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Wissen & Umwelt

Springt er oder springt er nicht?

Mehrfach musste Extremsportler Felix Baumgartner seinen "Irrsinns"-Sprung verschieben, weil das Wetter nicht mitspielte. Nun ist er auf dem Weg, um aus fast 37 Kilometern Höhe mit einer Spezialausrüstung abzuspringen.

Felix Baumgartner (Foto: dpa)

Felix Baumgartner

Der Mann heißt Felix Baumgartner, ist Österreicher, 43 Jahre alt und hat schon sehr oft verrückte Dinge gemacht: Mit einem Fallschirm sprang er aus dem 88. Stock der Pertronas Towers in Kuala Lumpur. Er hüpfte vom rechten Arm der Christus-Statue in Rio de Janeiro, von der höchsten Brücke der Welt - dem 343 Meter hohen Viaduct de Millau - und aus der 91. Etage des Wolkenkratzers Taipei 101 in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans. Für keine seiner Aktionen hatte er eine Erlaubnis, oft musste er nach seiner Landung mit dem Fallschirm die Flucht ergreifen, um nicht festgenommen zu werden.

Doch Baumgartner will höher hinaus. Viel höher. 36.576 Meter hoch - also fast 37 Kilometer. Das ist viermal höher als der höchste Berg der Welt, der Mount Everest. Von dieser Höhe aus - Meteorologen nennen diesen Bereich der Atmosphäre die Stratosphäre - möchte der Extremabenteurer auf die Erde springen. Er will schneller als der Schall fallen und gleich mehrere Weltrekorde aufstellen. Es ist ein Medienereignis, aber auch ein sehr gefährliches. Möglicherweise sogar ein lebensgefährliches.

Ein kleiner Fehler endet in einer Katastrophe

Dazu wird Baumgartner zunächst von einem riesigen Heliumballon hochgeschleppt. Das dauert etwa drei Stunden. Oben angekommen, springt er aus seiner Spezialkapsel und saust erst einmal mit rund 1110 Stundenkilometern Richtung Erdboden. Nach fünf Minuten freiem Fall wird Baumgartner die Reißleine seines Fallschirms ziehen und etwa 15 Minuten später landen. Wenn alles gut geht. Denn schon ein kleiner Fehler reicht aus, um das irrwitzige Unterfangen in einer Katastrophe enden zu lassen.

Ungeschützt würde Baumgartner bei seinem Sprung durch die Stratosphäre keine Minute überleben. Deshalb trägt er einen Druckanzug, entwickelt von einem Unternehmen, das auch die Astronauten der NASA ausrüstet. Außerdem braucht er Sauerstoff, der für einen Menschen schon ab 3000 Metern Höhe knapp wird. In 37 Kilometern Höhe ist so gut wie keine Luft mehr vorhanden. Dazu kommen niedrigste Temperaturen und ein verschwindend geringer Luftdruck, der weniger als ein Prozent im Vergleich zur Erdoberfläche beträgt.

Felix Baumgartner springt aus der Spezialkapsel bei seinem zweiten Testflug (Foto: dpa - Bildfunk)

Felix Baumgartner springt während seines zweiten Testflugs aus der Spezialkapsel

Der Schutzanzug muss halten, ein Riss wäre fatal. "Wäre der Druckanzug undicht oder beschädigt, würde höchste Gefahr drohen", warnt Martin Trammer vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Denn der Luftdruck dort oben sei so gering, "dass in einem ungeschützten Körper das Wasser verdampfen würde." Gasblasen würden sich bilden, sagt der Mediziner, und die Blutgefäße verstopfen. Die Folge wären Herzinfarkt oder Gehirnschlag.

Gefährliches Trudeln

Was Trammer jedoch die größte Sorge macht, ist die Gefahr des "flat spin", wenn Kopf und Beine um die Körpermitte rotieren. Würde Baumgartner in diese Lage geraten, sei es ungemein schwer, den trudelnden Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Schuld sei der geringe Luftwiderstand, sagte ein anderer DLR-Experte der Deutschen Welle. "Die paar Luftmoleküle bieten viel zu wenig Widerstand, um eine stabile Position zu halten oder nach einem Steuerfehler wiederzuerlangen - man verliert leicht die Kontrolle."

Was dann folgt, ist entsetzlich: Der Körper rotiert in einer immer schneller drehenden Spirale nach unten. Dadurch sammelt sich das Blut im Kopf und in den Beinen. Der Blutkreislauf bricht zusammen, das Gehirn ist unterversorgt - eine Ohnmacht droht. Gleichzeitig wachse der Druck auf die Blutgefäße im Kopf so stark an, dass im Extremfall Adern einreißen und lebensbedrohliche Blutungen verursachen, so Luft- und Raumfahrtmediziner Trammer.

Auch für diesen Fall ist Felix Baumgartner vorbereitet: Um ein unkontrolliertes Trudeln zu stoppen, öffnet sich automatisch ein kleiner Stabilisierungsfallschirm, falls er ohnmächtig wird oder die Kontrolle verliert. Außerdem hat er einen Notfallschirm, der sich öffnet, wenn er die Reißleine nicht selbst zieht.

Eine Armada an Medizinern und Technikern überwacht den waghalsigen - manche sagen lebensmüden - Sprung des 43-jährigen Extremsportlers. Bergungs- und Medizinhubschrauber sind immer in seiner Nähe und können innerhalb von Sekunden bei ihm sein, ihn versorgen und sofort ins nächste Krankenhaus bringen. Mehrere Kliniken seien schon vorgewarnt, heißt es.

Doch Felix Baumgartner ist optimistisch. Muss er auch sein. Fünf Jahre, sagt er, habe er sich akribisch darauf vorbereitet. Auch erste Testsprünge aus knapp 30.000 und 21.000 Metern seien ohne Probleme verlaufen.

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