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Politik & Gesellschaft

Sprossen im Visier der EHEC-Fahnder

Bei der spanischen Gurke lagen sie daneben, doch nun sind sich Wissenschaftler (wieder) ziemlich sicher: Sprossen aus Niedersachsen sollen für den Ausbruch der EHEC-Seuche in Deutschland verantwortlich sein.

Sprossen (Foto: Fotolia)

Sprossen: Würzig und knackig? Oder gefährlich?

Auf der Suche nach der Quelle für die lebensgefährlichen Infektionen mit dem Darmkeim EHEC ist den Behörden möglicherweise ein Durchbruch gelungen: Experten führen zahlreiche Infektionen auf einen Betrieb im niedersächsischen Landkreis Uelzen zurück, der Sprossengemüse produziert. Die Sprossen seien direkt oder über Zwischenhändler an gastronomische Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Niedersachsen geliefert worden, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit. Unklar ist, ob noch EHEC-verseuchte Ware im Handel ist: Insgesamt seien 18 Sprossenmischungen verdächtig, heißt es.

Doch wie genau ...

... soll das Bakterium in die Sprossen gelangt sein? Der niedersächsische Agrarminister Gert Lindemann nannte zwei mögliche Wege: Zum einen könne das Bakterium in dem Sprühnebel entstanden sein, der zum Keimen des Saatgutes genutzt wird. In Trommeln werde 38 Grad heißer Wasserdampf erzeugt - diese Bedingungen seien nicht nur optimal für das Keimen von Sprossen, sondern auch von anderen Bakterien, sagte Lindemann. Zum anderen könnte die Ursache aber bereits in den Saatgut-Lieferungen liegen, die das betroffene Unternehmen aus verschiedenen deutschen und ausländischen Quellen bezog.

Gurke (Foto: Fotolia)

Gurke: Zu Unrecht am Pranger!

Aus welchen Ländern der Betrieb Saatgut erhielt, wollten die Behörden nicht mitteilen. Schließlich hatten Wissenschaftler schon einmal geglaubt, eine EHEC-Infektionsquelle gefunden zu haben - in einer Ladung spanischer Gurken. Weitere Untersuchungen entkräfteten dann jedoch den Verdacht. Die falsche Analyse hatte massive Proteste spanischer Bauern und der Regierung in Madrid ausgelöst.

Ministerielle Warnung

Mit Blick auf die möglicherweise verseuchten Sprossen schränkte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr denn auch ein: "Wir haben zwar deutliche Hinweise darauf, dass der Betrieb aus Uelzen offensichtlich eine Infektionsquelle ist, aber wir müssen die Bestätigung der Labortests abwarten." Diese lägen möglicherweise erst am Dienstag (07.06.2011) vor, sagte Bahr. Zugleich riet er dazu, vorerst auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten. Auch die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten gelte weiter.

Mikroskopische Aufnahme von EHEC-Bakterien (Foto: dpa)

EHEC-Bakterien: So sehen sie unter dem Mikroskop aus

Die Zahl der Todesfälle infolge einer EHEC-Infektion stieg am Wochenende auf 21, wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete. Bei mehr als 600 Patienten wurde das gefährliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert. Zahlreiche Erkrankte schweben in Lebensgefahr. Bahr räumte Engpässe bei der Patientenversorgung in manchen norddeutschen Kliniken ein. Fehlende Kapazitäten etwa in Hamburg und Bremen könnten aber bisher von umliegenden Krankenhäusern bereitgestellt werden.

Autor: Christian Walz (dpa, rtr)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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