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Politik

Sprungbrett in den Westen

In China suchen immer häufiger Flüchtlinge aus Nordkorea Zuflucht in ausländischen Botschaften und Konsulaten. Sie wollen ihre Ausreise in ein freies Land erzwingen.

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Eine nordkoreanische Familie sucht Zuflucht

Vor einem Jahr war es die Vertretung des UN-Flüchtlingshilfswerks in Peking. In diesem Jahr folgten die Botschaften von Spanien und Deutschland, dann kürzlich die Konsulate von Japan und den USA im nordostchinesischen Shenyang - und als jüngster Fall nun am Sonntag (12. Mai 2002) die kanadische Botschaft in Peking: Obwohl sich China bemüht, die diplomatischen Vertretungen vor allem westlicher Länder abzuschirmen, suchen dort immer mehr nordkoreanische Flüchtlinge Zuflucht und die Möglichkeit zur Ausreise. Damit bringen sie Chinas Regierung in eine äußerst schwierige Situation.

Diskrete Erlaubnis zur Ausreise

Der Exodus der Nordkoreaner kommt zu einer Zeit, in der China seinen wirtschaftlichen Öffnungsprozess vorantreibt und ein entspanntes Verhältnis zum Westen sucht. Deswegen bemüht sich Peking bislang um die einvernehmliche Beilegung der Vorfälle. In den bisherigen Fällen erhielten die nordkoreanischen Flüchtlinge eine diskrete Erlaubnis zur Ausreise über ein Drittland nach Südkorea.

Andererseits hat China aber kein Interesse daran, dauerhaft zum Sprungbrett für verzweifelt ausreisewillige Nordkoreaner zu werden. Die sich häufenden Präzedenzfälle sorgen in Peking deshalb für Nervosität.

So ist auch der Zwischenfall in Shenyang zu erklären, wo chinesische Sicherheitskräfte offenbar entgegen internationalem Recht fünf nordkoreanische Flüchtlinge auf dem Gelände des japanischen Konsulats festgenommen haben. China steht nicht zuletzt bei seinem Verbündeten Nordkorea im Wort, dem es zugesagt hat, aufgegriffene Flüchtlinge wieder in ihre Heimat abzuschieben.

Rückkehrern drohen Folter und Haft

In Nordkorea allerdings drohen den Flüchtlingen nach Auskunft von Menschenrechtlern Haft und Folter, wenn nicht sogar die Todesstrafe. Chinas Regierung ist bei Strafen zwar selbst nicht zimperlich - und ausländische Kritik daran gewohnt.

Offenbar will man in Peking aber vermeiden, international nun auch noch für die Politik des nordkoreanischen Regimes mit an den Pranger gestellt zu werden. Die Konsequenz: Nur wer es durch spektakuläre Aktionen in eine westliche Botschaft und damit in die internationalen Schlagzeilen bringt, darf hoffen, nicht zurück nach Nordkorea abgeschoben zu werden.

Flucht vor Hunger und Willkürherrschaft

Mindestens 150.000, nach anderen Schätzungen sogar bis zu 300.000 Nordkoreaner halten sich derzeit illegal in China auf. Ursachen für die Fluchtbewegung sind die katastrophale Hungersnot und politische Willkürherrschaft im stalinistischen Nordkorea. Im Regelfall suchen sie Zuflucht in den nördlichen Provinzen Heilongjiang, Jilin und Liaoning. In der Vergangenheit sind die Nordkoreaner dort von den chinesischen Behörden oft stillschweigend geduldet worden.

Doch in jüngster Zeit wurden die Kontrollen verschärft, Menschenrechtler berichten sogar von "Kopfgeldern" für aufgegriffene Flüchtlinge. Sicher scheint: Aufgrund der zunehmenden Botschafts-Vorfälle dürfte Peking die Kontrollen im Grenzgebiet zu Nordkorea weiter verstärken.

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