen, Gerüchten keinen Glauben zu schenken und ihren normalen Aktivitäten nachzugehen":

Dennoch hatten die Behörden noch am Samstagabend (29.10.) überall in Indien Alarm ausgelöst. Vor allem an Flughäfen, Bahnhöfen und in belebten Einkaufsvierteln wurden die Sicherheitsmaßnahmen massiv verstärkt.

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