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Musik

Sprungbrett für junge Geiger

Der Joseph-Joachim-Violinwettbewerb gilt als einer der bedeutendsten Wettbewerbe der Welt. Alle drei Jahre trifft sich hier die junge Geigenelite zum musikalischen Kräftemessen.

Völlig selbstvergessen steht die aus Moldawien stammende 24-jährige Alexandra Conunova-Dumortier mit ihrer Violine auf der Bühne: Hoch konzentriert, mal mit halb geschlossenen Augen, mal leicht im Takt mitwiegend spielt sie mit voller Leidenschaft und packender Dramatik den Solopart in Jean Sibelius' berühmten Violinkonzert in d-moll op. 47. Scheinbar mühelos huschen ihre Finger über die Saiten: Technische Probleme sind für die Geigerin offensichtlich ein Fremdwort.

Suche nach Persönlichkeiten

Alexandra Conunova-Dumortier auf der Bühne (Foto: JJV)

Hohe Konzentration

Alexandra Conunova-Dumortier und fünf weitere Teilnehmer haben es geschafft: Sie stehen im Finale des Joseph-Joachim-Violinwettbewerbes. Der Wettbewerb ist benannt nach dem berühmten Violinvirtuosen Joseph Joachim, der ab 1852 fast 15 Jahre lang in Hannover als Kapellmeister, Solist und Pädagoge wirkte, und von dem die Wettbewerbteilnehmer selbstverständlich ein Stück im Repertoire haben müssen.

1991 rief ihn der polnische Geiger und Hochschulprofessor Krzysztof Wegrzyn in der niedersächsischen Landeshauptstadt ins Leben; dabei stand für ihn eines im Vordergrund: "Wir suchen vor allen Dingen nach Persönlichkeiten", betont er. "Technische Fähigkeiten sind nur eine Grundvoraussetzung, die alle Teilnehmer besitzen; aber unter ihnen sind auch musikalische Ausnahmeerscheinungen mit einer künstlerischen Botschaft."

Hohe Anforderungen

Der Wettbewerb, der alle drei Jahre stattfindet und mittlerweile als einer der wichtigsten Violinwettbewerbe weltweit gilt, stellt hohe Anforderungen an die Teilnehmer. Die bringen nicht nur ein paar Stücke, sondern ein breit gefächertes Repertoire mit. In mehreren Runden müssen sie ihre Kompetenz sowohl im Solovortrag als auch in Kammermusik- und Orchesterkonzertstücken einer hochkarätig besetzten Jury unter Beweis stellen.

Dafür winken dem ersten Preisträger ein hohes Preisgeld, eine CD-Einspielung bei einem internationalen Label, Konzertverpflichtungen im In- und Ausland sowie eine wertvolle Barockvioline, die für drei Jahre zur Verfügung gestellt wird. Auch die anderen Finalisten werden mit bemerkenswerten Preisgeldern ausgezeichnet.

In Ostasien sehr beliebt

Tobias Feldmann vor dem NRD-Symphonieorchester (Foto: JJV)

Tobias Feldmann - der einzige Teilnehmer aus Deutschland

35 Teilnehmer aus 20 Nationen waren am 29. September nach Hannover gereist; davon kamen allein 17 aus Japan, Südkorea, China und Taiwan. Ihre vergleichsweise hohe Zahl gegenüber 14 Kandidaten aus ganz Europa und Russland begründet Krzysztof Wegrzyn damit, dass in Ostasien mehr in die musikalische Ausbildung investiert werde.

Interessanterweise war die Kandidatenaufteilung diesmal fast ausgewogen: "Mit einer gewissen Genugtuung habe ich festgestellt, dass die Männer sich wieder als Violinisten geoutet haben", freut sich Jurorin Agnieszka Duczmal. Ihr Kollege Ulf Schneider ist begeistert von der hohen Qualität der Darbietungen: "Ich muss sagen, es waren wirklich außerordentliche, fantastische und zu Herzen gehende Konzerte mit einem wirklich beeindruckenden Niveau."

Sprungbrett zur Karriere

Die Gewinnerinnen Alexandra Conunova-Dumortier und Dami Kim im Kreise der anderen Finalisten halten ihre Preise (Foto: JJV)

Die Würfel sind gefallen


Auf die Teilnahme hatten alle sich intensiv vorbereitet – auch Tobias Feldmann, der einzige Vertreter aus Deutschland: "Das umfangreiche Repertoire erfordert schon viel Übungszeit, das ist ein Programm von mehr als drei Stunden und das meiste wird auswendig gespielt." Nach den Vorspielen gehen die Kandidaten übrigens nicht in ein anonymes Hotelzimmer zurück, sondern zu ihren Gastfamilien, die sie bei den Konzerten auch anfeuern – eine weitere Besonderheit des Joseph-Joachim-Wettbewerbs.

Viele sehen in dem ersten Preis ein wichtiges Sprungbrett für ihre Karriere. Auch die Moldawierin Alexandra Conunova-Dumortier, die in Hannover bei Krzysztof Wegrzyn studiert, macht da keine Ausnahme. Dennoch zählen für sie noch andere Dinge: "Eine Karriere muss man bilden, das ist etwas, wo Kontakte eine Rolle spielen, Erziehung, Charakter und auch ganz viel Glück." Das ist ihr im Wettbewerb hold gewesen: denn zusammen mit der Südkoreanerin Dami Kim teilt sich Alexandra Conunova-Dumortier den ersten Preis des Joseph-Joachim-Violinwettbewerbes 2012.