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Kultur

Spritzen-Skandal in Las Vegas

Weil eine Klinik Spritzen mehrmals verwendete, fürchten zehntausende Amerikaner, sich mit Hepatitis infiziert zu haben. Die Klinik äußert Bedauern, gibt aber keine Erklärung. Es ist nicht der erste Fall dieser Art.

Zwei Hände halten eine Spritze und führen sie in den Oberarm einer Person ein (Quelle: AP)

Neue Nadeln - alte Spritzen: Im reichen Las Vegas spart eine Klinik Geld

Zwischen März 2004 und Anfang 2008 soll das medizinische Personal des "Endoscopy Centers" in der schillernden Glücksspieler-Stadt Spritzen mehrfach verwendet haben. Patienten könnten sich dabei nicht nur mit Gelbsucht (Hepatitis), sondern auch mit HIV-Erregern infiziert haben, befürchten die Gesundheitsbehörden. 40.000 Menschen werden nun Anfang März Post mit dem Rat erhalten, sich vorsorglich testen zu lassen, möglicherweise sogar auf eigene Kosten. Betroffene sind verzweifelt, hilflos und wütend. Die Behörden sprechen vom größten Aufruf dieser Art in den Vereinigten Staaten.

Auffällig hohe Ansteckungsrate gab Hinweis

Mirkoskopische Aufnahme eines Krankheitserregers (Quelle: Aventis)

Hepatitis kann zu schweren Leberschäden führen

Entdeckt wurde der falsche Umgang mit Spritzen und Ampullen erst, weil seit Jahresbeginn bereits sechs neue Infektionen mit Hepatitis C bei Bewohnern aus der Region Las Vegas gemeldet wurden. Diese Zahl ist dreimal so hoch wie der Jahresdurchschnitt für die Gegend. Bei näheren Untersuchungen stellte sich heraus, dass fünf der Betroffenen sich am gleichen Tag eine Betäubungsspritze im Endoskopie-Zentrum von Süd-Nevada hatten geben lassen. Der sechste Patient hat sich die Infektion vermutlich im Juli zugezogen.

"Nie im Leben hätte ich daran gezweifelt, dass sie nicht neue Spritzen verwenden", empörte sich die Patientin Diana Andrade im Lokalsender KVBC. "Alle meine Enkelkinder, meine Kinder, mein Ehemann müssen sich nun testen lassen", sagte die Frau. Die Zustände am Endoscopy Center in Süd-Nevada seien beschämend, schreibt jemand wütend im Blog der Zeitung "USA Today". "Weil Eure Mitarbeiter derart nachlässig waren, lebe ich nun mit der Sorge, dass sich meine Mutter, die dreimal zu Routinebehandlungen dort war, vielleicht mit einer potenziell todbringenden Krankheit angesteckt hat."

Verstoß gegen medizinische Grundregeln

Dass zwar nicht die Nadeln, wohl aber die Spritzenkörper immer wieder verwendet wurden, war nach Recherchen des "Las Vegas Review Journal" gängige Praxis "von Ärzten bis hin zum technischen Mitarbeiter". Die Leitung der auf Magen-Darm-Krankheiten spezialisierten Klinik äußerte "tiefes Bedauern", blieb zunächst aber eine Erklärung schuldig.

Ärzte schütteln den Kopf über die Zustände in der Klinik. Schon im ersten Studienjahr lernten angehende Mediziner, dass Spritzen nur ein Mal verwendet werden dürfen, betont Cheryl Hug-English von der medizinischen Fakultät der Universität von Nevada. Hepatitis ist eine durch Viren, Bakterien oder Parasiten hervorgerufene Leberentzündung, die das wichtige Organ erheblich schädigen kann. Im Fall des Skandals in Las Vegas befürchten die Gesundheitsbehörden eine Infektion mit den beiden Hepatitis-Typen B und C, die auf dem Blutweg übertragen werden können. Auch eine HIV-Infektion sei möglich.

Skandal weckt Erinnerungen

Es ist nicht das erste Mal, dass der Verdacht auf Gelbsucht-Alarm die amerikanische Öffentlichkeit aufschreckt. Im bislang größten Fall warnten die Behörden vor sieben Jahren 2000 Patienten einer Klinik in New York vor einer möglichen Infektion, nachdem acht Menschen positiv auf Hepatitis C getestet worden waren. Zum soweit größten Ausbruch der Krankheit in Nordamerika kam es 2002: In einer Krebsklinik im US-Staat Nebraska infizierten sich 99 Patienten mit dem Typ C – weil eine Krankenschwester immer wieder dieselbe Spritze verwendet hatte. (rri)

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