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Geschichte

Spuren deutscher Geschichte: Nazis im ewigen Eis

Eigentlich war die Antarktisexpedition der Nationalsozialisten von 1938/39 ein gewaltiger Flop. Doch hinterher entspannen sich wilde Verschwörungstheorien um diese Reise.

Ein riesiger Eisberg in der Antarktis picture-alliance/dpa

Antarktis Ewiges Eis Eisschollen

So mancher Mythos zirkuliert um das Ende des Dritten Reiches. Während historisch belegt ist, dass sich mancher Nazi bis nach Südamerika absetzte, zogen sich die Nationalsozialisten 2012 im Science-Fiction-Filmerfolg "Iron Sky" des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola gar bis auf die dunkle Seite des Mondes zurück. Auch "Neuschwabenland" und "Neu-Berchtesgaden" sollen nach dem Zweiten Weltkrieg Gerüchten zufolge als Zufluchtsorte für Nazi-Größen gedient haben. Während Neuschwabenland eine klar definierte Küstenregion im Osten der Antarktis ist, handelt es sich bei "Neu-Berchtesgaden" um eine reine Verschwörungstheorie. Die sich im rechten Lager aber großer Beliebtheit erfreut.

Geheime Reichssache

Die Geschichte um Nationalsozialisten im ewigen Eis begann in den 1930er Jahren mit Wal-Tran. Kaum eine andere Ressource ließ die deutschen Beamten in verschiedenen Ministerien mehr verzweifeln. Denn das Walöl musste für teures Geld, noch dazu kriegswichtige Devisen, aus Norwegen erworben werden. Denn Hersteller von Margarine, Schmiermitteln und Seifen konnten auf diesen grundlegenden Stoff nicht verzichten. Besonders Reichsmarschall Hermann Göring war daher daran interessiert, diese "Fettlücke", wie das Problem genannt wurde, zu schließen: Als Beauftragter für den Vierjahresplan oblag es ihm, Deutschland wirtschaftlich unabhängig und damit kriegsbereit zu machen. Aus diesem Grund baute das Deutsche Reich eine eigene Walfangflotte auf, die ertragreicher Jagdgebiete bedurfte.

Buckelwal Megaptera picture-alliance/OKAPIA KG

Ressource Wal-Tran: Ein Buckelwal in der Antarktis

Am 17. Dezember 1938 verließ das Expeditionsschiff "Schwabenland" mitsamt zweier schwimmfähiger Flugzeuge den Hamburger Hafen Richtung Südpol. Genauer gesagt lautete das Zielgebiet: 20 Grad West und 20 Grad Ost. Offiziell benannte man die Erkundung "Dritte Deutsche Antarktische Expedition". Inoffiziell hatte Göring der "Schwabenland" indessen noch eine andere Aufgabe anvertraut: Eine – wie es damals hieß – "Geheime Reichssache" wies die Besatzung des Schiffes an, "durch Flaggenabwürfe die hoheitliche Grundlage einer späteren Besitzergreifung des Gebietes durch das Deutsche Reich" zu schaffen, insbesondere für die Sicherung des Walfangs. Und die "Expedition" sollte erkunden, ob sich deutsche Kriegsschiffe und Unterseeboote in diesem Gebiet überhaupt mit Wasser und Nahrung versorgen könnten.

Was dem Südpol erspart blieb

Am 19. Januar 1939 erreichte die "Schwabenland" unter ihrem Kapitän und Expeditionsleiter Alfred Ritscher ihr Einsatzgebiet. Allerdings zu spät, um deutsche Ansprüche anmelden zu können. Wohlweislich hatten die Norweger das in Frage kommende Gebiet bereits zu ihrem Besitz erklärt. Enttäuschung muss die Expeditionsteilnehmer befallen haben, als sie die gestickten Aufnäher auf ihren Uniformen betrachteten. Sie zeigten eine Karte der Antarktis mit dem abgegrenzten Neuschwabenland – so sollte das zukünftige deutsche Territorium heißen –, das von einer Hakenkreuzfahne aufgespießt wird. Das blieb dem Südpol somit erspart.

Das Katapultschiff Schwabenland 1934 Photographie picture alliance/IMAGNO/Austria Archives.

Die "Schwabenland", Bild von 1934

In wissenschaftlicher Hinsicht war die Expedition erfolgreicher. Die Besatzung entdeckte im Inland eine eisfreie und mit vergleichsweise mildem Klima ausgestattete Seenplatte, die nach dem Kapitän des einen Flugbootes die "Schirrmacher-Seenplatte" getauft wurde. Helmut Wohlthat, einer der Planer der Expedition, wurde Namenspatron des ebenfalls entdeckten riesigen "Wohlthat-Massivs", dessen höchster Gipfel der fast 3.000 Meter hohe "Zwieselberg" ist.

Auch in Sachen Walforschung kam die Besatzung der "Schwabenland" voran. Doch der Krieg machte allen diesen Bemühungen ein Ende. Mit Ausbruch des Krieges war an weitere Antarktisexpeditionen nicht mehr zu denken, sämtliche Ressourcen stellte man nun der Kriegsführung zur Verfügung.

Zuflucht in der Eiswüste?

Wieder daheim wurde die Rückkehr der "Schwabenland" wenig beachtet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges allerdings rankten sich Gerüchte um die geheimnisvolle Expedition und weitere Aktivitäten der Nazis in der Region. Eine regelrechte Festung, eine Art "Neu-Berchtesgaden" sei im ewigen Eis angelegt worden, hieß es. Hier hätten der Führer-Vertraute Martin Bormann, Eva Braun oder gar Hitler – beziehungsweise seine sterblichen Überreste – höchstpersönlich Zuflucht gefunden. Selbst britische und amerikanische Spezialeinheiten hätten beim Versuch der Erstürmung dieser letzten Nazi-Festung den kürzeren gezogen. Bis der Bau schließlich per Atombombe ausgeräuchert wurde. Dies alles sind nur Legenden und Gerüchte, die in der rechtsradikalen Szene bis heute kursieren.

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