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Aktuell Europa

Spuren führen nach Brüssel und Syrien

Nach den Anschlägen von Paris befindet sich Frankreich laut Präsident Hollande im Krieg. Mehrere Personen wurden festgenommen. Auch im Familienumfeld eines der Attentäter wird ermittelt.

Nach den blutigen Terroranschlägen in Paris sind der Vater und der Bruder eines der Selbsmordattentäter in Polizeigewahrsam genommen worden. Außerdem wurden die Wohnungen der beiden Männer durchsucht, wie aus Ermittlerkreisen verlautete. Bei dem Vorgehen der Sicherheitskräfte in den Gemeinden Bondoufle nahe Paris und Romilly-sur-Seine in der Champagne waren auch Spezialeinheiten der französischen Polizei im Einsatz.

Festnahmen in Brüssel

Im familiären Umfeld des von den französischen Behörden identifizierten Attentäters wurden zudem weitere Menschen festgenommen. Der aus einem Pariser Vorort stammende 29-Jährige, dessen Leiche anhand von Fingerabdrücken identifiziert werden konnte, hatte am Freitagabend mit zwei Komplizen den Pariser Konzertsaal Bataclan gestürmt. Allein dort waren 89 Menschen getötet worden. Die Terroristen hatten mit Sturmgewehren wahllos in die Menge geschossen.

Zuvor waren in Brüssel drei Verdächtige festgenommen worden. Belgiens Justizminister Koen Geens sagte, die Festnahmen stünden in Verbindung mit dem VW-Polo, der von den Angreifern im Bataclan benutzt wurde. Laut dem Pariser Staatsanwalt François Molins war der belgische Wagen von einem in Belgien lebenden Franzosen geliehen worden. Die belgische Staatsanwaltschaft leitete am Abend Ermittlungen in vier Fällen wegen Beteiligung an einem Terrorakt ein.

Am Londoner Flughafen Gatwick nahm die Polizei einen mit einer Schusswaffe bewaffneten Franzosen fest. Zuvor hatten die Beamten ein Terminal des Flughafens nach dem Fund eines verdächtigen Gepäckstücks geräumt. Ob ein Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris besteht, ist unklar.

Flüchtlinge unter den Attentätern?

Eine weitere Spur führt nach Syrien: Nahe der Leiche eines Selbstmordattentäters sei ein syrischer Pass gefunden worden, sagte Molins. Der 1990 in Syrien geborene Inhaber sei den Behörden nicht bekannt. Der griechische Zivilschutzminister Nikos Toskas sagte, der Inhaber sei am 3. Oktober auf der Insel Leros angekommen und als Flüchtling registriert worden. Der Fund des Passes deutet auf eine Verbindung der Attentäter nach Syrien hin.

Wie der staatliche griechische Rundfunk (ERT) unter Berufung auf Kreise der Polizei weiter berichtete, könnte auch ein zweiter Mann, der an den Terroranschlägen beteiligt gewesen sein soll, aus der Türkei nach Griechenland in die EU eingereist sein. Eine offizielle Erklärung dazu lag zunächst nicht vor.

Mindestens 129 Tote

Nach Angaben von Staatsanwalt Molins waren die Attentäter offenbar in drei Gruppen aufgeteilt. In einem offenkundig abgestimmten Vorgehen griffen sie in der Nacht zum Samstag nahezu zeitgleich die Konzerthalle Bataclan, das Fußballstadion "Stade de France" und mehrere Restaurants sowie Bars an und töteten willkürlich Gäste und Passanten. Mindestens 129 Menschen wurden getötet. 352 Verletzte würden in Krankenhäusern behandelt, 99 von ihnen schwebten noch in Lebensgefahr, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Zu den Anschlägen bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). "Acht Brüder mit Sprengstoffgürteln und Sturmgewehren" hätten den Angriff verübt, erklärte der IS im Internet. Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten bei der Erstürmung des Bataclan "Allah Akbar" (Gott ist groß) gerufen. Zudem hätten sie auf die französischen Luftangriffe auf die IS-Miliz in Syrien verwiesen: "Euer Präsident ist schuld, er hat nicht in Syrien einzugreifen", sagten sie.

Hollande spricht von "Kriegsakt"

Frankreichs Präsident François Hollande wertete die Bluttat als "Kriegsakt". "Konfrontiert mit Krieg muss die Nation angemessene Maßnahmen ergreifen", kündigte der Präsident an. Die Tat sei "von außerhalb" geplant worden. Ermittlungen sollten nun die Beteiligung von Mittätern in Frankreich klären. "Alle Maßnahmen sind getroffen worden, um unsere Mitbürger und unser Staatsgebiet zu schützen." In der Nacht hatte Hollande bereits den Ausnahmezustand für das ganze Land - zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg- ausgerufen und die Grenzkontrollen verstärken lassen.

cr/haz (afp, dpa, rtr)